Das Steffi-Graf-Stadion in Grunewald. Quelle: imago images/Nordphoto
Audio: Inforadio | 05.07.2020 | Interview mit Edwin Weindorfer | Bild: imago images/Nordphoto

Interview | Tennis-Veranstalter Edwin Weindorfer - "Was auf der Adria-Tour passiert ist, ist völlig inakzeptabel"

In Berlin schlagen ab dem 13. Juli Top-Tennisspieler auf - vor Zuschauern. Veranstalter Edwin Weindorfer spricht im Interview über den Reiz des Events und Ticketverkäufe. Party-Exzesse wie zuletzt auf der Adria-Tour möchte er unbedingt vermeiden.

rbb|24: Ab 13. Juli wird in Berlin wieder Tennis gespielt - auf der Anlage von Rot-Weiß und auf dem Tempelhofer Feld. Warum gibt es diese Aufsplittung auf zwei Standorte?

Edwin Weindorfer: In diesem Jahr hätte zum ersten Mal das WTA-Turnier im Steffi-Graf-Stadion auf Rasen stattfinden sollen. Das Turnier konnte aufgrund von Corona Mitte Juni nicht gespielt werden. Wir haben dann gemeinsam mit unserem Partner ein neues Konzept entwickelt, weil wir sagen, Tennis in Berlin sollte trotzdem starten. Natürlich unter strengen Richtlinien. Die Gesundheit für alle Fans und die Spieler ist das Wichtigste. Dem haben wir uns untergeordnet. Wir haben gemeinsam mit der Stadt Berlin ein Gesundheitssystem ausgearbeitet, wo wir sowohl im Steffi-Graf-Stadion als auch im Hangar in Berlin-Tempelhof eine kleine Anzahl Besucher begrüßen dürfen. Das ist ja nicht nur eine Trennung der Locations, sondern die Faszination, dass Tennis in Berlin auf zwei verschiedenen Belägen stattfinden kann: auf Wimbledon-Rasen im Steffi-Graf-Stadion, der bei dem Turnier eingeweiht wird, und auf Hartplatz im Hangar. Das ist auch eine spannende Sache, weil die US Open als nächstes Turnier im September geplant sind. Da ist es für die Spieler natürlich gut, schon auf dem Hartplatz zu trainieren. Deswegen glaube ich, dass das eine gute Kombination ist.

Wie viele Zuschauer dürfen denn dabei sein und wie haben Sie den Senat davon überzeugen können, dass man das machen darf?

Ich glaube, dass es seit einigen Wochen grundsätzlich einen Beschluss vom Senat gibt, dass man Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Personen durchführen darf, sofern man die Distanzregelungen einhält. Wir haben ein 59-seitiges Hygiene-, Gesundheits- und Sicherheitskonzept eingereicht und dieses wurde für das Steffi-Graf-Stadion mit insgesamt 1.000 Personen genehmigt. Das heißt für uns, wir können 800 Tickets verkaufen. Ungefähr 200 Leute sind in den Teams mit den Spielern, den Mitarbeitern und den Journalisten. Somit werden wir unter diesen 1.000 Personen sein. Im Hangar in Tempelhof besteht die Möglichkeit, für 200 Personen Tickets zu kaufen. Da sind ungefähr 100 weitere Leute aus den Teams und an Mitarbeitern dabei.

Wer wird denn dann in Berlin aufschlagen?

Bei den Damen haben wir drei Top-Zwölf-Spielerinnen, unter anderem die Nummer fünf der Welt, Elina Svitolina, die Nummer sieben der Welt, Kiki Bertens aus Belgien, und mit Petra Kvitova eine ehemalige Wimbledonsiegerin. Aus deutscher Sicht spielen auch Julia Görges und Andrea Petkovic mit und zudem noch die Französin Caroline Garcia. Bei den Herren haben wir mit Dominic Thiem und Alexander Zverev zwei Top-Ten-Spieler dabei. Dazu sind noch einige andere Top-Stars wie Nick Kyrgios am Start. Aus deutscher Sicht sind noch Jan-Lennart Struff und Thommy Haas dabei.

Sie haben Alexander Zverev schon erwähnt. Es gab Diskussionen um ihn, weil er sich nicht immer an die Hygieneregeln und Coronavorschriften gehalten hat. Sind Sie da mit ihm im Gespräch?

Wir sind natürlich täglich im Gespräch mit seinem Management. Das, was auf der Adria-Tour passiert ist, ist natürlich völlig inakzeptabel. Da waren ja außer Zverev auch andere Spieler involviert. Bei uns gibt es ganz klare Regularien. Von dem Moment an, wo die Spieler in Berlin landen und den ersten Coronatest abgeben - der natürlich negativ sein muss - werden sie sich unserem sehr strikten Regulativ unterziehen müssen. Wenn das nicht eingehalten wird und die Spieler glauben, trotzdem auf irgendwelche Partys gehen zu müssen, dann werden sie nicht antreten. Das haben wir den Spielern auch ganz klar kommuniziert. Wir haben eine Ersatzbank, es könnten also auch andere Spieler zum Einsatz kommen, zum Beispiel Rudi Molleker.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nik Hillmann, rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte und redigierte Version. Sie können das vollständige Gespräch mit einem Klick ins Titelbild nachhören.

Sendung: Inforadio, 05.07.2020, 15 Uhr

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