Andrea Petkovic schlägt im Hangar 6 des Flughafens Temeplhof auf. (Quelle: imago images/Eibner)
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Veranstalter zeigen sich zufrieden - Vier Lehren aus dem Tennis-Turnier in Berlin

Berlin ist zurück auf der internationalen Tennis-Landkarte - zumindest medial. Das "bett1Aces"-Turnier sorgte für großes Interesse, aber nicht für große Stimmung vor Ort. Trotzdem lief vieles nach dem Geschmack der Veranstalter. Von Uri Zahavi

Eine Woche lang blickte die Tennis-Welt auf Berlin: Mit gleich zwei Turnieren meldete sich die deutsche Hauptstadt nach zwölf Jahren ohne Profi-Wettkampf als Tennis-Standort zurück. Sowohl im Steffi-Graf-Stadion im Grunewald als auch im Hangar 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof gab es hochklassiges Tennis zu sehen. Doch das ist nicht alles, was von dem Show-Event hängenbleibt.

Die Sehnsucht nach einem deutschen Sympathieträger

Ohne Frage: Tommy Haas ist der unangefochtene Held dieses Turniers. Der 42-Jährige Publikumsliebling unterbrach für den Show-Auftritt in Berlin kurzfristig seine Tennis-Rente, um für das ursprüngliche Zugpferd Alexander Zverev einzuspringen. Deutschlands aktuell bester Tennisspieler hatte seine Teilnahme abgesagt. Der 23-Jährige war in den letzten Wochen vor allem mit Party-Skandalen in Zeiten der Corona-Pandemie aufgefallen.

Haas, die ehemalige Nummer zwei der Welt, vertrat Zverev sensationell, begeisterte mit dem vollen Entertainment-Programm: spektakuläre Ballwechsel, leidenschaftlicher Kampf um jeden Punkt und Emotionen. Tennis-Herz, was willst du mehr? Während er im ersten Teil des Hauptstadt-Turniers auf Rasen im Grunewalder Steffi-Graf-Stadion schon in der ersten Runde ausschied, schaffte Haas es in der zweiten Wochenhälfte beim Turnier auf Hartplatz im ehemaligen Flughafen Temepelhof bis ins Halbfinale.

Tommy Haas spielt einen Rückhand-Volley beim Tennisturnier im Hangar des Flughafens Tempelhof. Bild: imago-images/Beautiful Sports
Oldie Tommy Haas begeisterte bei seinem Kurz-Comeback. Bild: imago-images/Beautiful Sports

Kurz wirkte es so, als sei er nie weg gewesen. Sein offensives Tennis mit starker Rückhand und dazugehöriger Jubelfaust - nicht wenige deutsche Tennis-Fans werden sich melancholisch an die Hochzeiten des Hamburgers zurückerinnert haben. Aber auch Verletzungen gehören zur vollständigen "Tommy-Haas-Experience". Das Spiel um Platz drei musste der Altstar wegen einer Wadenblessur absagen. Wer die Verletztenliste des Tommy Haas im Netz ergoogelt, der findet eine traurige Aufzählung schier unglaublichen Ausmaßes.

Trotzdem, der Auftritt des Oldies machte eines deutlich: Das deutsche Männer-Tennis lechzt nach einem erfolgreichen und vor allem sympathischen Star. Fußstapfen, die für den häufig als arrogant abgestempelten Alexander Zverev zu groß scheinen.

Einfache Gleichung: Teure Tickets = wenig Zuschauer

Dass das Berliner Turnier in der breiten Bevölkerung und in den Medien als - sogar für Tennisverhältnisse - elitär bezeichnet wird, damit müssen die Veranstalter bei Ticketpreisen von weit über 100 Euro klarkommen. Die schmerzhaftere Quittung für die überteuerten Eintrittskarten gab es vom ersten Tag an auf den Rängen zu sehen: 7.000 Zuschauer fasst das Steffi-Graf-Stadion im Grunewald, Austragungsort des ersten Turnierabschnitts, normalerweise. 800 Personen wären dort laut des 59-seitigen Hygienekonzepts zugelassen gewesen. Doch schon am Eröffnungstag zeigten sich klaffende Lücken auf der Tribüne - und die hatten nicht nur hygienekonzeptionelle Gründe. Die Arena wirkte deutlich leerer, als sie es hätte sein müssen. 480 Zuschauer zählten die Veranstalter offiziell zum Auftakt - sogar 500 im Schnitt an allen Wettkampftagen. Zeitgleich schienen sich diese aber nie in der "U"-förmigen Arena aufzuhalten.

Im Hangar 6 am Flughafen Tempelhof hätten maximal 200 Zuschauer gleichzeitig vor Ort mitfiebern dürfen. Doch auch in der extravaganten und fotogenen Location blieben auf der Tribüne mehr Sitze als erhofft leer. 150 Zuschauer seien es laut Veranstalter im Schnitt an den drei Wettkampftagen gewesen. Konstatieren lässt sich also: Weder im Grunewald noch in Tempelhof näherte sich die Zuschauerzahl der Obergrenze. Um einen Tennishype in der Hauptstadt zu entfachen, müssen kommende Events für die breite Masse zugänglicher gemacht werden. Doch in schwierigen Corona-Zeiten war dieses Turnier ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Dominic Thiem fährt im Sportwagen im Hangar vor. (Quelle: imago images/Nordphoto)
Ankunft im Sportwagen: Filmreifer Auftritt für die Spielerinnen und Spieler. | Bild: imago images/Nordphoto

Berlin kann große Tennis-Show

Ein Auftritt wie eine Szene aus einem James-Bond-Film: Die Spielerinnen und Spieler des Tennis-Turniers fahren im schicken Sportwagen vor dem Hangar 6 im Tempelhofer Flughafen vor. Im Hintergrund steht prominent platziert ein Rosinenbomber - klar. Wer den Begriff Showturnier bis dato noch nicht verstanden hatte, dem dürfte es spätestens jetzt wie Schuppen von den Augen fallen. Berlin, die deutsche Weltstadt, weiß halt einfach, wie sie sich bildgewaltig in Szene setzen kann. Die Bilder aus dem Tempelhofer Hangar würden um die Welt gehen - und sie durften nicht weniger als spektakulär sein. Um im Action-Film-Sprech zu bleiben: "Mission accomplished".

Die Veranstalter haben innerhalb von nur kurzer Zeit ein Turnier auf die Beine gestellt, das für ein riesiges mediales Echo sorgte. Tägliche TV-Liveübertragungen, internationale Berichterstattung - der Aufwand hat sich gelohnt. Turnierdirektorin Barbara Rittner äußerte sich zufrieden mit dem Einladungsturnier. Neben hochklassigem Tennis sei die Location im Hangar 6 des Flughafens Tempelhof die Entdeckung des Turniers gewesen. Die Motorsport-Serie Formel-E hat das Flughafengelände schon länger für sich entdeckt, gut möglich, dass nach dem Berliner Tennis-Turnier auch bei anderen Sportarten das Interesse geweckt wurde.

 

Die Hygienedusche vor dem Steffi-Graf-Stadion. (Quelle: imago images/Action Pictures)
Die Hygienedusche vor dem Steffi-Graf-Stadion: Fünf Sekunden Natriumhypochlorit-Sprühnebel, dann geht es ins Stadion. | Bild: imago images/Action Pictures

Hygienekonzept geht auf: Die Veranstalter zeigen sich zufrieden

Für den wohl kuriosesten Anblick des Berliner Doppel-Turniers sorgte die sogenannte Hygienedusche, die jeder Anwesende vor Betreten der Spielorte passieren musste. Auch die war irgendwie filmreif. Diesmal aber befänden wir uns eher im Science-Fiction-Genre. Die Dusche erinnerte zwar stark an die Körperscanner am Flughafen - wenn einer jedoch "Scotty, beam me up" gerufen hätte, das Bild bliebe weiterhin schlüssig. Wer ins Steffi-Graf-Stadion oder in den Tempelhofer Hangar 6 wollte, der musste sich fünf Sekunden lang mit Natriumhypochlorit besprühen lassen. Bei überschaubarem Zuschauerandrang weder warteintensiv, noch sonderlich unangenehm.

Neben dem wieder langsam in die Gänge kommenden Tennis-Sport ist das Hygienekonzept der Veranstalter der große Gewinner dieses Events. "Die Spieler haben die Verantwortung mitgetragen. Wir haben gezeigt, dass wir so ein Event verantwortungsvoll machen können", sagte der österreichische Veranstalter Edwin Weindorfer. Der erhebliche Aufwand im Vorfeld zahlte sich aus. In der kommenden Woche werde es sogar Telefonschalten mit den Profi-Organisationen ATP und WTA geben - die wollen, können und sollen von dem Berliner Show-Turnier lernen. So wird's gemacht.

Sendung: Abendschau, 19.07.2020, 19:30 Uhr

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