Tommy Haas im Steffi-Graf-Stadion in Berlin Charlottenburg. (Quelle: dpa/A. Gora)
Video: Abendschau | 13.07.2020 | J. Schützenberg | Bild: dpa/A. Gora

Tennisturnier in Berlin - Gratis-Dusche bei der Tommy-Haas-Revival-Tour

Das Weltklasse-Tennis kehrt zum ersten Mal seit zehn Jahren nach Berlin zurück. Richtig voll wird es zum Turnierauftakt im Steffi-Graf-Stadion aber trotzdem nicht. Dabei gibt es echte Raritäten zu bestaunen. Von Simon Wenzel

Die Dusche am Eingang ist im Preis inbegriffen. Genau genommen ist sie sogar Pflicht. Jeder Zuschauer, Pressevertreter und Spieler muss beim Betreten der Tennisanlage im Grunewald durch ein Gerät, das an die Körperscanner an Flughäfen erinnert. Fünf Sekunden Sprühnebel aus Natriumhypochlorit, dann geht es weiter - wenn's denn hilft.

Teure Karten, wenige Zuschauer

Das ungewöhnliche Gerät ist Teil des Hygienekonzepts bei den "bett1aces". Damit das Schauturnier im Steffi-Graf-Stadion mit Zuschauern stattfinden darf, gibt es strenge Vorkehrungen: Masken natürlich, Desinfektionsmittel an jeder Ecke und Abstand halten.

Die Kartenpreise von mehr als 100 Euro gehören nicht zum Hygienekonzept. Am Montag - dem ersten Turniertag - liegt aber zumindest der Gedanke nah, dass sie in Sachen Mindestabstand nicht schaden.

Handgezählte rund 100 Zuschauer sind am Vormittag im Stadion. Insgesamt sollen es bis zum Ende des Tages 480 gewesen sein - vielleicht erscheinen sie in Schichtarbeit, gleichzeitig werden sie selbst vom größten Optimisten nicht im einladenden "U" des Steffi-Graf-Stadions gesehen. Noch fehlen aber auch die größten Stars des Turniers. Den Auftakt machen andere, zum Beispiel der Deutsche Jan-Lennard Struff (Weltranglisten Nr. 34) und der Spanier Roberto Bautista Agut (Weltranglisten Nr. 12).

Roter Stoff lässt die rostigen Sitze in neuem Glanz erstrahlen

Es dauert eine Weile, bis die beiden Spieler auftauen, für viele Tennisprofis sind die Spiele in Berlin die ersten Matches unter halbwegs ernsten Bedingungen seit einer Ewigkeit. Mitte des zweiten Satzes ist es aber dann doch ein interessantes Match. 3:3 steht es im zweiten Satz, da haut Bautista-Agut einen starken Aufschlag über das Netz, Struff kommt nur noch mit der Schlägerkante an den Ball -und der segelt im hohen Bogen auf die Tribüne.

Sportfans haben schon tausendfach gesehen, was jetzt normalerweise passiert. Da wo der Ball ungefähr erwartet wird, stehen die Leute auf, strecken ihre Arme, versuchen das Erinnerungsstück zu fangen. Im Steffi-Graf-Stadion macht es "klonk". Der Ball ist auf einem leeren Metallsitz gelandet.

Die Stühle haben für das Turnier immerhin einen neuen Look bekommen. Mit knallroten Bezügen wurde das ehemals türkise, angerostete Metall kaschiert. Das Einladungsturnier ist auch ein Testlauf für das hochklassige Damenturnier, das eigentlich in diesen Tagen hier starten sollte. Vielleicht gibt es auch deshalb Sitzkissen, goldene Netzpfosten und natürlich den frischen Rasenplatz.

Einladungsturnier <<bett1aces>> für Damen und Herren im Steffi-Graf-Stadion. (Quelle: dpa/A. Gora)
| Bild: dpa/A. Gora

Haas-Comeback sorgt für Emotionen

Auf dem verliert Jan-Lennard Struff sein Match mit 3:6, 6:3 und 7:10 (im Match Tie-Break) in etwas mehr als einer Stunde. Ein kurzes Vergnügen. Länger als eineinhalb Stunden werden in Berlin die wenigsten Spiele dauern, der Modus will es so. Bei Julia Görges ist das Match sogar noch kürzer, die 31-jährige verletzt sich zu Beginn des zweiten Satzes und muss aufgeben. Ob sie beim Hartplatz-Turnier in Tempelhof ab Freitag starten wird, ist noch offen.

Einer konnte dieses ungewöhnliche Turnier aber dann doch so richtig genießen. Denn zum Glück ist den Veranstaltern die Idee gekommen, Altstar Tommy Haas einzuladen. Der 42-jährige Deutsche eröffnet die Nachmittagssession und siehe da: Das Publikum im immer noch spärlich besetzten Stadion erwacht. Es hat ein bisschen etwas von der Tour eines alternden Rockstars, was da auf dem Platz passiert. Haas war schon lange nicht mehr live zu erleben und viele hier wollen, dass er nochmal seine größten Hits spielt - es könnte ja das letzte Mal sein, dass man ihn in echt sieht.

Alle Deutschen sind schon ausgeschieden

Ein "Uhhh" ertönt, als Haas sein mutiges Serve-and-Volley zum ersten Mal erfolgreich abschließt, euphorischer Applaus, als er einen Lob erläuft, durch die Beine zurückspielt und dann zwei Schläge später den Punkt macht. Ein gelöstes Lachen, als sich Haas über einen Fehler ärgert und den Ball in den See hinter dem Stadion schießt. Die ehemalige Nummer zwei der Welt bietet eine Show - und spielt tatsächlich auffallend gutes Tennis. Eineinhalb Stunden spielt Haas auf Augenhöhe mit dem gerade 18-jährigen Toptalent Jannick Sinner. Dennoch muss er sich mit 4:6, 6:3 und 8:10 geschlagen geben.

Weil später am Abend auch Andrea Petkovic an Petra Kvitova scheitert, mit 4:6 und 1:6, sind die deutschen Spielerinnen und Spieler vor dem zweiten Turniertag schon ausgeschieden. Ob das dem Kartenverkauf gut tut, darf bezweifelt werden. Schade, denn die "bett1aces" wecken bei den Tennisfans Sehnsucht nach einem echten Weltklasse-Turnier in Berlin. Ohne Corona, mit vollen Rängen, Stars zum Anfassen und richtig neuen roten Sitzen. Vielleicht ja dann doch im nächsten Jahr, dafür würden viele sogar auf noch ein Tommy Haas-Konzert verzichten.

Sendung: Abendschau, 13.07.2020

Weil später am Abend auch Andrea Petkovic an Petra Kvitova scheitert - mit 4:6 und 1:6, sind die deutschen Spielerinnen und Spieler vor dem zweiten Turniertag schon ausgeschieden. Ob das dem Kartenverkauf gut tut, darf bezweifelt werden. Was schade wäre, denn die „bett1aces“ wecken bei den Tennisfans Sehnsucht nach einem echten Weltklasse-Turnier in Berlin. Ohne Corona, mit vollen Rängen, Stars zum Anfassen und richtig neuen roten Sitzen. Vielleicht ja dann doch im nächsten Jahr, dafür würden viele sogar auf noch ein Tommy Haas-Konzert verzichten.

Weil später am Abend auch Andrea Petkovic an Petra Kvitova scheitert - mit 4:6 und 1:6, sind die deutschen Spielerinnen und Spieler vor dem zweiten Turniertag schon ausgeschieden. Ob das dem Kartenverkauf gut tut, darf bezweifelt werden. Was schade wäre, denn die „bett1aces“ wecken bei den Tennisfans Sehnsucht nach einem echten Weltklasse-Turnier in Berlin. Ohne Corona, mit vollen Rängen, Stars zum Anfassen und richtig neuen roten Sitzen. Vielleicht ja dann doch im nächsten Jahr, dafür würden viele sogar auf noch ein Tommy Haas-Konzert verzichten.

Weil später am Abend auch Andrea Petkovic an Petra Kvitova scheitert - mit 4:6 und 1:6, sind die deutschen Spielerinnen und Spieler vor dem zweiten Turniertag schon ausgeschieden. Ob das dem Kartenverkauf gut tut, darf bezweifelt werden. Was schade wäre, denn die „bett1aces“ wecken bei den Tennisfans Sehnsucht nach einem echten Weltklasse-Turnier in Berlin. Ohne Corona, mit vollen Rängen, Stars zum Anfassen und richtig neuen roten Sitzen. Vielleicht ja dann doch im nächsten Jahr, dafür würden viele sogar auf noch ein Tommy Haas-Konzert verzichten.

Beitrag von Simon Wenzel

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