Kaweh Niroomand (links) mit Neuzugang Anton Brehme (rechts) vor der Max-Schmeling-Halle. Bild: imago-images/Nordphoto
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Neue Stars trotz Corona-Krise - Die BR Volleys denken weiter groß

Die BR Volleys haben sich in den vergangenen Jahren klar zum Maß der Dinge im deutschen Volleyball entwickelt. Vor der neuen Spielzeit haben die Berliner schon wieder einen Luxuskader zusammen, dabei hat ihnen die Corona-Krise sogar geholfen.

Die BR Volleys haben ihre Hausaufgaben schon wieder gemacht. Bis zum angepeilten Saisonstart der deutschen Volleyball-Liga sind es noch drei Monate, Ende Oktober soll es wieder losgehen. Manager Kaweh Niroomand hat trotz der Herausforderungen durch die Corona-Krise bereits jetzt eine Mannschaft organisiert, die der ein oder andere Bundesligakonkurrent ehrfürchtig zur Kenntnis nehmen wird.

Der große Star Sergej Grankin bleibt weiter in Berlin, genauso Samuel Tuia. Dazu haben die Volleys ihre Abgänge mit teils hochkarätigen Neuzugängen aufgefangen. Der alte Mittelblock aus Georg Klein, Jeffrey Jendryck und Nicolas Le Goff ist weg, dafür kamen mit Anton Brehme das größte deutsche Talent auf dieser Position und zwei Brasilianer nach Berlin: Renan Michelucci Moralez und Altmeister Eder Carbonera. Als vierter Neuzugang kam der Franzose Timothee Carle aus Italien zu den Volleys. "Wir haben versucht den Kader so aufzustellen, dass er das Niveau des Vorjahres hat, wenn nicht sogar etwas besser", sagt Kaweh Niroomand.

Corona-Krise als Chance und Risiko bei Carbonera

Besonders die Verpflichtung von Olympiasieger Carbonera aus Sao Paulo war ein Meilenstein. Stars wie ihn aus Brasilien nach Deutschland zu holen war bisher eigentlich kaum möglich, in diesem Fall haben die Volleys von den Auswirkungen der Corona-Krise sogar profitiert. "Das ist ein Faktor, der uns geholfen hat, dass der brasilianische Markt unter der Corona-Krise sehr gelitten hat. Die Spieler, die wir verpflichtet haben, wären normalerweise für uns nicht bezahlbar, deshalb war es eine gute Gelegenheit für uns", erklärt Kaweh Niroomand. Denn die Sponsoren der BR Volleys bleiben größtenteils an Bord.

Die Corona-Pandemie und ihr immer noch heftiger Verlauf in Brasilien ist aber auch der Grund, wieso die Volleys darum zittern müssen, ob Carbonera und Renan Micheluzzi Moralez ebenso wie die US-Amerikanischen Spieler zum Trainingsauftakt am 10. August überhaupt in Berlin sind. "Das ist ein wunder Punkt, an dem wir gegenwärtig rund um die Uhr arbeiten", gibt Niroomand zu. "Im Prinzip gibt es keine Einreisegenehmigung, aber wir arbeiten daran, eine Lösung für Profisportler zu finden", erklärt der Manager. Das beträfe schließlich auch die Vereine in anderen Sportarten wie Eishockey oder Basketball.

Deutsche Liga hat Nachhholbedarf

Und noch ein Thema beschäftigte die Volleys und ihren Manager in den vergangenen Wochen: Die Stärke und Vermarktung der deutschen Liga. Weil sich der Eindruck verfestigte, in der eigenen Liga nicht mehr wachsen zu können, nahmen die Volleys sogar Gespräche mit der polnischen Liga auf. "Ja, wir sind mit der polnischen Liga in einem Gedankenaustausch", bestätigte Niroomand in der vergangenen Woche dem rbb nochmal, sagte aber auch: "Ich bin nicht auf der Suche nach einer Lösung nur für die BR Volleys sondern mich treibt das Thema an, Volleyball in Deutschland stärker und besser zu machen."

Auch die deutsche Volleyball-Liga ist also weiter ein Gesprächspartner des Serienmeisters. Als Beispiel für die Wachstumspotentiale in seiner Sportart führt Niroomand den neuen Sponsorendeal der Deutschen Eishockey Liga an, die trotz Corona jüngst einen neuen Namensgeber präsentierten. "Das heißt: Die Handballer haben einen Ligasponsor, Basketball hat einen, Eishockey hat jetzt auch einen und wir sind die einzige von diesen Sportarten, die noch keinen haben. Das tut schon weh, bei aller Freude für die Freunde vom Eishockey", findet Niroomand. Er appelliert an die Liga, aber auch alle einzelnen Vereine, die Professionalisierung voranzutreiben.

In Europa haben die Volleys noch neue Ziele

In vielerlei Hinsicht erscheinen die Volleys der Liga tatsächlich ein bisschen entlaufen zu sein. Die Zuschauerkulisse in Berlin ist deutschlandweit einzigartig und sportlich war der Titelgewinn in der vergangenen Saison derartig souverän, dass der Anspruch in der kommenden Spielzeit mit dem neuen Luxus-Kader abermals nur die Meisterschaft sein kann. Bleibt also die europäische Herausforderung.

In der Champions League wollen die BR Volleys endlich mal wieder über die Gruppenphase hinaus kommen. Das wird aber alles andere als einfach: "Wir wissen, dass wir einen tollen Kader haben, aber man darf jetzt nicht denken, dass wir damit schon an der Spitze Europas angekommen sind", bremst Niroomand die Erwartungen. Er hoffe auf eine machbare Gruppe bei der Auslosung im August. Dann könnte es nach Jahren mal wieder für den Sprung unter die besten acht Teams in Europa reichen.

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