Oliver Ruhnert bei einer Pressekonferenz im Stadion An der Alten Försterei. (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audo: Inforadio | 23.08.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Matthias Koch

Interview | Union-Manager Oliver Ruhnert - "Es ist eine Zeit im Augenblick, wo nicht alles funktioniert"

Es lief längst nicht alles rund in Unions Trainingslager in Bad Wörishofen. Im Interview mit rbb|24 erklärt Union-Manager Oliver Ruhnert, was die Planung in diesem Jahr so schwer gemacht hat und wie gut sein Team auf die neue Saison vorbereitet ist.

In diesem Trainingslager ist Improvisationstalent gefordert. Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert war nicht nur in seinem eigentlichen Job gefragt, sondern auch als Platzwart. Eigenhändig setzte Ruhnert in der vergangenen Trainingswoche lose Rasenstücke auf dem Trainingsplatz in Bad Wörishofen wieder ein. Auch die Testspiele am Wochenende sorgten für Frust: Lange Anfahrten musste Union auf sich nehmen und dann gab es auch noch zwei Niederlagen. Im Interview mit rbb24 zog Oliver Ruhnert deshalb ein gemischtes Fazit.

Rbb24: Herr Ruhnert, eine Woche Trainingslager im allgäuischen Bad Wörishofen liegt hinter dem 1. FC Union, wie zufrieden sind Sie mit der Reise?

Oliver Ruhnert: Naja, ich würde sagen: "Bedingt zufrieden." Dahingehend zufrieden, dass wir zumindest ein schönes Hotel hatten und weit weg von zu Hause als Gruppe zusammen finden konnten. Bedingt zufrieden deshalb, weil die Platzverhältnisse hier eher suboptimal waren. Das hätten wir uns sicher optimaler gewünscht. Und es war sehr heiß in der Woche, von daher konnte man vielleicht nicht alles machen, was wir gerne gemacht hätten. Aber unterm Strich ist es so, glaube ich, dass wir als Gruppe eine ganz gute Zeit verbracht haben, und das ist in der Vorbereitung auch eines der zentralsten Themen.

Viele Menschen haben das auch privat bei ihrer Urlaubsplanung in diesem Sommer gemerkt: Es ist alles nicht ganz einfach in diesen Zeiten. Wie erging es Ihnen bei der Organisation dieses Trainingslagers?

Da sagen Sie gerade etwas, was sowohl die Spieler als auch alle Verantwortlichen auch erst einmal verstehen müssen: Es ist einfach eine Sondersituation. Das heißt eben auch, dass es für die Organisation solcher Abläufe eine Sondersituation ist. Kurzfristige Spielabsagen bei anderen Vereinen, kurzfristige Änderungen der Trainingslagerorte und all diese Sachen sind in diesem Jahr fast schon normal geworden. Daran sieht man, dass es eine neue Situation ist, die alle Beteiligten vor Herausforderungen stellt und die am Ende aber dann auch jeder akzeptieren muss.

Die beiden Testspiele gegen die WSG Tirol (0:3) und den 1. FC Köln (1:2) fanden sehr weit weg vom Ort des Trainingslagers statt – eines in Feldkirch in Österreich (fast 150 Kilometer entfernt) und eines in Friedrichshafen am Bodensee (etwa 120 Kilometer). Wieso ist es so schwierig in diesem Jahr, Testspielgegner und Orte zu finden?

Ja, es ist momentan überall schwierig. Sie sehen das ja auch bei unseren Gegnern. Die WSG Tirol musste 180 Kilometer anreisen, der 1. FC Köln am Samstag kam auch aus Donaueschingen, da hatten wir sogar noch die kürzere Anfahrt. Am Ende muss man sich arrangieren. Es ist eine Zeit im Augenblick, wo nicht alles so funktioniert, wie man es möchte. Man ist abhängig von den Behörden, man ist abhängig von verschiedenen Möglichkeiten, überhaupt Spielorte zu finden und Gegner zu finden. Das sind Gründe dafür, wieso wir hier – sicherlich nicht ganz optimal – eben auch längere Zeit im Bus verbracht haben.

Bei den beiden Testspielen waren Fans im Stadion erlaubt. Wie wichtig war es Ihnen, das auch mal wieder zu erleben, denn das ist ja auch etwas, was möglichst bald auch in der Bundesliga wieder zurückkommen soll?

Das ist das, was ich ja die ganze Zeit schon sage: Man hat hier in Österreich und Friedrichshafen Möglichkeiten eruiert, wie man wieder Fans ins Stadion lassen kann - wenn auch in beschränkter Weise (Anm.: 250 Zuschauer waren jeweils erlaubt). Ich glaube, es geht darum, dass man jetzt auch wieder gesehen hat: Es tut den Menschen gut, da zu sein, und es ist einfach ein wichtiger Faktor, diese Leute auch im Stadion zu sehen. Unter Einhaltung bestimmter Maßnahmen müsste das möglich sein, ist das möglich und für mich geht es dann eben darum zu organisieren, wie wir verantwortbar Menschen ins Stadion lassen. Wir haben auf der einen Seite das Problem des Virus', was völlig klar ist. Auf der anderen Seite haben wir aber auch die Notwendigkeit, den Menschen trotzdem eine gewisse Möglichkeit einzuräumen, in einem verantwortlichen Rahmen für sich und ihre Mitmenschen ins Stadion zu gehen.

Deutlich reibungsloser als die Organisation des Trainingslagers lief bei Union die Personalplanung - zumindest von außen betrachtet. Die war sehr früh schon sehr weit. Wie ist Ihnen das gelungen?

Also erstmal: Wenn ich jetzt sagen würde "gelungen", dann wäre ich ja schon zufrieden mit allem. Das sind wir aber noch gar nicht. Wir sind schon noch in der Phase, wo wir noch gucken, wie sich das ganze entwickelt. Es ist zumindest gelungen, das kann man sagen, in der Theorie eine Mannschaft aufs Feld zu bringen, wo man glaubt, gut aufgestellt zu sein. Das würde ich unterstreichen. Aber in der Praxis muss sich das Ganze dann auch erstmal bewahrheiten und da sind wir jetzt gerade erst am schauen, ob das dann auch so ist.

Wenn Sie jetzt auf die Mannschaft blicken mit den Eindrücken der bisherigen Vorbereitung: Was muss sich noch verbessern bis zum Saisonstart in einem Monat?

Ich glaube vieles. Wir haben überhaupt noch keinen Rhythmus logischerweise. Wir haben mit Ingvartsen, Ujah, Kruse und Gogia einige Spieler, die seit einiger Zeit ausfallen, die noch gar nicht richtig in die Vorbereitung eingegriffen haben. Auch Sebastian Andersson, der einen Magen-Darm-Infekt hatte und jetzt erst wieder peu à peu dazu kommt. Also da gibt es noch viele Abläufe, an denen gearbeitet wird, und aufgrund der neuen Organisation im Tor, in der Abwehr, im Mittelfeld ist es sicherlich ein Prozess, der noch ein bisschen dauern wird. Das war aber auch eingeplant, und bis zum ersten Pflichtspiel wollen wir dann hoffentlich soweit sein.

Das Interview führte Simon Wenzel für den rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 23.08.2020

2 Kommentare

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  1. 1.

    "Es ist eine Zeit im Augenblick, wo nicht alles funktioniert"
    Hat es im Fussball je eine Zeit gegeben, in der alles funktioniert hat?

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