20 Jahre Lausitzring - Traum geplatzt, Zukunft gerettet

Der Lausitzring (Quelle: imago images / Pakusch)
Audio: Inforadio | 20.08.2020 | Thorsten vom Wege | Bild: imago images / Pakusch

Als am 20. August 2000 der Lausitzring eröffnet wurde, träumten die Motorsportfans von der Formel 1. Zum 20. Geburtstag ist vom Traum zwar nicht mehr viel geblieben. Doch der Lausitzring hat eine Zukunft, an die zuerst niemand gedacht hätte. Von Andreas Friebel

Über 100.000 Besucher zählte der Lausitzring am Tag seiner Eröffnung. Unter ihnen auch der damalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe. "Dieser Lausitzring wird ein Schub sein für die Region. Er wird die Region bekannt machen." Davon war nicht nur Manfred Stolpe überzeugt. Auch der damalige Geschäftsführer Hans Jörg Fischer sparte am Tag der Einweihung nicht mit großen Worten. "Früher war hier ein Tagebau. Und heute haben wir die modernste Anlage Europas. Die spektakulärste Tribüne Europas mit einer rosigen Zukunft."

Zumindest am Anfang sollte der Ringchef Recht behalten. In den ersten Jahren kamen Hunderttausende, um sich die amerikanischen Champ Cars, die Deutschen Tourenwagenmasters oder Konzerte von ACDC und Herbert Grönemeyer anzusehen. Doch Zweifel, dass die über 120 Millionen Euro Fördermittel gut angelegt waren, gab es schon früh. Denn von Anfang an hatte die Rennstrecke finanzielle Probleme.

Schwerer Unfall von Zanardi hing wie ein Schatten über der Strecke

Dazu kam der schwere Unfall von Rennfahrer Alex Zanardi, der ein Jahr nach Eröffnung beide Beine verlor. Und nur mit viel Glück überlebte. Beim Gastspiel der Champ Cars fuhr ihm ein anderes Auto bei 300 km/h in die Seite. Der Rennwagen des Italieners wurde in zwei Teile zerrissen. Zanardi wurde schwer verletzt nach Berlin geflogen, wo seine Unterschenkel im Krankenhaus amputiert werden mussten. "Ich kann nicht depressiv sein. Bei so einem schweren Unfall ist es bestens für mich gelaufen. Ich habe nichts verloren und viel gelernt. Nämlich wie wichtig Familie und Freunde sind. Und das alles noch viel schlimmer hätten kommen können", sagte der Rennfahrer, als er nach Wochen das Krankenhaus verlies.

Alex Zanardi 2003 auf dem Lausitzring (Quelle: imago images/Motorsport Images)Alessandro Zanardi verlor bei einem Unfall auf dem Lausitzring 2001 beide Beine.

Dieser Unfall hing fortan wie ein Schatten über der Strecke. Über die selbst Ex-Formel 1 Boss Bernie Eccelstone einmal geflogen sein soll, um mal zu schauen, was da auf einem ehemaligen Tagebaugelände entstanden war. Doch die Formel 1 kam nie in die Lausitz. Immerhin aber Ex-Formel 1 Pilot Ralf Schumacher. Er war 2007 in die DTM gewechselt und bestritt vor der imposanten Haupttribüne, mit ihren 20.000 Fans, eines seiner ersten DTM-Rennen. "Spaß habe ich in jedem Fall gehabt. Ich habe versucht, vorn mitzufahren. Das hat gut funktioniert."

Dekra-Übernahme als Glücksfall für den Lausitzring

In den vergangenen Jahren wurde hochklassiger Motorsport auf dem Lausitzring immer seltener. Finanzielle Probleme führten zu mehrfachen Betreiberwechseln. Im Sommer 2017 gab auch das Unternehmen alpha-Technik auf. Das Problem: Der Ring war in die Jahre gekommen. Der Sanierungsbedarf für Strecke und Tribünen lag im zweistelligen Millionenbereich, von dem das Land Brandenburg nur einen Teil übernehmen wollte. Die Prüfgesellschaft Dekra entschied sich deshalb, den Lausitzring zu kaufen. Seit Jahren betrieb sie ein Testcenter am Rande der Strecke. Mit der Übernahme wurde der Testbetrieb deutlich ausgeweitet.

Aus heutiger Sicht ist diese Übernahme als Glücksfall zu bezeichnen. Denn spätestens die Corona-Krise hätte, mit den vielen Absagen von Rennveranstaltungen, die Strecke in den Ruin getrieben. Zwar gab es 2020 noch vier Rennwochenenden, aber alle ohne Zuschauer. "Mit dem Testbetrieb schaffen wir überhaupt erst die finanziellen Möglichkeiten, dass noch öffentliche Veranstaltungen stattfinden können. Denn mit Großveranstaltungen allein, verdient eine Rennstrecke nicht genug Geld, um sich wirtschaftlich über Wasser zu halten", so der aktuelle Ringchef Volker Noeske.

Inzwischen hat die Dekra mehrere Millionen Euro in den Lausitzring investiert. Dabei sind Testanlagen für das automatisierte Fahren entstanden. Rund 200 Mitarbeiter sind dort inzwischen tätig. Und so leistet der Lausitzring einen Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz. Allerdings ganz anders als vor 20 Jahren bei der Einweihung gedacht.

Sendung: Inforadio, 20.08.2020, 11:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

4 Kommentare

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  1. 4.

    @Zippy

    naja, ein paar Verbrennungsmotoren sind für das Klima sicherlich bei weitem besser als weiterer Kohleabbau.

    Und ehrlich, der Benzinverbrauch von ein paar Leuten auf einer Rennstrecke ist ja nun nichts im Vergleich zu dem Benzinverbrauch, der bei nur einem einzigen Bundesligafußballspiel durch die Fans verursacht wird.
    Oder wenn an einem sonnigen Sonntag Morgen halb Hamburg an die Küste fährt oder halb München in die Berge.

    Und wenn sie schon so gegen Verbrennungsmotoren wettern, hoffe ich, dass sie das auch gegen E-Autos tun. Informieren sie sich mal über Energieaufwand, den man nur für die Herstellung von Lithium-Ionen Batterien benötigt und über den Umwelteinfluss beim Abbau von Lithium. Die Umweltbilanz der E-Autos ist absolut verheerend.

    By the way, wie kommt man in der Lausitz eigentlich so von einem Ort zum anderen. Als ich da habe ich nun nicht gerade besonders viele U- oder S-Bahnen gesehen....

  2. 3.

    Ich finde man sollte die Autos auf der Rennstrecke mit Braunkohle betanken. Dann riecht alles so schön nach Schwefel und alles ist braun.

  3. 2.

    Durch Insolvenzen sind 120 Mio. € Fördergelder für immer weg? Bernie ist einmal darüber hinweggefolgen? Was für ein Erfolg... Mit Großversanstaltungen ist auf einer Rennstrecke kein Geld zu verdienen? Das konnte man in Brandenburg ja überhaupt nicht wissen - vor 20 Jahren - und heute? Vielleicht kommt der Herr Gablenz mit dem Luftschiff zum BER, lässt sich mit einem Tesla von der Staatskanzlei abholen, die ihm dann einen Aufenthalt in der Werderaner Therme spendiert - was für eine Vorstellung in einem Bundesland das Bildungspolitisch immer die hinteren Plätze belegt.

  4. 1.

    1996 war schon eindeutig bewiesen, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Da hatten dann trotz allem irgendwelche Landgrafen die Idee, Geld mit Bespaßung durch Verbrennungsmotoren anzubieten und dafür viel Geld in die Hand zu nehmen, Geld des Steuerzahlers. Vielen Dank schon mal dafür. Da ist man ja sehr froh, dass das kein Milliardenloch bleibt, sondern irgendeine, fast genauso schädliche Nutzung möglich ist. Schön, dass darüber oft berichtet wird.

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