Steven Mauer von den Wölfen Wittstock. Quelle: rbb
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Saisonstart in der zweiten Liga - Wölfe Wittstock finden in Polen eine neue sportliche Heimat

Statt Bundesliga jetzt zweite polnische Liga: Der MSC Wölfe Wittstock startet an diesem Sonntag zum Auftakt in Poznań. Die Bundesliga war für die Speedwayfahrer nicht mehr attraktiv. Jörn Pissowotzki über Vorfreude und Perspektiven des Teams.

Frank Mauer beobachtet das Training an diesem Tag nur wenige Meter vom Sprecherturm des Stadions am Heidering entfernt. Auf der Bahn drehen Nachwuchsfahrer ihre Runden. Der Vereinschef lächelt und sagt mit Blick aufs Wochenende: "Die Stimmung ist ganz gut im Team. Alle freuen sich darauf. Wir sind frohen Mutes, wenn es losgeht". Der Start in der 2. Liga in Polen sehen die Wittstocker als Herausforderung, aber auch als Einstieg an. Mittelfristig sei der Aufstieg das Ziel, so Mauer.

"Was bei uns Fußball ist, ist in Polen der Speedwaysport"

Die Wittstocker fühlen sich im Nachbarland gut aufgehoben und wollen im ersten Jahr die Bälle flach halten. Wer Frank Mauer zuhört, kommt schnell auf die Idee, dass es den Motorsportbegeisterten irgendwann einmal dorthin ziehen musste. Dort sei alles anders: "Das, was bei uns Fußball ist, ist in Polen der Speedwaysport". Eine andere Welt. "Da dreht sich alles um Speedway". Nicht nur in Deutschland hat die Vorfreude der Wittstocker auf den Start im Osten Staub aufgewirbelt. "Auch die polnische Presse ist wie verrückt nach den Wölfen Wittstock", lacht Frank Mauer. Auch das polnische Fernsehen war schon bei den Wölfen zu Gast: "Das hatten wir vorher mit der Bundesliga nie".

Viele Gründe für den Wechsel

Die stärksten Speedwaynationen der Welt sind Dänemark, Schweden, Russland, England, Tschechien - und Polen. Dort gibt es die Ekstraliga, die erste Liga - und die zweite Liga, in der jetzt die Wölfe aus Wittstock fahren. Auf die Frage, warum das Team sportlich in eine ausländische Liga gewechselt ist, sprudelt es aus dem Vereinschef nur so heraus: "Viele große nationale Ligen fahren 15 Läufe im Jahr, in Deutschland sind es 14. Dann jedes Jahr die Wechsel bei den Kategorien und Lizenzen für die Fahrer. Hierzulande gibt es die A-, B-, und die C-Kategorie", sagt Maurer. Zwischen B und C sind aus seiner Sicht die Entscheidungen des Motorsportbundes über Wechsel häufig nicht nachvollziehbar gewesen.

In Deutschland zu viel Geld für Legionäre

Was ihn am meisten geärgert hat, war das Geld, das der Klub für Spitzenfahrer ausgeben musste. Die Großen aus dem Ausland kämen nicht für einen Appel und ein Ei, sagt Frank Mauer. Außerdem interessiere es sie nicht, wie die Mannschaft am Ende in der Liga abschneidet: egal, ob mit der Deutschen Meisterschaft oder Platz vier. Ein, zwei Ausländer jetzt im Team seien okay. Dazu freut sich der Vereinschef über sein aktuell junges Team mit einem Durchschnittsalter von 21.

Familie mit Speedway im Blut

Mannschaftskapitän ist Steven Mauer. Der 25-Jährige dreht an diesem Nachmittag seine Trainingsrunden am Heidering. Er ist dabei, seit er fünf ist: "Der Sport hat mich fasziniert. Wir waren damals in Wolfslake zu den Deutschen Schülermeisterschaften. Das hat mir sehr gefallen. Und dann dachte ich: Wir probieren es mal. Und so ging das dann Schritt für Schritt in die richtige Richtung".

Bei dieser Familie an Speedway vorbeizukommen war sowieso unmöglich. Sein Opa Fritz, heute zweiter Vorsitzender bei den Wölfen, war fast zehn Jahre erster Vorsitzender beim Wolfslaker Speedwayteam. Zu DDR-Zeiten sah er sich regelmäßig an den Bahnen Rennen an. Ob in Güstrow, Teterow oder Stralsund, Sohn Frank war immer dabei. Für Vater und Sohn ergab sich 2012 die Möglichkeit, am Wittstocker Heidering und der heruntergekommenen Bahn etwas Neues anzufangen. Sie gründeten die Wölfe.

Verein mit Ziel

In der Bundesliga wurden die Wittstocker einmal Vizemeister und zweimal Dritter. Bundesligaerfahrung konnte Steven Mauer schon sammeln. Die Wölfe möchten jetzt in Polen vorne mitfahren. Er ist selbstbewusst: Unter die ersten Drei zu kommen, sei das Ziel, sagt Steven. Vom Sport leben kann Steven Mauer nicht. Er arbeitet in der Baufirma bei Vater Frank mit. Leben kann von dem Sport nur derjenige, der in der obersten Liga mitfährt. Und selbst dort sei der Markt groß, erzählt Steven. Die Wölfe fangen im Speedwayland Polen klein an. Nur der Erste unter den insgesamt sechs Teams in der zweiten Liga steigt auf. Wenn die Mannschaft sich festigt, wäre es möglich, nächste Saison im Aufstiegsrennen mitzufahren. So schätzt es der Vereinschef Frank Mauer ein. Seine Augen blitzen, wenn er sagt, er sei gespannt darauf zu erfahren, wen die Wölfe schon dieses Jahr in der Liga ärgern können.

Mauer Senior Fritz freut sich auf die Starts in Polen. Speedway habe dort einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. "Sportler und Fans sind mit Leib und Seele dabei. Es ist Volkssport. Morgens um 10 sind sie am Renntag mit Kind und Kegel an der Bahn", erzählt er. Fritz Mauer ist enthusiastisch, so wie auch Sohn Frank und Enkel Steven. Am Heidering fahren Mauer & Co. ihr erstes Heimrennen am Freitag, den 7. August. Gegen das Team aus Rzeszów.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.07.20, 16:20 Uhr

Beitrag von Jörn Pissowotzki

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