Ein Mann fegt auf den Stehplätzen in der Alten Försterei (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 04.08.2020 | Tim Brockmeier | Bild: imago images/Matthias Koch

Fußball-Klubs stimmen DFL-Konzept mehrheitlich zu - Bundesliga-Start ohne Stehplätze, Gästefans und Alkohol

Die Bundesliga-Klubs haben am Dienstag mehrheitlich dem Konzept der Deutschen Fußball-Liga zugestimmt. Demnach werden zum Bundesliga-Start weder Stehplätze noch Gästefans erlaubt sein, falls Zuschauer wieder zugelassen sein sollten. Auch Alkohol ist verboten.

Im Falle einer Zulassung von Zuschauern zu Bundesliga-Spielen in der kommenden Saison wird es bis zum 31. Oktober keine Stehplätze und keinen Alkohol geben. Das haben die 36 Profi-Vereine der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf einer virtuellen Mitgliederversammlung am Dienstag beschlossen und sich damit auf ein einheitliches Vorgehen bei der Rückkehr von Fans geeinigt.

Zudem sind bis Jahresende keine Gästefans erlaubt. Die Klubs verpflichten sich außerdem sicherzustellen, dass bei möglichen Infektionen rund um den Stadionbesuch die Infektionsketten nachverfolgt werden können. Dafür sollen zeitweise personalisierte Online-Tickets eingeführt werden.

Union lehnt DFL-Pläne ab

Union Berlin stimmte bei der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung gegen die meisten Punkte zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise gestimmt. Das erklärte Präsident Dirk Zingler am Dienstag in einem Brief an die Fans. "Da wir mit dem Vorgehen grundsätzlich nicht einverstanden sind und zudem die Anträge zu Gästefans, Stehplätzen und Alkoholausschank für unausgewogen im Hinblick auf unsere allgemeine gesellschaftliche Verantwortung, aber auch auf unsere spezielle Verantwortung für Fußballanhänger halten, haben wir bei diesen drei Anträgen mit Nein gestimmt", schrieb der Club-Chef. Zingler hatte in einem rund sechsseitigen Schreiben an die anderen 35 Verein auch um die Position der Unioner geworben.

Der Club aus Köpenick hatte verlauten lassen, unter Vollauslastung des Stadions An der Alten Försterei in die neue Saison starten zu wollen. Dies wollten die Verantwortlichen unter anderem auch durch Tests für alle Zuschauer erreichen. "Leider ist es uns nicht gelungen, die Mehrheit der Vereine davon zu überzeugen, den Anträgen des DFL-Präsidiums nicht zuzustimmen", schrieb Zingler nun. "Wir werden uns nun damit auseinandersetzen, wie wir mit den zunächst bis zum 31. Oktober getroffenen Regelungen in Bezug auf die Spiele unserer Mannschaft umgehen."

Endgültige Entscheidung über Zuschauer obliegt den Behörden

"Priorität in Deutschland haben nicht volle Stadien, sondern die gesundheitliche Situation", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert während einer Pressekonferenz. "Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeutende Rolle."

Die endgültige Entscheidung, ob tatsächlich schon zum oder bald nach dem Saisonstart der Bundesliga und 2. Bundesliga am dritten September-Wochenende Zuschauer zugelassen sind, obliegt den Behörden. Die erste DFB-Pokalrunde ist schon vom 11. bis 14. September
terminiert. Zuletzt hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektion Zweifel geäußert. Er hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern "für sehr schwer vorstellbar". Diskutiert wird auch über Partien mit deutlich weniger Fans auf den Rängen.

"Geht nicht von 0 auf 100"

Die DFL hatte Mitte Juli einen Leitfaden an die Klubs verschickt, damit diese in Absprache mit den Gesundheitsämtern individuelle Sicherheits- und Hygienekonzepte für ihren Standort erstellen können. Union Berlin hatte den Vorstoß öffentlich gemacht, das Stadion An der Alten Försterei komplett zu füllen, indem man alle Besucher zuvor auf das Coronavirus testet.

"Der Profifußball kann wie alle anderen Bereiche nur in Etappen zurückkommen in einen Normalbetrieb. Es wird nicht diesen einen initialen Moment geben, dass die Politik den Startschuss gibt für volle Stadien ab dem nächsten Spieltag", sagte Christian Seifert am Dienstag. Ansätze wie "Alle oder keiner" seien deshalb zwar "nachvollziehbar", aber "einfach nicht zielführend". Der Fußball müsse "in kleinen Schritten die Normalität für uns zurückerobern, das geht nicht von 0 auf 100".

Fan-Bündnis "Unsere Kurve" kritisiert DFL-Pläne

Das Fan-Bündnis "Unsere Kurve" hatte zuvor die Pläne der DFL zu einer Rückkehr der Fans in die Stadien kritisiert. Vorstandsmitglied Jost Peter sagte am Dienstag dem rbb, wenn es Tickets erstmal nur in personalisierter Online-Form geben soll, brauche es dazu klare Regeln. So sollten die "abgegeben Daten (nur) zum Gesundheitsschutz genutzt werden und nicht für andere Zwecke", wie etwa einer Überwachung der Fans. Diese Verpflichtung müsse von den Vereinen offen ausgesprochen werden, so Peter.

Darüber hinaus äußerte Peter Zweifel, ob in der aktuellen Lage überhaupt Zuschauer wieder in die Stadien zurückkehren sollten: "Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmäßiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen. (...) Wenn die Fallzahlen steigen und sich daraus ergibt, dass das Fußballspiel nicht zu besuchen ist, dann habe ich das zu akzeptieren."

Sendung: Inforadio, 04.08.2020, 15:15 Uhr

9 Kommentare

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  1. 8.

    In der Situation eine der blödsinnigsten Ideen des Jahrhunderts.

  2. 7.

    Erklärt mir bitte jemand folgendes: Fußballprofis auf dem Platz ohne MNS oder ähnliches, Körperkontakt inklusive, Aerosolausschüttung extrem, keine Gästefans usw. !! Letzen Sonnabend Corona Demo in Berlin: Empörung überall und vor allem aus den öffentlichen Medien usw. (ein Basketballprofi ehem. für ALBA gespielt wird fristlos gekündigt, weil er u.a. an der Demo teilnahm)!!! So..., jetzt ihr!




  3. 6.

    Unmöglich, schon jetzt wieder die Fans ins Stadion zu holen.

  4. 5.

    Alle oder keiner!
    Alle gehen geimpft ins Stadion oder keiner geht dorthin.
    Eisern bleiben.

  5. 4.

    Nö Karl-Heinz, das interessiert niemanden! An- und Abreise ist ja Sache des "Fans" und trägt bekanntlich zu keiner Geldeinnahme bei. Soll sich der Fan doch in der Bahn anstecken. Dann ist Platz für den nächsten. Dürfen ja eh nicht alle gleichzeitig rein. ;-) nur mal am Rande erwähnt müssten die Vereine nur den Polizeieinsatz bezahlen, würde auch da ganz anders gehandelt. Aber da sich vieles vor den Toren abspielt, kann man schon abwälzen.

  6. 3.

    Ja und in Wirklichkeit haben wir auch schon die dritte Welle, bei diesen explodierenden zahlen, wir sind mittlerweile bei sage und schreibe 9100 infizierten von 3,8 Millionen Leuten das ist einfach viel zu viel und übersteigert alles vorstellbare, lol.

  7. 2.

    Ohne Stehplätze, ohne Gästefans heißt in der Übersetzung ohne Kritiker.

  8. 1.

    Ich frage mich was der Quasch soll wir haben wieder steigende Zahlen bei Corona aber die Fußball Lobby denk nur darüber nach wie man Zuschauer ins Stadion bekommt. Hat sich schon mal einer Gedanken gemacht wie es mit der Anreise und Abreise der Fans laufen soll. Corona last grüßen.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz
    P.S.Andere Sportarten müssen auch ohne Fans auskommen z.B. Eishockey, Handball u.s.w.

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