Unions Torwart Andreas Luthe (Quelle: imago images/Contrast)
Audio: Inforadio | 13.08.2020 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Contrast

Union-Neuzugang Andreas Luthe im Porträt - Ein Keeper vom etwas anderen Schlag

Andreas Luthe ist nach dem Weggang von Rafal Gikiewicz der Neue in Unions Torhütergespann. Der Keeper möchte in Köpenick die Nummer eins werden - und sieht sich als Fußballer auch noch zu anderen Aufgaben verpflichtet.

Es war ein einzigartiger Moment, den Andreas Luthe vor rund einem Monat auf einem Golfplatz im Augsburger Süden erlebte. Mit nur einem Schlag platzierte der Torhüter den Ball im 151 Meter entfernten Loch. Ein sogenanntes Hole-in-one. Ein Kunststück, dass für die meisten Hobbygolfer für immer nur ein Traum bleibt.

Wem es aber gelingt, dem gehört die Aufmerksamkeit. Auf dem Augsburger Golfplatz durfte der 33-Jährige sie an diesem Tag genießen. Kein ungewohntes Gefühl für den 1,95 Meter großen Mann. Denn zuletzt rückte er auch beim FC Augsburg in der Bundesliga in den Fokus. Denn da eroberte der Keeper gegen Ende der Spielzeit die Position als Nummer eins im Tor und hatte maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt.

Luthe will Ruhe und Stabilität ins Team bringen

Genau das will er nun auch in Köpenick erleben. Dort muss er sich mit dem Dänen Jakob Busk messen, der seit 2016 im Verein ist und zuletzt nur die Nummer zwei war. "Ich bin gekommen, um im Idealfall 34 Spiele zu machen", erklärt Luthe selbstbewusst. "Nachdem ich in Augsburg zuletzt nochmal viel gespielt habe, war das so ein Schritt, wo ich gesagt habe: Ich setze mich nicht irgendwo in der Bundesliga auf die Bank mit meinen 33 Jahren, sondern will angreifen und auf dem Platz mithelfen. Ich glaube, ich habe in Augsburg in der Rückrunde gezeigt, dass ich das durchaus kann und dem Team Stabilität geben kann. Das möchte ich hier einbringen: meine Erfahrung, meine Ruhe, meine Stabilität."

Es sind genau diese Qualitäten, die Manager Oliver Ruhnert an dem Neuen zwischen den Pfosten schätzt. "Für uns ist es einfach wichtig, dass du Jungs dabei hast, die Verantwortung übernehmen. Nur so hast du auch eine Chance, in der Liga zu bleiben", so der 47-Jährige. "Und diese Verantwortung hat Andreas Luthe schon allein als Typ und von der Ausstrahlung in sich."

"Tortausch" mit Gikiewicz

Sichtbar wurde das bereits bei den ersten Testspielen. Luthe dirigierte souverän seine Hintermannschaft - so wie es zuletzt auch Rafal Gikiewicz getan hatte, der sein Vorgänger und gleichzeitig auch sein Nachfolger ist. Denn der Pole wechselte im Sommer zu Luthes bisherigem Arbeitgeber nach Augsburg. Ein Tortausch sozusagen - und eine kuriose Situation, die gleich am ersten Spieltag ein Aufeinandertreffen im Stadion An der Alten Försterei bereithält. Ein Duell, bei dem dann aber auch der Unterschied zwischen den Keepern deutlich werden könnte. Denn der 33-jährige Luthe ist deutlich ruhiger.

Profis sollten "durchaus mal nach rechts und links schauen"

Eines haben er und Gikiewicz dann aber doch gemeinsam: Sie sind echte Typen. Luthe ist meinungsstark, vertritt die Interessen der Spieler als Mitglied im Spielerrat der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). Und er schaut auch über den Tellerrand hinaus und ist sich seiner Verantwortung als Profikicker bewusst.

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Bochumer Mitspieler Jonas Ermes gründete er die gemeinnützige Organisation "In safe hands", die Kindern wichtige gesellschaftliche Themen durch den Sport vermitteln will. "Ich glaube, dass im Fußball unheimlich viel möglich ist und finde auch, dass wir Profis privilegiert sind und durchaus mal nach rechts und links schauen können um zu sehen, was wir da so tun können."

"Union Berlin ist genau die richtige Adresse für mich."

Es sind Worte die zeigen, dass sich Andreas Luthe nicht einfach nur als Fußballer versteht. "Fußball ist einfach mehr", sagt er und erklärt damit im Grunde auch, warum für ihn die Wahl auf den 1. FC Union gefallen ist. "Weil es einfach in die Reihe passt. Ich habe meine Vereine immer dementsprechend ausgewählt, weil ich finde, dass du einfach ein bisschen Fußballkultur brauchst, um dich wirklich wohlzufühlen", sagt er. Insgesamt 15 Jahre war er beim VfL Bochum, anschließend weitere vier in Augsburg. Trotz seiner 33 Jahre ist Union erst seine dritte Profistation.

"Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Da wird Fußballkultur einfach unheimlich großgeschrieben. Das habe ich immer verinnerlicht und das lebe ich auch. Deswegen ist Union Berlin genau die richtige Adresse für mich." Und Köpenick damit nun der Ort, an dem er weitere einzigartige Momente erleben möchte.

Sendung: Inforadio, 13.08.2020, 6:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Noch ein Hero für die Heros. Diese lobhudelnden Berichte werden langsam zum fremdsxhämem

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