Bruno Labbadia umgeben von seinen Spielern. Quelle: imago images/Nordphoto
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Audio: Interview Bruno Labbadia | Nikolaus Hillmann | Bild: imago images/Nordphoto

Interview | Hertha-Trainer Bruno Labbadia - "Uns schwebt vor, Spieler mit Potenzial zu holen"

Hertha BSC hat die erste Trainingswoche bereits hinter sich. Bruno Labbadia erkennt bereits jetzt eine gute Grundlage bei seinen Spielern. Trotzdem weiß er, dass sich der Verein noch verstärken muss. Welche Spieler Hertha dabei im Auge hat, erklärt Labbadia im Interview.

rbb|24: Bruno Labbadia, die erste Trainingswoche haben Sie hinter sich. Wie sind Ihre Eindrücke von der Mannschaft?

Bruno Labbadia: Gerade was die Bereitschaft betrifft, habe ich einen sehr guten Eindruck. Ich sehe ein hohes Engagement auch am Ende der Woche, als wir bereits einen großen Trainingsumfang absolviert hatten. Das ist eine gute Grundlage.

Wie genau gehen Sie die Vorbereitung in diesem Jahr an? Die Saison ist schließlich komplett anders als sonst.

Unabhängig von den ungewöhnlichen Gegebenheiten wollen wir erst einmal eine Grundlage schaffen. Innerhalb der Saison muss gewährleistet sein, dass wir immer wieder von dieser Basis zehren können. Dafür müssen wir natürlich sehr intensiv arbeiten. Wir haben einen klaren Plan, den wir der Mannschaft auch vorgestellt haben. Wie sich die Vorbereitung gestaltet, was wir machen wollen - da beziehen wir das Team schon mit ein. Es ist uns wichtig, dass sie verstehen, warum wir gewisse Dinge machen. Wenn die Spieler die Einheiten verstehen, macht sie das Training mit noch mehr Überzeugung. Das ist uns sehr wichtig.

Geht es jetzt zum Anfang hauptsächlich um die Kondition oder haben Sie auch schon spielerische und taktische Aspekte eingeplant?

Definitiv. Taktische, technische Sachen sind ganz wichtig und das rein körperliche gehört natürlich einfach dazu. Im Endeffekt wollen wir aber jeden Tag Fußball spielen, Taktik und Technik trainieren, um einen Schritt weiter zu kommen. Wir probieren, beides miteinander zu verbinden, weil wir auch nicht immer die Zeit haben, das voneinander zu trennen. Trotzdem machen wir aber auch immer wieder kleinere Video-Sitzungen, um den Spielern mitzugeben, wie unser Spiel aussehen soll.

Geben Sie uns doch mal einen Einblick.

Wir wollen auf das aufbauen, was wir in den ersten drei Monaten angefangen haben. Gerade in den ersten Spielen haben wir viele Tore gemacht und nur wenige kassiert. Das wollen wir festigen und eine Mannschaft sein, die immer agilen und technischen Fußball spielt. Wenn wir es können, wollen wir auch sehr offensiv spielen. Das ist das, was wir in den ersten Wochen gezeigt haben und das ist auch unser Anspruch.

Welche Spieler braucht Hertha BSC, um Ihrem Anspruch gerecht zu werden und den Verein nach vorne zu bringen?

Es ist die Frage, ob das nur durch neue Spieler kommt. Aber natürlich brauchen wir ein paar neue Spieler. Wir haben ja alleine schon sieben Spieler abgegeben und nur einen Neuzugang. Das ist dann schon nominell zu wenig. Hinzu kommt, dass wir uns auf der einen oder anderen Position noch verbessern müssen. Wir wollen Spieler finden, die in unsere Art des Fußballs hineinpassen. Wir wissen, dass wir das nicht innerhalb kürzester Zeit hin bekommen können. Uns schwebt vor, Spieler mit Potenzial zu holen. Mit derartigen Spielern muss man natürlich erst einmal arbeiten und hat vielleicht nicht sofort Erfolg, aber es geht darum, eine Mannschaft für die nächsten zwei bis vier Jahre aufzubauen.

Auch die Hierarchie innerhalb der Mannschaft muss neu gefunden werden. Viele erfahrene Spieler haben den Verein verlassen.

Das ist sicherlich eines der größeren Probleme, das wir haben. Die meisten Spieler, die wir im Kopf haben, sind eher jüngere Spieler. Wir werden also ein sehr junges Team haben. Es stimmt, dass wir sehr viele erfahrene Spieler abgegeben haben. Das macht es ein bisschen schwieriger. Eine Hierarchie entsteht aber nicht durch den Trainer, der sagt: 'Du bist jetzt der Leader'. In eine solche Rolle muss ein Spieler hineinwachsen. Ich glaube aber auch, dass die Verantwortung auf dem Platz in der heutigen Zeit auf mehrere Schultern verteilt sein muss. Wir haben heutzutage andere Spieler. Es ist jetzt also noch zu früh, um zu sagen, wer das bei uns machen könnte. Fakt ist, dass einige Spieler in diese Rollen hineinwachsen müssen. Wir wollen eine Achse innerhalb der Mannschaft aufbauen, das ist sehr wichtig.

Haben Sie den Eindruck, dass der Transfermarkt in dieser Saison schwieriger geworden ist? Oder gibt es vielleicht aufgrund der aktuellen Lage einen besonderen Reiz?

Wenn ich ehrlich bin, wird er immer schwieriger. Das wird bestimmt durch die derzeitigen Umstände noch einmal extremer. Wir haben ein Zeitfenster, das es vorher noch nie gab. Bis zum 5. Oktober können Spieler verpflichtet werden - das ist sehr lang. Hinzu kommt, dass manche Länder, wie Spanien oder England, ihre Saison gerade erst beendet haben. Das heißt, jeder wartet, was in diesen Ländern passiert. Dadurch verschiebt sich die gesamte Transferphase. Viele warten, weil sie denken, aus England kämen bessere Angebote. Das macht den Markt also definitiv ein ganzes Stück schwerer. Aber auch allgemein kann ich sagen - und ich stelle ja jetzt schon etwas länger regelmäßig Mannschaften zusammen - dass es immer komplizierter wird. Das muss man klar so sagen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nikolaus Hillmann, rbb Sport. Das gesamte Gespräch können Sie mit einem Klick ins Titelbild als Audio nachhören.

Sendung: Inforadio, 02.08.20, 11:15 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das weiß er ja, darum will er aus Spielern mit Potential Topspieler in 3 bis 4 Jahren machen und aus der grauen Maus eine Top blau/weiße. Mutig der Mann so lange voraus zu denken, leider wird man ihm die Zeit nicht gewähren. Es sei denn er verliert immer nur 2 Spiele hintereinander ;).

  2. 2.

    Bestimmt nicht. Sobald der erfolg ausbleibt und drei Spiele am Stück verloren gehen ist er auch wieder weg, weil "die Ziele" mit ihm nicht erreicht werden können. Problem ist halt, dass kein von der Top-Spielern zu Herhta möchte. Hertha ist und bleibt halt eine graue Maus.

  3. 1.

    Gibt es eigentlich einen Katalog aus dem Trainer ihre tiefschürfenden Aussagen ziehen? Immer die gleichen Sprechblasen. Man wird nach dem ersten Spiel sehen ob Herr L. die 3 bis 4 Jahre überhaupt bei Hertha überlebt.
    Viel Glück.

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