Fans von Tennis Borussia. Quelle: imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 30.07.20 | 6:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago images/Matthias Koch

TeBe zurück in der Fußball-Regionalliga - Wieder da, wo sie hingehören

Tennis Borussia ist zurück in der Regionalliga. Erstmals seit zehn Jahren und nach zuletzt turbulenten Monaten hat der Klub den Aufstieg in die vierte Liga geschafft. Der Verein freut sich auf die Saison - und steht trotzdem vor einem schwierigen Jahr. Von Jonas Bürgener

"Tennis Borussia ist wieder in der Liga gelandet, in die der Verein wegen seiner Tradition, aber auch wegen seiner sportlichen Leistungsfähigkeit hingehört", sagt Günter Brombosch, Vorstandvorsitzender von Tennis Borussia, gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem rbb. Der Stolz über den geglückten Aufstieg ist deutlich hörbar.

Nach zehn Jahren ist dem Klub in der letzten Saison der Aufstieg in die vierte Spielklasse, die Fußball-Regionalliga Nordost, geglückt. Zwar wurde die Spielzeit wegen der Corona-Pandemie frühzeitig abgebrochen, den Aufstieg hatte TeBe als Erstplatzierter der Oberliga trotzdem sicher. Der kuriose Aufstieg, der am grünen Tisch entschieden wurde, passte nur zu gut zu den letzten teils chaotischen Monaten der Lila-Weißen.

Monatelanger Machtkampf

Über viele Monate zog sich der Machtkampf in der Führungsetage bei TeBe. Lange Zeit hielt der Mäzen und Hauptsponsor Jens Redlich an seinem Posten als Vorstandsvorsitzender fest. Die lautstarken Proteste der aktiven Fanszene gegen ihn als Vorsitzenden ließen ihn kalt. Schließlich wurde der Konflikt vor dem Amtsgericht Charlottenburg geklärt und Redlich musste sein Amt abgeben.

Sportlich beeinflussen ließen sich die Spieler des Klubs von den Auseinandersetzungen abseits des Platzes und der anschließenden Umstrukturierung auf der Führungsebene nicht. Als die Spielzeit ihr Corona-bedingtes Ende fand, stand man mit fünf Punkten Vorsprung souverän an der Tabellenspitze der Oberliga Nord. "Objektiv waren es vielleicht nur zwei Punkte Vorsprung, Greifswald hatte schließlich ein Spiel weniger. Tatsache ist aber, dass die letzten Jahre sehr schmerzhaft waren für den Verein", sagt Brombosch. "Wir sind froh, dass wir versuchen können, den Verein zu ordnen und wieder zu vereinen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns", so sein Blick in die Zukunft.

Ziel im Vorstand sei es, "eine Harmonisierung im Verein zwischen den älteren Mitgliedern, die im hohen Maße auf der Seite Redlichs waren, und den jungen aktiven Fans, die von Herrn Redlich wohl nicht so gut behandelt wurden, zu erreichen", sagt Brombosch.

Der Verein braucht Geschlossenheit, um auch in der Regionalliga erfolgreich sein zu können. Die Fans bei TeBe waren schon immer ein hohes Gut und elementar wichtig.

Geringerer Etat als in der Oberliga

Neben der Wiedervereinigung des Vereins wird TeBe auch bei der Vorbereitung auf die neue Saison durch die aktuellen Umstände vor Probleme gestellt. Lange Zeit durfte der Klub aufgrund der Corona-Verordnungen des Berliner Senats keine Testspiele in der Hauptstadt austragen und musste teilweise bis nach Sachsen-Anhalt ausweichen. Und auch die finanzielle Situation der 'Veilchen' ist durchaus angespannt. Nach dem Ausscheiden von Jens Redlich steht dem Klub mit knapp 600.000 Euro ein geringerer Etat zur Verfügung als in der letzten Oberliga-Saison. "Auch durch Corona sind uns erhebliche Einnahmeausfälle entstanden. Schließlich hatten wir in der Oberliga die mit Abstand größte Zuschauerzahl, diese Einnahmen fehlen uns natürlich", erklärt Brombosch. Der Verein hoffe daher, zu Beginn der neuen Saison in knapp zwei Wochen auch mehr als 1.000 Zuschauer im "weitläufigen" Mommsenstadion empfangen zu dürfen. Den Schnitt von 800 Zuschauern in der letzten Saison wolle man nach Möglichkeit noch übertreffen.

Markus Zschiesche, neuer Trainer von Tennis Borussia. Quelle: imago images/Matthias Koch
Der Neue auf der Bank: Markus Zschiesche soll wieder vermehrt auf den Nachwuchs setzen. | Bild: imago images/Matthias Koch

Zschiesche übernimmt von Kutrieb

Ähnlich wichtig wie die Unterstützung der Fans, ist auch, dass der Wechsel auf der Trainerbank problemlos funktioniert. Ex-Coach Dennis Kutrieb verließ die Berliner nach der letzten Saison in Richtung England. Kutrieb übernimmt auf der Insel das Traineramt bei Fünftligist Ebsfleet United. Sein Nachfolger bei den Lila-Weißen ist der junge Markus Zschiesche. Der 38-Jährige Ex-Spieler von Union Berlin, der zwischen 2015 und 2017 bereits im Nachwuchs von TeBe tätig war, arbeitete zuletzt in der Jugendabteilung von Energie Cottbus.

Zschiesche soll wieder vermehrt auf die zuletzt vernachlässigte Jugend setzen. Die fehlenden finanziellen Mittel sollen auch durch eine gute Arbeit in den Nachwuchsteams aufgefangen werden. Mittel- und langfristig will der Klub wieder vermehrt eigene Spieler ausbilden und an die erste Mannschaft heranführen. So wollen sich die 'Veilchen' in der Regionalliga etablieren und eines Tages vielleicht sogar auf die vorderen Plätze schielen. Geträumt haben sie in Charlottenburg schließlich schon immer. Dass in dieser Saison einzig und allein der Klassenerhalt zählt, ist aber allen Beteiligten bei TeBe klar. Sie wollen dort bleiben, wo sie hingehören.

Sendung: Inforadio, 30.07.20, 06:15 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die Regionalliga zu halten ist bei mind. 3 Absteigern richtig anspruchsvoll. Hoffentlich werden zu den ersten Heimspielen gegen Chemie Leipzig und Lichtenberg 47 wieder Zuschauer zugelassen, ist für TeBe die finanzielle Basis.
    Die Fan-Gemeinde freut sich nach 10 Jahren Berlin-Liga / Oberliga auf die Gegner in der kommenden Saison !

  2. 1.

    Auf zur 2. Kraft in Berlin.

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