Christian Gentner im Training von Union Berlin. Quelle: imago images/Andreas Gora
Audio: Inforadio | 02.08.20 | 8:15 Uhr | Stephanie Baczyk | Bild: imago images/Andreas Gora

Interview | Union-Mittelfeldspieler Christian Gentner - "Ich hoffe, dass wir die Euphorie auch ins zweite Jahr tragen"

Seit Donnerstag befindet sich Union Berlin wieder im Training. Mit dabei ist auch Christian Gentner. Der Routinier hat seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Im Interview mit Stephanie Baczyk spricht er über einen ganz besonderen Abschnitt in seiner langen Karriere.

rbb|24: Christian Gentner, Sie haben Ihren Vertrag bei Union um ein Jahr verlängert. Was war am Ende ausschlaggebend?

Christian Gentner: Wir waren uns bereits in der Rückrunde in den groben Punkten weitestgehend einig. Natürlich ging es auch darum, ob wir in der Liga bleiben. Nach der Saison haben wir es dann fix gemacht. Es gab aber keine zähen Verhandlungen, sondern wir waren seit der Winterpause immer im offenen Austausch. Am Ende waren wir uns schnell einig und ich freue mich auf ein weiteres Jahr in der Bundesliga.

Hatten Sie den Eindruck, dass sich Ihre Rolle in der letzten Phase der Saison noch einmal geändert hat und Sie noch mehr Verantwortung übernommen haben?

Das weiß ich nicht hundertprozentig. Ich habe mir aber natürlich auch wegen der veränderten Situation rund um die Corona-Krise vorgenommen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Auf einmal haben wir in leeren Stadien gespielt und hatten nicht mehr die laufende Rückmeldung der Fans. Das einzige Feedback kommt von der Bank und vom Trainer. Das ist dann schon ein anderes Gefühl. Ich als erfahrener Spieler, der schon sehr viele Partien gemacht hat, habe einfach viele Automatismen schon verinnerlicht. Ich brauche nicht mehr so viel Bestätigung. Das habe ich auch mit einem befreundeten Psychologen besprochen. Der hat gesagt, dass das schon ein wichtiger Faktor sein kann, den erfahrene Spieler in dieser Zeit mit in die Mannschaft bringen können. Man muss aber auch sagen, dass meine Rolle als Führungsspieler schon zu Beginn der Saison von Vereinsseite angedacht war.

Jetzt ist die Sommerpause vorbei. Wie ist Ihr Gefühl, haben Sie schon wieder Lust auf Fußball?

Zwei weitere Wochen Urlaub hätte ich auch nicht abgelehnt, das wäre für mich kein Problem gewesen (lacht). Trotzdem ist es natürlich schön, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen und sie nach den vier Wochen wiederzusehen. Die letzte Saison war aber anders und auch mental schwieriger. Auch jetzt ist es ungewöhnlich, dass du weißt, dass wir keine Winterpause haben werden. Die hatte ich die letzten 15 Jahre immer. Dieses Jahr gibt es vielleicht nur ein bis zwei Tage über Weihnachten frei. Wir mussten also die Akkus in den letzten vier Wochen aufladen und haben jetzt ein straffes Programm - wenn wir die Saison ohne Unterbrechungen spielen können, so wie wir uns das alle wünschen.

Was erwartet Union in dieser zweiten Bundesliga-Saison?

Es ist keine typische Saison, wie wir es aus den letzten Jahren kennen. Ich hoffe natürlich, dass ein Großteil der Zuschauer wieder dabei sein kann und wir so die Euphorie im Verein auch ins zweite Jahr tragen können. Das wäre ein Riesenpluspunkt. Einen Teil der Rückrunde wurde den Zuschauern logischerweise das Stadionerlebnis genommen. Hoffentlich gelingt es uns, das auf das zweite Jahr zu projizieren und wir sagen können: Wir haben noch nicht alle Teams An der Alten Försterei gehabt und somit ein zweites erstes Jahr in der Liga.

Einige charakterstarke Spieler wie Rafal Gikiewicz haben den Verein verlassen. Dafür sind aber bereits neue Akteure zum Team gestoßen. Wie sehen Sie den Wandel?

So viel hat sich gar nicht verändert. Natürlich war Rafa eine wichtige Persönlichkeit, auch weil er sehr stabil im Tor gehalten hat. Das ist ja auch noch eine Position, die ein bisschen offen ist. Wir haben aber mit Jakob Busk einen Torwart, der total akzeptiert ist und einen hohen Stellenwert genießt. Moritz Nicolas ist zwar im Moment noch etwas angeschlagen, aber hochtalentiert - da mache ich mir keine Sorgen. Und ich weiß, dass der Verein weiterhin die Augen offen hält. In der Innenverteidigung kannst du Keven Schlotterbeck eigentlich nicht besser eins zu eins ersetzen, als mit seinem Bruder (lacht) [Anm. d. Red.: Nico Schlotterbeck kommt auf Leihbasis vom SC Freiburg zu Union Berlin]. Wir haben also die Mannschaft weiter ergänzt und verstärkt. Wir verlieren definitiv ein paar Persönlichkeiten in der Kabine, das muss man ganz klar sagen, aber der Verein hat sich auch in dieser Hinsicht wieder gut neu aufgestellt. Da bin ich vorsichtig optimistisch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stephanie Baczyk, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: Inforadio, 02.08.20, 10:15 Uhr

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