Blick über das leere Olympiastadion Berlin
Audio: Antenne Brandenburg | 10.08.2020 | Birthe Sönnichsen | Bild: dpa/Andreas Gora

Fußball-Bundesliga - Gesundheitsminister erteilen Fan-Rückkehr vorerst Absage

Die Deutsche Fußball Liga hatte auf positive Signale für eine teilweise Fan-Rückkehr in die Stadien gehofft - stattdessen gab es einen Rückschlag: Die Gesundheitsminister bremsten die Bemühungen aus. Die Botschaft der Ressortchefs ist klar: Es gibt andere Prioritäten.

Die Deutsche Fußball Liga hatte gehofft - und musste vorerst eine Absage zur Kenntnis nehmen: Eine mögliche Rückkehr von Fans in die Stadien der Fußball-Bundesliga mit Corona-Schutzauflagen hat aus Sicht der Gesundheitsminister der Länder keine Priorität. Zuschauer seien zunächst nicht bis Ende Oktober wieder vorstellbar, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) dem rbb. "Wir sind einhellig zu dieser Position gekommen. Es wäre eine falsche Signalwirkung in dieser pandemischen Lage. Weltweit hören wir Rekordzahlen, auch in Deutschland steigen die Zahlen."

Zwar werde - so hieß es weiter - das Konzept der Deutschen Fußball Liga grundsätzlich als gut angesehen. Die Profiklubs hatten sich bereits vergangene Woche auf folgende Eckpunkte geeinigt: eine zunächst reduzierte Rückkehr der Fans ohne Stehplätze, ohne Alkohol und ohne Gästefans. Aus Sicht der großen Mehrheit der Ressortchefs wäre eine Umsetzung dieser Maßnahmen aber aktuell ein falsches Signal, so nun die Stimmungslage der GMK.

Spahn: "Passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen"

Das unterstrich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", erklärte der CDU-Politiker am Montag bei Twitter nach den Beratungen. Jetzt heiße es, keine vermeidbaren Risiken einzugehen. "Wir spüren, dass wir wachsam bleiben müssen. In der jetzigen Situation wären Zuschauer auf den Rängen das falsche Signal." Das Konzept der Deutschen Fußball Liga sei in der Theorie gut. Entscheidend sei in der Pandemie aber die Praxis im Alltag.

Kritik auch von Söder, Offenheit von Kretschmer

Ähnlich hatte sich auch der bayrische Ministerpräsident Markus Söder geäußert. "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadion zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen", sagte der CSU-Chef in Nürnberg und betonte: "Es hätte auch eine verheerende Signalwirkung an die Öffentlichkeit. Sowohl was Kapazitäten im Medizinischen betrifft als auch gegenüber kulturellen Veranstaltungen." Es sei "auch nicht klug, wenn wir Schulstart haben, wenn wir beginnenden Herbst haben, zu überlegen, dass wir dann zusätzlich 20.000, 25.000 Leute in den Stadien haben".

Andere Töne gab es von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er sieht das Zuschauerkonzept der Deutschen Fußball Liga positiv. "Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erproben", sagte der CDU-Politiker am Montag im ARD-Mittagsmagazin. Es sei wichtig, "dass wir jetzt auch an diesem Punkt einen Schritt nach vorn gehen". Von Massentests vor dem Stadionbesuch hält Kretschmer nichts, weil es nicht praktikabel sei. Man könne nicht so viele Menschen vorher testen, sagte er. "Das Prinzip muss sein, so wie am Arbeitsplatz, so wie beim Einkaufen muss eine Sportveranstaltung so organisiert sein, dass man sich nicht anstecken kann", sagte Kretschmer.

Sendung: Inforadio, 10.08.2020, 18:15 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Kann Hr. Kretschmann nur Recht geben! Und Hr. Spahn .... Spielverderber.
    @Andreas ... genau so wird es laufen.

  2. 8.

    Dann wird das Wochenende anders gestaltet: Erst in die volle Kneipe zum Fußball schauen, dann in die Hasenheide zur Parkparty , durchfeiern bis Sonntag und zum Schluss zur Demo. Und das nächste Wochenende einen Flieger nach Malle

  3. 7.

    Das ist richtig.
    Ballspielen ist sicher im gleichen Maß unwichtig wie Technoclubs, Theater oder Urlaubsreisen in übervollen Zügen/Fliegern.

  4. 6.

    Da sind diese Leute nun angeblich schon von Experten umgeben, aber wissen immer noch nicht dass draußen die Ansteckungsgefahr bei unter 5% liegt.
    Diesen sogenannten Superspread, gibt's nur in schlecht belüfteten Innenräumen.
    Aber schön weiter alles verbieten und die Bevölkerung in Angst und Schach halten.

  5. 5.

    Die einzig richtige Entscheidung!
    So wichtig ist das Ballspielen nicht.

  6. 4.

    Dann bitte auch konsequent Demonstrationen, Parkpartys und volle Badestrände verbieten. Gleiches Recht für alle.

  7. 3.

    Endlich mal eine gute Entscheidung, Herr Spahn !

  8. 2.

    Na dann bitte auch den Saisonstart auf Ende Oktober verschieben. Diese Geisterspiele sind pures Gift für den Fußball.
    Schon jetzt wollen diverse "Funktionäre" Corona zur Abschaffung der Stehplätze und Auswärtsblöcke missbrauchen.

  9. 1.

    "Aber bei vollen Stadion zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen" Ich auch nicht! Bitte nicht!

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