Dieter Hoeneß (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 23.08.2020 | Interview mit Dieter Hoeneß | Bild: imago images/Bernd König

Interview | Ex-Hertha-Manager Dieter Hoeneß - Meisterschaft? "Da waren wir damals näher dran"

Dieter Hoeneß steuerte Hertha in seiner Zeit als Manager regelmäßig in internationale Wettbewerbe. Ob das Hertha mit Investor Windhorst in Zukunft auch gelingt und welches Desaster die Berliner hätten ahnen müssen, erzählt er im Interview.

rbb|24: Dieter Hoeneß, 13 Jahre lang haben Sie die Geschicke von Hertha BSC als Manager entscheidend mitbestimmt. "Ich werde dem Verein natürlich immer mit dem Herzen verbunden sein", sagten Sie damals. Wie tief ist die Verbundenheit denn noch?

Dieter Hoeneß: Natürlich ist da noch eine emotionale Verbindung da. Aber ich bin jetzt elf Jahre weg und es ist natürlich jedes Jahr ein bisschen weniger geworden, seit ich auch wieder in München bin und natürlich eine starke Verbindung zum FC Bayern habe.

Wie intensiv verfolgen Sie die Geschehnisse rund um den Verein denn aktuell noch?

Ich bin sowieso fußballinteressiert. Es ist natürlich so, dass man sich mit den Vereinen, mit denen man mal gearbeitet hat, auch intensiv beschäftigt. Das sind nicht nur der FC Bayern und Hertha, sondern natürlich auch der VfB Stuttgart, wo ich vier Jahre Spieler und fünf Jahre Manager war. Nicht so ausgeprägt ist das mit Wolfsburg, weil mein Gastspiel da etwas kürzer war. Aber klar ist da eine Verbundenheit da, deswegen verfolge ich natürlich auch, was Hertha macht.

Haben Sie in der letzten Saison das ein oder andere Mal den Kopf geschüttelt - auch was Jürgen Klinsmanns Aktivitäten angeht?

Ja, wobei ich sagen muss, ich bin schon ein bisschen überrascht, dass die alle so überrascht waren. Es klingt jetzt ein bisschen blöd, aber wenn man Jürgen Klinsmann verpflichtet, muss man wissen, was man tut. Dass es am Ende so ausartet, war natürlich so nicht zu erwarten. Aber dass das nicht zusammenpasst, das hätte man vielleicht ahnen können oder müssen.

Seit Investor Lars Windhorst bei Hertha eingestiegen ist, hat der Klub einige preisintensive Transfers getätigt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und die Perspektiven mit Investor Windhorst im Rücken?

Ich hatte leider nicht das Glück. Damals war die Zeit noch nicht reif für einen Investor. Wir hatten damals die Umwandlung mit diesem Hintergrund gemacht. Man kann ja erst Anteile verkaufen, wenn es Anteile gibt und die einem gehören, das heißt, wenn eine Gesellschaft gegründet wird. Deswegen haben wir die Umwandlung in die Kapitalgesellschaft betrieben. Wohlwissen, dass der Markt darauf hinsteuert, dass mehr und mehr Investoren in das Bundesliga-Geschäft einsteigen werden. So gesehen ist damals die Grundlage gelegt worden. Ganz klar, Hertha hat wirklich Not gelitten. Als ich gestartet bin, hatte der Verein gar nichts. Kein Vereinsgelände, keine Trainingsplätze, ein marodes Stadion - und einen Sack voller Schulden. Da ist dann eine Lösung aufgebaut worden, ein Verein, der Rahmenbedingungen hat, die einem Bundesligisten gerecht werden.

Jetzt ist es natürlich schon so, dass es gut ist, dass der Verein die Möglichkeit hat, in die Qualität der Spieler zu investieren, wobei ich mich schon ein bisschen wundere, dass letztes Jahr 225 Millionen geflossen sind und jetzt schon wieder ein Bedarf da ist. Das gibt einem schon auch zu denken. Aber auf jeden Fall ist es natürlich gut für den Verein, die Qualität der Mannschaft besser zu machen.

Also fast traumhafte Zeiten im Vergleich zu den Jahren vorher, in denen Sie verantwortlich waren. Sie haben in der Zeit auch einige Stars geholt und Millionensummen gezahlt für zum Beispiel Marcelinho, Alves oder Pantelic. Wie groß war denn damals das Risiko, solche Summen ohne Investor freizumachen?

Da mussten wir natürlich sehr weit ausholen. Aber Fakt ist, dass Hertha BSC, als ich gegangen bin, 27 Millionen Verbindlichkeiten hatte. In der Spitze waren es mal 54 Millionen, die wir aber sukzessive abgebaut haben. In meinem letzten Jahr sind wir ja beinahe Deutscher Meister geworden. Es war schon möglich, mit einem vernünftigen Haushalten Schulden abzubauen und gleichzeitig einen sportlichen Erfolg zu entwickeln.

Jetzt hat Hertha BSC viel Geld zur Verfügung, das weiß natürlich auch die Konkurrenz. Kann das auch ein Problem werden, dass Spieler plötzlich teurer werden, weil sich Hertha BSC meldet und wie geht man damit um. Mit Geduld?

Ja, mit Geduld und einem guten Scouting. Aber es bringt immer einen Vorteil, agieren zu können und nicht warten zu müssen, bis man Spieler verkauft. Man muss natürlich richtig liegen und gute Entscheidungen treffen, aber man hat natürlich einen enormen Vorteil gegenüber der Konkurrenz - insbesondere jetzt in der schwierigen Phase, wo jeder den Gürtel enger schnallen muss.

Sie haben nach ihrem Weggang aus Wolfsburg zwei Firmen in Sachen Consulting gegründet und sind auch als Spielervermittler tätig. Haben Sie bezüglich ihrer Spieler Kontakte zu Hertha oder würden Sie Spielern grundsätzlich auch den Wechsel zu Hertha BSC empfehlen?

Natürlich ist Hertha BSC eine interessante Adresse. Es hat sich bisher nicht ergeben, dass wir da Kontakt hatten. Aber Hertha ist ein etablierter Bundesligaverein mit den finanziellen Möglichkeiten. Daraus kann man selbstverständlich etwas machen. Es sind auch ein paar interessante Spieler da. Was noch fehlt ist der nachhaltige sportliche Erfolg.

Halten Sie es denn für denkbar, dass Hertha jetzt den Schritt macht, wirklich dauerhaft um Champions League-Plätze oder um die Meisterschaft mitzuspielen?

Um um die Meisterschaft zu spielen, ist es noch ein weiter Weg. Da waren wir damals näher dran. Aber Bayern und Dortmund haben sich weiterentwickelt. Und dann kam Leipzig dazu, die einfach einen tollen Job machen. Da ist schon noch ein weiter Weg für die Hertha da. Man wird sehen, wie lange die finanzielle Power da ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind da etwa 65 Prozent der Anteile verkauft. Das ist natürlich auch ein Stück weit eine Gefahr, dass man irgendwann nichts mehr zu verkaufen hat. Da wird dann auch die Perspektive ein bisschen kleiner. Das muss dann schon mit dem funktionieren, was jetzt an Kapital vorhanden ist. Die Voraussetzungen sind da und man muss jetzt in der Tabelle schon langsam einen Schritt voran machen. Mit Bruno Labbadia haben sie einen guten Fang gemacht.

Ich bin sehr gespannt, wo Hertha am Ende der Saison landen wird. Ich traue Hertha schon zu, dass sie sich ins obere Drittel spielen können. Da muss aber vieles zusammenpassen.

Zuletzt stand Ihr Sohn Sebastian im Mittelpunkt, der jetzt Bundesliga-Trainer in Hoffenheim ist. Als Spieler war er lange bei Herthas zweiter Mannschaft aktiv und seine ersten Trainererfahrungen hat er auch in Berlin bei der U19 von Hertha Zehlendorf gesammelt. Wie wichtig und prägend sind diese Stationen für ihn aus Ihrer Sicht gewesen?

Als Spieler haben ihm viele - unter anderem sein Trainer Karsten Heine - bescheiningt, dass er damals schon wie ein Trainer gedacht hat. Es war schon zu erkennen, dass er ein bisschen über den Dingen steht und über den eigenen Spielertellerrand hinausgeschaut hat. Das hat sich dann bei Hertha Zehlendorf auch fortgesetzt, wo er Erfahrung in der Jugend-Bundesliga sammeln konnte. Das war eine wichtige Phase für ihn und von dort ging es ja dann nach Leipzig und dann zum FC Bayern. Er hat da schon einen sehr guten Unterbau und da ist schon die Basis gelegt worden, keine Frage.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lars Becker, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Version. Das gesamte Gespräch können Sie mit einem Klick ins Titelbild nachhören.

Sendung: Inforadio, 23.08.2020, 17:16 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Damals war Hertha im Arsch... Die Briderliebe und die Hilfe der Bayern hatte euch doch zu dem VEREIN Gebracht was Ihr heute seit...... ein looserverein. Wo ist EUER Stadion.. ach sorry Ihr habt ja keins

  2. 12.

    Ja wenn Hr. Preetz den Herrn Labadia seinen Job machen lässt und souveräner wird im Umgang mit Kritik,die es ja reichlich gab in der Vergangenheit.Arroganz ist ein schlechter Schutz,Dass er viel Geld bekommen hat durch diesen Investor ist nicht seinen Qualitäten zuzuschreiben.Ein Teadiditionsverein aus der Hauptstadt ist immer eine werbeträchtige Investition und letztlich ohne grosses Risiko für den Geldgeber.Windhorst könnte man von Wind ableiten, ein Schelm der böses dabei denkt.

  3. 11.

    Ach ja, der größte Fußballmanager aller Zeiten.
    Wäre schön gewesen, wenn Herr Becker die falschen Zahlen nicht hätte durchgehen lassen.
    Tatsächlich waren die Verbindlichkeiten höher als 60 Mio, da Einnahmen aus der Zukunft schon ausgegeben waren und Hoeneß so den Verein fast in die Pleite getrieben hatte.

  4. 10.

    also auf diesen Spielzeugtitel kann ich als Herthaner verzichten... dazu ist der Gegner nicht gut genug.

  5. 9.

    War ne geile Zeit, damals!
    UND: Wo spielte Bohnes Verein zu dieser Zeit nochmal?

  6. 8.

    Ja ich werde dieses Spiel auch nicht vergessen, warn dort bei brütender Hitze
    Sicher hat Hr. Hoeneß was in Berlin bewegt , aber als er merkte da geht nichts mehr bei 65 Mio. haute er ab. Das hätte er besser hin bekommen müssen.
    Alles gut e für Bruno & sein Team
    Ha Ho He

  7. 4.

    (Herr Lichtenberg) ... Ich habe andere, auch sehr gute Erinnerung an Herr Höneß, als manch so ein unumsichtigen Fan. Er hat schon was geleistet, was sich sehen lassen kann. Nur zu Dumm, dass in dem Jahr wo sie um die Meisterschaft mitgespielt haben nicht wenigstens, ein CL Platz rumkam. Das 0:4 am letzten Spieltag gegen Karlsruhe habe ich bis heute nicht vergessen. Ab da ging es Bergab. Die Top Spieler konnten teils nicht mehr gehalten werden und Lucien Favre war auch etwas komisch drauf. Na ja, alles Schnne von gestern. Michael und Bruno machen es hoffentlich bald etwas besser.

  8. 2.

    Ahh der Hr. Hoeneß der die alte Dame mit Mio.Schulden verlassen hat wollte auch mal wieder in die Presse.
    Nichts auf die Reihe bekommen Hertha & Wolfsburg) ,aber kluge Sprüche klpfen.
    Sie sollten sich was schämen.
    Ha Ho He

  9. 1.

    Wer war diese Hertha gleich nochmal?

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