Energie-Fans beim Test gegen den 1. FC Union. / imago images/Bernd König
Audio: Inforadio | 14.08.2020 | Andreas Friebel | Bild: imago images/Bernd König

Energie Cottbus vor dem Saisonstart - Freude mit Fallen

Mit einem Heimspiel gegen Lichtenberg startet Energie Cottbus in die Regionalliga-Saison. Die Vorfreude auf das erste Pflichtspiel nach fünf Monaten ist groß - die Sorgen aber auch. Denn diese Spielzeit birgt wirtschaftlich wie sportlich viele Stolperfallen. Von Andreas Friebel

rbb|24 überträgt das Spiel am Samstag ab 13:25 Uhr im Livestream.

Es ist der 8. März 2020. An diesem Sonntagnachmittag laufen die Spieler des FC Energie mit gesenkten Köpfen vom Rasen in Meuselwitz. Trotz Führung spielen sie gegen den Außenseiter aus Thüringen nur 1:1. Was an diesem Tag noch keiner weiß: Es ist das vorerst letzte Pflichtspiel für die Lausitzer. Denn wenige Tage später erreicht Corona auch den Fußball. Die Saison in der Regionalliga Nordost wird erst unterbrochen und später ganz abgesagt.

Rotstift in der Etatplanung

Fünf Monate später beginnt der Kampf um die Meisterschaft nun also von vorn. Wenn auch unter schwierigen Vorzeichen. Das betrifft zum Beispiel die Zuschauer. Wohl bis mindestens Ende Oktober dürfen nur 1.000 Besucher ins Stadion der Freundschaft. Abzüglich Offizieller, Spieler und Sicherheitsleuten werden am Ende nur 850 Fans auf den Tribünen sein. Das ist ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass das Stadion für über 20.000 Zuschauer Platz bietet. In der vergangenen Saison waren im Schnitt etwa 6.000 Fans regelmäßig bei den Heimspielen dabei.

Dass dann also 5.000 Zuschauer weniger im Stadion sind, wird dabei nicht nur Auswirkungen auf die Atmosphäre haben, sondern auch auf die finanzielle Lage der Cottbuser. Die Mindereinnahmen betragen pro Heimspiel etwa 50.000 Euro. Bei sechs Heimspielen bis Ende Oktober summiert sich der Ausfall auf über 300.000 Euro. Während der Bund den Fußball-Teams bis zur dritten Liga 80 Prozent dieser Einnahme-Ausfälle erstattet, sehen die Vereine ab der Regionalliga abwärts nichts von diesem Geld. Energie hat deshalb schon vorab in der Etatplanung den Rotstift angesetzt.

14 Abgänge, nur vier Neue

"Wir planen, mit 20 Feldspielern und zwei Torleuten durch die Saison zu gehen", so Sportdirektor Sebastian König. 14 Abgängen stehen bislang deshalb auch nur vier Neuzugänge gegenüber: Patrick Storb (Hamburger SV II), Nils Stettin (FSV Union Fürstenwalde), Janik Mäder (FSV Zwickau), Max Kremer (SV Meppen).

Auf der Liste der Abgänge sind auch zwei sehr prominente Namen zu finden, die in der vergangenen Saison noch als Königstransfers gehandelt wurden. Dimitar Rangelov und Robert Müller gehörten zu den erfahrensten Spielern der gesamten Regionalliga Nordost. Trotzdem erhielten die beiden kein Vertragsangebot. Denn Cottbus muss sparen und setzt auch deshalb verstärkt auf jüngere Akteure.

Viel Talent, wenig Erfahrung

"Wir haben im Rahmen unserer Vision 2022 eine sportliche Philosophie entwickelt, die wir mit jungen, talentierten, aber auch erfahrenen Spielern unterhalb der 30 umsetzen möchten", sagt König - und: "Ziel ist es, eine Mannschaft zu formen, die perspektivisch über die kommenden Jahre die Ziele des Vereins umsetzen kann."

Deutlich wird das unter anderem auf der Torwartposition. Tim Stawecki und Toni Stahl sind beide erst 20 Jahre alt. Das könnte mit Blick auf die Saison ein Risiko werden. Beide haben viel Talent, aber auch noch wenig Erfahrung im Profifußball. In der Vorbereitung wechselten sich beide im Tor ab. Wen Trainer Sebastian Abt zur Nummer eins machen wird, will er vor dem Saisonstart noch nicht verraten. "Die Entscheidung ist gefallen. Ich will aber erst die Mannschaft darüber informieren", so Abt am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Lausitzer.

Kontinuität als Trumpf?

Der große Vorteil der Lausitzer - mit Blick auf die meisten anderen Aufstiegskonkurrenten - ist ein eingespieltes Team. Während Lok Leipzig nach dem verpassten Aufstieg einen Neustart anpeilt und die beiden Absteiger Jena und Chemnitz eine fast komplett neue Mannschaft zusammenbauen müssen, setzt Cottbus auf Kontinuität. Abwehr und Mittelfeld blieben größtenteils zusammen. Auch Torjäger Felix Brügmann (15 Treffer) stürmt weiter für den FCE.

Das ist eine mehr als solide Basis um, "um den Aufstieg mitzuspielen", wie es sich Präsident Matthias Auth wünscht. Allerdings haben mit Berkan Taz (elf Tore) und Dimitar Rangelov (elf Treffer) zwei wichtige Offensivkräfte den Klub verlassen. Die Suche nach weiteren Neuzugängen läuft deshalb weiter und wird auch mit dem Saisonstart nicht abgeschlossen sein. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir 38 Spiele vor uns haben. Da kann immer mal einer verletzt oder gesperrt sein. Wir lassen uns da nicht drängen. Das Team hat Qualität und kann gut Fußball spielen", sagt Trainer Abt.

Gute Generalprobe

Das zeigte sich insbesondere bei der Generalprobe am vergangenen Wochenende. Gegen Erstligist Union Berlin verloren die Cottbuser nur mit 1:3. "Wir haben in der Vorbereitung viel trainiert, so dass wir mit den vergangenen Wochen sehr zufrieden sein können und optimistisch auf die Saison blicken", so Felix Brügmann.

Es wird aber keine normale Saison, das ist auch Brügmann klar. Sicher ist jedoch, dass der Meister in dieser Spielzeit direkt aufsteigen darf. Was den ein oder anderen Klub - trotz Corona bedingter Einnahmeausfälle bei Fans und Sponsoren - verleiten könnte, etwas über seine Verhältnisse zu leben.

Kandidat ja, Favorit nein

Bis 5. Oktober ist in diesem Jahr die Transferliste geöffnet. Viele Teams sind noch mittendrin in ihrer Kaderplanung, weshalb Prognosen über die Aufstiegsfavoriten schwerfallen. Cottbus zählt in jedem Fall zum Kreis der Meisterschaft-Kandidaten. Der Favorit auf den Titel sind die Lausitzer aber nicht.

Sendung: Inforadio, 13.08.2020, 12:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

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8 Kommentare

  1. 8.

    #47er: Den Wunsch kann, denke ich, jeder nachvollziehen. Gründe sind aber vermuhtlich das größere Fanlager von Energie.
    Um dieses Problem zu Lösen hatte ich auch schon Überlegungen wie "Dirk Huste". Magenta Sport hatte ja in der 3. Liga auch jedes FCE-Spiel live übertragen. Dieses Modell - gerade zu heutiger Zeit - für jeden Verein der 4. Liga mit einem monatlichen Obulus könnte den Zuschauerausfall verringern. Denkbar wäre eine solche Schalte auch über Fan-Projekte ähnlich wie EnergieFM.

  2. 7.

    Für einen ör Sender finde ich es höchst bedenklich dass der Stream bei einer amerikanischen Firma läuft die doch ab und an wegen Datenschutzbedenken im Focus steht. Ich bin Anhänger des ÖR und das verstehe ich gar nicht! Brauche ich für den Stream sogar einen Account? das wäre die Höhe!

    Schade, dass das Hauptaugenmerk mal wieder bei Enregie liegt. Li47 ist auch eine berlin-brandenburger Mannchaft.

    VG


  3. 6.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie wäre es wenn der RBB/MDR darüber nachdenkt, die exklusiven Übertragungsrechte mit den Clubs der 3. Liga zu teilen.
    RBB/MDR erhalten das Vorrecht auf die Übertragungen und die Clubs das Recht die Partien zu übertragen wo keiner von den öffentlich rechtlichen vor Ort ist. Das ist leider zu häufig der Fall, verständlicherweise organisatorisch auch nicht durchführbar. Die Fans sind mit Sicherheit bereit ihre Vereine mit dem Kauf von Tickets für den virtuellen Stadionbesuch zu unterstützen.

    Das wäre ein kleiner Beitrag, der die öffentlich rechtlichen nichts kostet und viel bewirken kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dirk Huste

  4. 5.

    Danke RBB für die gute Nachricht.

  5. 4.

    Lieber rbb, für bald 18,36 € im Monat wünsche ich mir etwas frischere News. 850 Fans sind ja ein ganz alter Hut. Gestern gab es da eine Pressekonferenz bei Energie. Die hätte man nachmittags um zwanzig nach fünf durchaus schon mit einbeziehen können.

  6. 2.

    Die Fans sehen ja so aus als wenn sie alle beim selben Bäcker einkaufen.

  7. 1.

    Hallo RBB,
    gibt es einen Livestream, von euch. Wäre für alle langjährigen Fans sehr schön, weil man ja bekanntlich, durch die Festlegungen der Landesregierung, nicht ins Stadion gehen darf.

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