Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert 1. FC Union Berlin
Bild: imago images / Matthias Koch

Union-Manager Oliver Ruhnert im Interview - "Wir brauchen Jungs, die Verantwortung übernehmen"

Unions Transferpolitik sorgt für Aufsehen: Mit Max Kruse haben die Eisernen den nächsten Hochkaräter nach Köpenick geholt. Im rbb-Interview spricht Manager Oliver Ruhnert über seine Erwartungen an den Ex-Nationalspieler - und wo Union noch aufholen muss.

rbb|24: Herr Ruhnert, Sie haben am Freitag Max Kruse als Neuzugang vorgestellt. Das ist sicher Ihr bislang spektakulärster Wechsel in diesem Sommer. Was erwarten Sie von ihm?

Oliver Ruhnert: Dass er uns in der kommenden Saison helfen wird. Dass er einer der Spieler sein wird, die dafür sorgen werden, dass wir weiter in der ersten Liga spielen. Natürlich ist das ein Wechsel, der für Aufsehen sorgt - das ist ein sehr bekannter Name mit einer entsprechenden Vita. Wir sind mit unseren bisherigen Transfers sehr zufrieden und hoffen einfach, dass sie uns helfen werden.

Max Kruse ist immerhin 14-maliger Nationalspieler, trotzdem kommen immer wieder Geschichten außerhalb des Platzes heraus. Mal spielt er Poker, mal lässt er Geld im Taxi liegen. Nervt Sie das oder gehört das dazu, wenn man Max Kruse verpflichtet?

Das nervt mich eigentlich überhaupt nicht. Er hat am Ende eine erfolgreiche Karriere hingelegt, weil er gut Fußball spielt. Und dafür haben wir ihn verpflichtet. Er hat einen wichtigen Satz gestern gesagt: "Jeder hat sein Privatleben und jeder muss es mit dem Fußball arrangieren." Das wird er tun. Jeder, der Max Kruse kennt, der weiß, dass er Fußball aus Leidenschaft spielt - nicht, weil er es muss. Das ist ein wichtiges Kriterium für uns.

Andreas Luthe ist gegen Energie Cottbus erstmals im Unioner Trikot aufgelaufen. Der ist auch schon 33 Jahre alt. Ein sehr gestandener Spieler, der auch mal das Wort übernimmt. Wie sehr achten Sie bei Verpflichtungen auch auf sowas?

Das ist sehr wichtig für uns, weil gerade auch von hinten heraus Organisation und Coaching notwendig sind. Das wird uns helfen. Seinen ersten Einsatz hat er schon mal zu null gespielt. Für uns ist es wichtig, dass wir Jungs haben, die Verantwortung übernehmen. Nur dann hast du eine Chance in der Liga zu bleiben. Diese Verantwortung trägt Andreas Luthe allein schon als Typ und von der Ausstrahlung in sich.

Sie werden jeden Sommer fast schon dafür gefeiert, welche spektakulären Transfers Sie tätigen. Aber es gibt auch die andere Seite: Asllani nach Hoffenheim, Oppemann zum HSV, Maloney zum BVB, Kade nach Dresden - warum fällt es so schwer, Talente einzubinden?

Ja, das stimmt. Wir haben aber natürlich trotzdem junge Spieler, die sich entsprechend bei uns entwickelt haben. Und wir werden auch weiterhin junge Spieler reinwerfen. Aber klar ist auch: Die Komprimierung, viele Spieler einbinden zu können, die haben wir noch nicht. Union entwickelt sich toll und immer nachhaltiger auch in der Nachwuchsabteilung. Aber wir haben trotzdem einige Jahre aufzuholen. Und dann wird auch die Zeit kommen, in der sich mehr Spieler durchsetzen werden. Asllani hätten wir übrigens gerne behalten. Er hat sich anders entschieden und das ist legitim. Aber es nicht so, dass wir nicht auch intern nach Lösungen schauen.

Das Interview führte Christian Dexne für den rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht redigierte und gekürzte Version.

Sendung: Fussball Live, 08.08.2020, 14:55 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Best manager ever

  2. 2.

    Kann man ohne weiteres so unterstreichen. Er macht überall eine gute Figur und bleibt uns hoffentlich zusammen mit Urs Fischer noch lange erhalten !

  3. 1.

    Oliver Ruhnert zolle ich allergrößten Respekt! Und das nicht nur für seine hervorragende Transferpolitik bzgl. des FCU, sondern auch für seine integere Persönlichkeit.

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