DTM auf dem Lausitzring (Quelle: imago images / eu-images)
Audio: Inforadio | 14.08.2020 | Andreas Friebel | Bild: imago images / eu-images

Zwei Rennwochenenden - DTM auf Abschiedstour auf dem Lausitzring?

Zum ersten Mal in der Geschichte des Lausitzrings besucht die DTM an gleich zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden die Strecke im Süden Brandenburgs. Die Rennen müssen ohne Zuschauer stattfinden - und könnten zudem die letzten sein.

20 Jahre lang gehörten die Rennwagen der Deutschen Tourenwagenmasters (DTM) zu den Publikumsmagneten auf dem Lausitzring. Schon zwei Wochen nach seiner Eröffnung, am 20. August 2000, gastierte die DTM erstmals auf der nagelneuen Anlage. In Spitzenzeiten jubelten weit über 80.000 Zuschauer auf den Tribünen. Von diesen Zahlen war man zuletzt deutlich entfernt. Durch das allgemein nachlassende Motorsportinteresse kamen 2019 noch rund 50.000 Fans auf den Lausitzring.

Ursprünglicher Rennkalender wurde komplett verändert

Ähnlich voll wäre es wohl auch in diesem Jahr geworden. Doch Zuschauer sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Dabei hatten die Verantwortlichen der Rennserie lange darauf gehofft, doch Fans an die Strecken zu bringen. Der ursprüngliche Rennkalender wurde komplett verändert: Das für Mitte Mai geplante DTM-Gastspiel auf dem Lausitzring wurde auf Mitte Oktober verschoben. Bis dahin, so hoffte man, könnten Großveranstaltungen mit Zuschauern wieder möglich sein. Anfang Juni zog die Rennserie dann die Reißleine und plante noch einmal um. Die Gastspiele in Russland, Großbritannien, Italien und Schweden wurden gestrichen und so kommt der Lausitzring nun zu der Ehre, gleich an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden DTM-Rennen zu erleben.

Schon 2005 waren die Tourenwagenmasters zwei Mal innerhalb eines Jahres im Süden Brandenburgs - geplant im Mai und außerplanmäßig im September, weil damals ein Rennen in Frankreich abgesagt wurde.

Zwei Wochenenden - zwei Streckenvarianten

Damit den Fahrern beim diesjährigen Doppelgastspiel nicht langweilig wird, hat sich die DTM etwas Besonderes einfallen lassen. Am ersten Wochenende wird auf dem knapp 3,5 Kilometer langen Sprintkurs gefahren. Eine Woche später kann nach kleinen Umbauarbeiten der 4,5 Kilometer lange Grand-Prix-Kurs genutzt werden.

"Zum Lausitzring habe ich eine spezielle Verbindung", sagt BMW-Fahrer Lucas Auer im Vorfeld: "Mit meinem damaligen Team von Peter Mücke habe ich viel auf dieser Rennstrecke getestet, mit der Formel 3 und mit Tourenwagen - und meinen ersten DTM-Sieg gefeiert. Ich mag beide Varianten, auf beiden ist Überholen gut möglich." Audi-Pilot Mike Rockenfeller sieht das etwas anders: "Der Lausitzring ist knifflig und nicht mein Favorit unter den Rennstrecken", sagt er, stimmt aber Auer in einem Punkt zu: "Beide Streckenvarianten sind gut zum Überholen. Persönlich finde ich die lange Version etwas schöner."

Alle Teams und auch die meisten Fahrer bleiben zwischen beiden Rennwochenenden in der Lausitz. Was den Hotels in der Region immerhin ein paar Zusatzeinnahmen bringt. Im Vergleich zu normalen Rennen ist das aber nur ein Bruchteil.

Erst stieg Mercedes aus, bald folgt Audi

Zurück zur sportlichen Situation: Nach dem Saisonauftakt im belgischen Spa-Francorchamps gehen der Vorjahreszweite Nico Müller (Schweiz) und Audi als erste Führende des Jahres an den Start. Müller holte in Belgien einen Sieg im ersten und Platz zwei im zweiten Rennen. Mit 46 Punkten führt er das Fahrerfeld an, vor Titelverteidiger René Rast (39 Punkte) und dem Briten Jamie Green (30 Punkte). Auffällig: Aktuell belegen ausschließlich Piloten des Ingolstädter Automobil-Herstellers die ersten sechs Plätze.

Audi will sich mit der Meisterschaft aus der Rennserie verabschieden. Denn nachdem Ende 2019 Mercedes ausstieg, folgt Audi nach dieser Saison. Die Zukunft der DTM ist damit ungewiss. Aktuell ist es eine bayerische Konstrukteurs-Meisterschaft: neben Audi gibt es nur noch BMW. Und dass die Münchner ab 2021 nur noch unter sich und gegen sich selbst fahren, haben sie bereits ausgeschlossen. Seit Monaten wird deshalb hinter den Kulissen nach Lösungen gesucht.

"Traurig, wenn die DTM wegbrechen würde"

Möglich wäre der Einstieg eines anderen Autoherstellers. Die meisten kämpfen aber gerade mit den Folgen der Corona-Krise und haben kaum Geld für teuren Motorsport über. Auch das Zusammengehen mit einer anderen Rennserie wäre möglich. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt unter Branchenexperten eine einjährige Auszeit der Tourenwagenmasters. 2021 könnte genutzt werden, um ohne Druck einen Plan für die Zukunft aufzustellen.

Einigkeit herrscht unterdessen darüber, dass ein kompletter Wegfall der DTM-Plattform ein extrem schwerer Schlag für den deutschen und internationalen Automobilsport wäre. "Da hängt so ein riesiger Rattenschwanz dran, schauen wir uns doch nur einmal den Nachwuchs an", sagte der amtierende DTM-Champion Rast kürzlich dem Motorsport-Magazin. "Was hätten die jungen Nachwuchsfahrer heute abgesehen von der Formel 1 als Ziel, wenn es die DTM nicht gäbe? Es wäre traurig, wenn das alles wegbrechen würde."

Das sehen auch viele Motorsport-Fans in Brandenburg so, für die die Rennserie zwei Jahrzehnte der Höhepunkt im jährlichen Rennkalender des Lausitzrings war.

Sendung: Inforadio, 14.08.2020, 14:15 Uhr

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