Turn-Olympiasiegerin Maxi Gnauck (imago images)
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Maxi Gnauck über ihr Olympia-Gold 1980 - "Was in der DDR gut lief, war der Sport"

Vor 40 Jahren holte Maxi Gnauck als bis dato letzte deutsche Turnerin eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen. rbb|24 sprach mit ihr über die Vorzüge des DDR-Sports, verpasste Chancen und Tipps für junge Talente.

rbb|24: Maxi Gnauck, am 25. Juli 1980 holten Sie bei den Olympischen Spielen von Moskau Gold am Stufenbarren. Was schießt Ihnen als Erstes durch den Kopf, wenn Sie 40 Jahre zurückdenken?

Maxi Gnauck: Das funktionierende System in der DDR. Also die Verbindung zwischen Internat, Schule, Sportmedizin und Sportstätten auf einem Gelände. In meinem Fall war es das Sportforum Hohenschönhausen, mit idealen Bedingungen, die man heute lange suchen kann.

Sie waren damals gerade erst 15 Jahre alt und ein echter Star in der DDR. Wie haben Sie das als Teenager wahrgenommen?

Das ist etwas später gekommen, weil ich damals nicht wusste, wie es weitergeht, ob ich mich vielleicht noch verletzen würde. Das Realisieren des Erreichten, das kommt erst mit der Zeit.

Und Ihr Umfeld?

Als wir 1979 von der Weltmeisterschaft in den USA zurückkamen (mit Gnauck als Weltmeisterin, Anm. d. Red.), gab es in der Sporthalle im Sportforum eine Begrüßung. Man hat gemerkt, dass die Trainer und die Mitarbeiter stolz waren, dass so etwas erreicht wurde – aus der kleinen Frauen-Sporthalle im Sportforum heraus. Als ich dann bei den Olympischen Spielen das Niveau in der Weltspitze mithalten konnte, habe ich auch die Anerkennung in der Presse gespürt. Das ist immer schön für uns Sportler.

Wegen des Olympia-Boykotts der DDR 1984 ist Ihnen eine weitere Medaillen-Chance verwehrt geblieben.

Das war natürlich sehr schade. Ich habe mich vor allem geärgert, als ich hörte, dass die Rumänen und Chinesen doch hinfahren. Normalerweise wollten die Ostblock-Länder ja alle zusammenhalten und die Spiele boykottieren.

Ihr Olympiasieg war ein Coup, der bislang keiner anderen Deutschen nach Ihnen gelungen ist. Was hatten Sie, was danach keine mehr hatte?

Es gab damals schon eine große Konkurrenz. Ich war zwischen 1979 und 1985 einfach die Konstanteste. Ich konnte meine Leistungen immer wieder bestätigen mit Europa- und Weltmeistertiteln. Auch nach mir gab es, beispielswiese mit Dörte Thümmler (Weltmeisterin am Stufenbarren, Anm. d. Red.), deutsche Erfolge. Und dann kam 1990 die Wende und vieles änderte sich.

Was waren die gravierendsten Veränderungen?

Das Leistungssport-Modell der DDR wurde im Prinzip aufgelöst. Und was in der DDR gut lief, war eben der Sport. Der wurde professionell und systematisch aufgebaut. Das wurde grundsätzlich minimiert, Trainerstellen wurden gekürzt. So bricht dann ein System zusammen. So kann man dann keine Leistung vorbereiten. Da geht es dann eben nur vereinzelt, wenn jemand Talent hat und für ihn oder sie die Bedingungen geschaffen werden.

Der DDR-Sport ist mitnichten nur für sein positives Image bekannt. Von systematischem Doping über Gewalt gegenüber jungen Athletinnen und Athleten war die Rede. Wie war das für Sie?

Letztendlich war für mich alles positiv, auch weil ich erfolgreich war. Ich denke, wenn man Leistung erzielen will, braucht man eine gewisse Konsequenz im Training. Es muss intensiv und konzentriert gearbeitet werden - das ist notwendig. Bei uns gab es auch Athletinnen, die das harte Training nicht akzeptiert haben und aufgehört haben. Geschlagen wurde bei uns aber beispielsweise niemand. Ich will mich zu Berichten, die es zu diesem Thema gab auch nicht äußern - ich habe das anders erlebt.

Was ist das Wichtigste, das Sie als Olympiasiegerin jungen Sportlerinnen mitgeben können?

Wenn man sich etwas vornimmt, muss man dranbleiben. Man soll nicht sofort aufgeben, wenn etwas schwierig wird. Die Turnerinnen sollen mit Freude an die Sache herangehen, denn ich kann sie als Trainerin auch nicht drängen, schieben und drücken – das ist nicht meine Art. Sie müssen selbst dafür brennen.

Was braucht man, um es in die absolute Spitze zu schaffen?

Zielstrebigkeit, Mut, Wille und Disziplin. Aber eben auch die Liebe zur Sportart.

Disziplin kann auch schnell zu Drill werden und in Druck umschlagen.

Das ist sicherlich auch von den Aktiven abhängig, wie gut sie mit diesem Druck umgehen können. Einmal ist es die Erwartung an sich selbst, die nicht jeder in den Griff bekommt. Aber natürlich auch die Erwartung der Trainer. Außerdem muss die Turnerin die Anforderungen, die der Trainer stellt, durchhalten können. So dass sie eben nicht sagt "Ich bin jetzt so k.o., ich höre jetzt auf", sondern dass sie die zwei Übungen vielleicht doch noch macht. Genau das sind dann die Durchgänge, die einen für den Wettkampf weiterbringen.

Bekommen Sie denn in den Tagen an der alten Wirkungsstätte Heimatgefühle? Könnten Sie sich vorstellen, zurückzukehren?

Ich denke, den Rest meiner beruflichen Karriere werde ich in der Schweiz verbringen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, wenn ich ein Angebot bekomme, dass ich zurück nach Deutschland ziehe.

Das Interview führte Lisa Surkamp für den rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 09.08.2020

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34 Kommentare

  1. 34.

    Leider wude mein erster Kommentar hier nicht abgedruckt.
    Also ein zweiter Versuch
    Ich hätte mir von so einem Interview, wenn es denn eins war, eine differenziertere und inhaltlich besser aufgearbeitete "Fragenmentalität" gewünscht.
    Ein Nachhaken bei der ein oder anderen Antwort hätte ich mir doch schon als interessierter Leser gewünscht.
    Als sehr qualifizierte Lektüre empfehle ich übrigens das Buch "Goldkinder" von Grit Hartmann. In diesem Buch wird die Geschichte des Spitzensports in der DDR von der Entstehung bis zum Ende in sehr objektiver Form dargestellt.

    Beste Grüße

    Andreas Hundt

  2. 33.

    Sehr erwachsen Frau Surkamp. Die Kritik hier richtet sich gegen Ihre Art der harmlosen Interviewkunst und Sie schweigen. Normalerweise bedeutet Stillschweigen ja eine Art Zustimmung. Hier wirkt es eher wie Ignoranz. Ich werde künftig keine Berichte von Ihnen objektiv lesen können.

  3. 32.

    Bin gespannt, ob der RBB diesen Link zum Spiegel freischaltet

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-138273645.html

  4. 31.

    Danke RBB, dass Ihr das Interview gebracht habt.
    Es kann sich jeder seine Gedanken darüber machen.
    So sollte es sein.
    Was aber einige Kommentatoren hier wünschen ist Zensur!

  5. 30.

    Und was hat das jetzt mit dem Interview zu tun? Wollen Sie etwas Verharmlosen, weil es auch woanders Doping gab und gibt? Netter Versuch. Nützt nichts. Fanden Sie das systematische Doping der DDR gut? Einfache Frage.

  6. 29.

    Im Westen hatte man die Probleme glücklicherweise nicht. Lag allerdings daran, das man einfach selbst zum Doping zu doof gewesen ist. Und damals hat man eben nicht den letzten oder vorletzten zum Dopingtest gerufen. Von daher sind die Machenschaften im Westen, die es ja angeblich nie gegeben hat, auch nicht so richtig aufgeflogen.

  7. 28.

    Die Überschrift ist zwar ein Zitat, aber Frau Suhrkamp hat es als Überschrift gewählt. Ich finde das auch schrecklich.

  8. 27.

    Deren Meinung wäre aber mal interessant.... Merken Sie eigentlich noch, was dieser Artikel bei Menschen auslöst, die durch das systematische Doping körperliche Dauerschäden davon getragen haben? Das ist die pure Verhöhnung von Opfern. Entweder Frau Surkamp hat die Frage nach dem Doping nur pro forma gemacht oder sie hat nicht genug Hintergrundwissen für diesen Job. Sich solche Antworten gefallen zu lassen und dann noch dieses Zitat zur Überschrift zu machen finde ich sehr misslich, um es vorsichtig auszuführen.

  9. 26.

    Im übrigen... "Globke", "McCarthy"... jetzt noch ein "von Tschammer und Osten", dann sind die Demokratie-Experten komplett.

  10. 25.

    Da muss man der Interviewenden ja beinahe dankbar sein, dass überhaupt die Konflikte und Verbrechen durch die DDR zur Sprache kamen. So zu tun, als ob der Sport ein unpolitisches Feld gewesen sei, unproblematisch und gleichzeitig den Unmut über China und Rumänien damals äußernd, zeigt doch, wessen Geistes Kind Gnauck damals war und heute ist. Wer keine eigene Meinung zu den nachgewiesenen Verbrechen, allein schon im Sport, der DDR hat, disqualifiziert sich selbst. Hörige, unkritische Sportler*innen als Scheuklappen tragendes Instrument politischer Selbstinszenierungsstrategien - wie gemacht für Diktaturen. Solche Personen brauchen wir hier nicht. Wieso nur Schweiz, wo das Verhältnis zur Demokratie traditionell schlecht ist, wieso nicht direkt Nordkorea oder China?

    Das heutige Sportforum lebt und atmet Verklärung und Verharmlosung von sowohl DDR als auch Drittem Reich - ein Anziehungspunkt für alle Antidemokrat*innen und Faschismusfreund*innen.

  11. 24.

    Genau "ehemaliger", in der DDR herrschten Menschenfresser die schon zum Frühstück West-Kinder brieten und sich mit Freiheit und Demokratie den Hintern abwischten... alles Verbrecher bis zum letzten Platzwart.

  12. 23.

    Die Überschrift ist ein Zitat der interviewten Sportlerin Maxi Gnauck und gibt nicht die Meinung unserer Kollegin Lisa Surkamp wieder.

  13. 22.

    werte frau Lisa Surkamp

    dieser bericht ist einfach nur peinlich und ein schlag ins gesicht aller sportler die unter dem sed regime
    massiven repressalien ausgesetzt waren , das waren viele sehr viele
    sie können mich gerne kontaktieren ich habe zig beispiele die beweisen das auch der sport in der sed zeit nichts gutes war !
    in einem menschenverachtenden kommunistischen regime gibt es nichts gutes !
    auch im sport nicht !

  14. 21.

    "Was in der DDR gut lief, war der Sport"...

    RBB, nach dem Interview mit Andreas Kalbitz der zweite Artikel wo ich denke: Wer ist dafür zuständig und warum arbeitet die Person noch für euch.

  15. 20.

    Tja, und heute macht eine medienwirksame Industrie ganz ohne das Bindeglied Trainer/Trainerin die Zielgruppe „Jugendliche“ und „Heranwachsende“ weich im Kopf. Den gesamten Mist an „Vitaminen“, „Aufbaustoffen“, „Ergänzungsmitteln“ .... kauft eine breite Nutzergruppe heute unproblematisch, um den eigenen Körper zu tunen, die physische und psychische Leistung zu steigern. Ein kaputtes System folgt auf das andere.

  16. 19.

    Die DDR hatte übrigens auch kein Flüchtlingsproblem. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Also: Von 1961 bis 1989 nicht, als der stets treusorgende Staat sich so richtig intensiv und ohne Kosten und Mühen zu scheuen darum gekümmert hat. Das hatte richtig Weltniveau. Man sieht: Es war nicht alles schlecht. (Ironie aus.)

  17. 18.

    Na ja, das scheint mir eher ein Glaubensgrundsatz zu sein. Zum Glück leben wir heute in einer Zeit, in der man nicht mehr glauben muss, sondern wissen darf. Also ran an alle Studien und Veröffentlichungen, die es hierzu über Ostbund West gibt.

  18. 17.

    Ein guter Freund von mir war leistungssportler im rudern in der ddr. Schon in der Jugend gab es speziellen "Tee", den nur der Trainer zubereitet hat sowie "vitamintabletten". Die muskelauswüchse unter Teenagern waren entsprechend. Die spätwirkungen für viele ebenso. Eine schlimme verharmlosung findet hier statt

  19. 15.

    Den DDR Sport nur auf Doping zu reduzieren ist zu einfach und nicht angemessen. Der Breitensport wurde in der DDR besser gefördert und die Diskussion wird immer nur auf den Leistungssport, der in Ost und West auch negative Erscheinungen hatte, verkürzt.

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