Union-Trainer Urs Fischer gibt Anweisungen. / imago images/Passion2Press
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Teamcheck | 1. FC Union Berlin - Köpenicker Klassenerhalt, Teil zwei

Als Absteiger gehandelt hält der 1. FC Union in der vergangenen Saison sensationell die Klasse. Das neue Ziel ist selbstredend wieder der Ligaverbleib. Entscheidend wird sein, ob die Köpenicker in ihrer Entwicklung den nächsten Schritt schaffen. Von Stephanie Baczyk

So lief die vergangene Saison

Das Wörtchen "Schlussendlich" gehört ja seit geraumer Zeit zum Köpenicker Basis-Repertoire, genau genommen seit Urs Fischer im Sommer 2018 den Cheftrainer-Posten beim 1. FC Union übernommen hat. Seitdem flicht der Schweizer es in jeden dritten Satz ein - die Fans feiern ihn dafür, sogar die Profis haben jenes "Schlussendlich" in ihren Sprachgebrauch übernommen. Logisch, dass es fett auf den schwarzen Shirts prangte, die Spieler und Trainerteam am Abend des Klassenerhalts trugen. Nur standen das "Schluss" und das "Endlich" untereinander und für sich. Sinnbildlich für eine sehr lange, sehr anstrengende Spielzeit.

Zusammen mit dem SC Paderborn als klarer Abstiegsfavorit gehandelt ärgerte der 1. FC Union die Liga - mal mehr, mal weniger. Die Eisernen lebten vom Teamgeist, vom Zusammenhalt auf dem Platz und von reichlich Laufarbeit, gepaart mit einer gesunden Zweikampfhärte. Christian Gentner übernahm die Rolle des Leaders im Mittelfeld, trieb an und lenkte mit all seiner Bundesligaerfahrung. Andere wie Kapitän Christopher Trimmel drehten - im Positiven - frei und spielten die Saison ihres Lebens. Der 33-Jährige, neben dem Platz Tätowierer, stach im Spiel der Köpenicker ein ums andere Mal zu - mit Flanken, die wiederum zu Toren führten. Ganze elf Mal.

Rechtsverteidiger Trimmel bedankte sich nach dem letzten Spieltag in den sozialen Medien erst einmal bei seinen Beinen. Und natürlich bei den Fans. Die trugen Union ein ums andere Mal durch die Partien, ob auswärts oder im Stadion An der Alten Försterei.

Ein überschaubarer Kreis versammelte sich sogar, als coronabedingt keine Fans mehr im Stadion und nur Geisterspiele erlaubt waren, vor eben jenem. Zumeist mit Abstand - und einmal, als der Ligaverbleib feststand, von Glücksgefühlen getrieben, weniger klug mit weniger Abstand.

Union meisterte die erste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte mit Ruhe und ohne Hektik. Trainer Urs Fischer trotzte mit seinem Team auch den zwischenzeitlichen Phasen ohne Sieg - gerade der einen nach der Corona-Pause, als die Eisernen fünf Partien lang keinen Dreier landen konnten. Am Ende packte Union den Ligaverbleib als Tabellenelfter - und Christopher Trimmel schrieb in den sozialen Medien: "Das Kapitel Underdog dürfte damit auch abgeschlossen sein!".

Wer kommt, wer geht?

Einige Spieler haben den Verein verlassen, darunter Leistungsträger wie der immer laute, meinungsstarke Keeper Rafal Gikiewicz oder Innenverteidiger Neven Subotic, der auf eigenen Wunsch eine neue Herausforderung sucht - gerade aber noch in Berlin-Köpenick mit der Mannschaft trainiert. Auch Innenverteidiger Keven Schlotterbeck, der mit seiner guten Spieleröffnung ein ums andere Mal verzückte, hat den Klub nach einjähriger Leihe wieder Richtung Freiburg verlassen. Er wurde allerdings eins zu eins ersetzt - durch Bruder Nico, der ähnliche Fähigkeiten vorzuweisen hat.

Aus Wolfsburg hat Manager Oliver Ruhnert mit Robin Knoche einen erfahrenen Abwehrmann in die Hauptstadt gelotst - der 28-Jährige darf sich bei Union nach einer starken Vorbereitung Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Auf der linken Abwehrseite konkurriert Neuzugang Niko Gießelmann (kam von Fortuna Düsseldorf) mit Christopher Lenz, der Ex-Heidenheimer Sebastian Griesbeck ist eine weitere Option für das defensive Mittelfeld. Auf dem linken Flügel hat Trainer Fischer mit dem japanischen Nationalspieler Keita Endo einen flinken und abschlussfreudigen Spieler dazu bekommen, vorne im Sturm ist der dribbelstarke Cedric Teuchert eine Alternative.

Andreas Luthe dürfte als neue Nummer eins im Kasten in die Saison gehen - aber für die größte Überraschung sorgte die Verpflichtung des Ex-Bremers Max Kruse. Der 32-Jährige, der zuletzt bei Fenerbahce in der Türkei unter Vertrag stand, kann das Spiel der Köpenicker um den Aspekt der Kreativität ergänzen - für Überraschungsmomente aus dem Spiel heraus sorgen, die Union zuletzt fehlten. Obwohl spielberechtigt, wartet Kruse allerdings verletzungsbedingt noch auf seinen ersten Einsatz. Beim Pokalspiel in Karlsruhe wird er nicht dabei sein.

Wichtig auch für die Eisernen: Top-Stürmer Sebastian Andersson hat den Verein noch nicht verlassen - aber auch der kopfballstarke 12-Tore-Schwede aus der Vorsaison kämpfte mit Rückschlägen während der Vorbereitung, musste lange angeschlagen passen. Interessant wird sein, wie sich das Team in der zweiten Bundesligasaison in Folge zusammenfindet - die Integration der Neuen ist dem Trainerteam und der Mannschaft in der Vergangenheit immer gut gelungen.

Der Trainer

Urs Fischer hat die Sommerpause entspannt mit Familie und Freunden verbracht. Mit seiner Frau war er wandern, mit Co-Trainer Markus Hoffmann angeln - oder auch "die Akkus aufladen", wie der 54-Jährige sagt.

Urs Fischer hat die Sommerpause entspannt mit Familie und Freunden verbracht. Mit seiner Frau war er Wandern, mit Co-Trainer Markus Hoffmann Angeln - oder auch „die Akkus aufladen“, wie der 54-Jährige sagt. Dass die zweite Bundesligasaison in Folge sinngemäß auch immer irgendwie die schwerste ist, davon will der besonnene Schweizer nichts wissen - und doch steht er vor der Aufgabe, das Team weiterzuentwickeln. Die Liga kennt den 1. FC Union jetzt - den Stil der Köpenicker, das „eklig sein“ und die Kopfballstärke nach Standards. Aus der Ruhe lässt sich Fischer davon nicht bringen - das wäre gegen seine Natur. Allerdings war er nicht mit allen Auftritten seines Teams während der Saison-Vorbereitung glücklich.

Urs Fischer hat die Sommerpause entspannt mit Familie und Freunden verbracht. Mit seiner Frau war er Wandern, mit Co-Trainer Markus Hoffmann Angeln - oder auch „die Akkus aufladen“, wie der 54-Jährige sagt. Dass die zweite Bundesligasaison in Folge sinngemäß auch immer irgendwie die schwerste ist, davon will der besonnene Schweizer nichts wissen - und doch steht er vor der Aufgabe, das Team weiterzuentwickeln. Die Liga kennt den 1. FC Union jetzt - den Stil der Köpenicker, das „eklig sein“ und die Kopfballstärke nach Standards. Aus der Ruhe lässt sich Fischer davon nicht bringen - das wäre gegen seine Natur. Allerdings war er nicht mit allen Auftritten seines Teams während der Saison-Vorbereitung glücklich.

Dass die zweite Bundesligasaison in Folge sinngemäß auch immer irgendwie die schwerste ist, davon will der besonnene Schweizer nichts wissen - und doch steht er vor der Aufgabe, das Team weiterzuentwickeln.

Die Liga kennt den 1. FC Union jetzt - den Stil der Köpenicker, das "eklig sein" und die Kopfballstärke nach Standards, die langen Bälle und die Zweikampfhärte. Aus der Ruhe lässt sich Fischer davon nicht bringen - das wäre gegen seine Natur. Allerdings war er nicht mit allen Auftritten seines Teams während der Saison-Vorbereitung glücklich.

Die Ziele

Das sportliche Ziel der Köpenicker: natürlich die Liga zu halten, klar. Darüber hinaus hätte der 1. FC Union am liebsten seine 22.000 Fans zurück im Stadion An der Alten Försterei - trotz Corona. Der Verein hat vor nicht allzu langer ein Konzept vorgestellt, in dem Fans im Vorfeld einer jeden Partie getestet werden könnten. "Wir haben es ganz bewusst Leitidee genannt, weil wir damit einen Prozess eröffnen wollen, über neue Lösungen nachzudenken", sagt Unions Präsident Dirk Zingler über das Projekt.

Zunächst können aber auch die Eisernen nur mit einer bestimmten Anzahl von Zuschauern planen - beim Testspiel-Sieg zuletzt gegen den 1. FC Nürnberg durften 4.500 Fans ins Stadion. Das Fazit fiel positiv aus: Die anwesenden Unioner hielten sich an die Abstände, aber nicht beim Singen zurück. Es wehte durchaus ein emotionaler Hauch von früher durch die Heimspielstätte der Köpenicker und über die Tribünen - Generalprobe geglückt. Ob es sportlich dann auch im ersten Pflichtspiel der Saison funktioniert, wird sich am Wochenende zeigen - dann muss Union in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Karlsruher SC ran.

Sendung: rbb UM6, 10.09.2020, 18:00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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