Alba Berlins Kapitän Niels Giffey (links) hängt seinem Cheftrainer Aito Garcia Reneses nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft am 28.06.20 in München gegen Ludwigsburg die Siegermedaille um (Quelle: imago images / BBL-Foto).
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Teamcheck | Alba Berlin vor dem Saisonstart - Alter Coach, altes Glück?

Es war das Ende einer titellosen Zeit - und die vorläufige Krönung der Ära Aito: In der vergangenen Saison holte Alba Berlin das Double. Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Zu Recht? Ein Teamcheck zum Saisonstart. Von J. Mohren und U. Zahavi

So lief die vergangene Saison

In einem Wort: triumphal. Alba gewann im Februar, noch vor den eigenen frenetischen Fans, den Pokal und legte beim Corona-Turnier um die deutsche Meisterschaft im Juni nach. Der Doublegewinn bedeutete jedoch viel mehr als nur Trophäen und Anerkennung: Es war der Sieg über ein Trauma. Das Durchbrechen eines Fluches. Unter Coach Aito Garcia Reneses hatten die Albatrosse vor dem Pokalsieg in drei unterschiedlichen Wettbewerben in insgesamt fünf (!) Endspielen gestanden und sie allesamt verloren. Immer wieder scheiterten die Hauptstädter am letzten, am entscheidenden Schritt. Die vergangene Saison machte aus einer sympathischen "Final-Vergeiger-Truppe" endlich Gewinner.

Erstmals seit 2016 holte Alba den Pokal nach Hause. Erstmals seit 2008 den Meistertitel. Wichtig war in der vergangenen Saison aber nicht nur das Wann, sondern auch das Wie. Alba marschierte, ach, walzte durch das Corona-Meisterschaftsturnier in München. Ungeschlagen krönte man sich zur besten Mannschaft Deutschlands. Einzig in der Euroleague gerieten die Albatrosse regelmäßig ins Schwimmen - zum Zeitpunkt des Abbruchs waren die Chancen auf ein Weiterkommen in der Vorrunde nur noch minimal.

Der Trainer

War, ist und bleibt wohl der wichtigste Erfolgsbaustein im Gebilde Alba Berlins. Ob Coach Aito seinen Vertrag verlängern würde, stand nach Ende der vergangenen Saison in den Sternen. Lange ließ der 73-jährige Spanier Fans und Verein zittern, bevor Ende August seine Vertragsverlängerung offiziell gemacht wurde. Doch nicht alles wird bleiben, wie es war: Co-Trainer Israel Gonzalez verlängerte nicht nur ebenfalls seinen Vertrag, er stieg zum sogenannten "Associated Headcoach" auf. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich folgende Veränderung: Gonzalez steigt zu Reneses' Stellvertreter auf. Gonzalez wird den Altmeister wohl vor allem auf Auswärtsreisen vertreten, die nicht mehr unbedingt dessen Anwesenheit verlangen.

Nichtsdestotrotz hatte die Vertragsverlängerung Aitos Signalwirkung - auch für die zahlreichen Neuzugänge. Der Berliner Junge und deutsche Nationalspieler Maodo Lo verzichtete auf Geld, auch, um sich unter Aito entwickeln zu können. Jayson Granger, 31-jähriger Guard vom spanischen Meister Vitoria, freut sich "immer noch etwas vom Trainer zu lernen". Zur Einordnung: Granger hat 148 Euroleague-Spiel auf dem Buckel, ist also nicht unbedingt ein Greenhorn im internationalen Basketball. Zurück zu Aito und seinem "Associated Headcoach" Israel Gonzalez. Vieles deutet darauf hin, dass Letztgenannter unter Anleitung seines Mentors langsam zum Cheftrainer aufgebaut wird.

Wer kommt, wer geht?

Kurz zusammengefasst: Umbruch ja, Neustart nein. Albas Kader hat sich im Sommer - anders als in den Vorjahren - zwar auf zahlreichen Positionen verändert. Sechs Spieler haben den Albatrossen adé gesagt. Fünf neue sind dafür gekommen. Doch trotz dieses personellen Einschnitts können die Berliner wie an der Bande auch auf dem Parkett weiter auf wichtige Wortführer bauen. "Die gute Nachricht und auch die wichtigste Sache für mich ist, dass der Kern des Teams um zum Beispiel Luke Sikma, Nils Giffey, Peyton Siva und Marcus Eriksson erhalten geblieben ist", sagte Sportdirektor Himar Ojeda im rbb|24-Interview.

Die - teils prominenten - Abgänge heißen Rokas Giedraitis, Landry Nnoko, Martin Hermannsson, Tyler Cavanaugh, Kenneth Ogbe und Makai Maison. Doch es geht nicht nur Qualität - es kommt auch neue hinzu. Bei der Nachbesetzung hat Alba auf dem Transfermarkt keinesfalls nur gekleckert, sondern durchaus geklotzt. Die Einkaufspolitik des Double-Siegers hat sich verändert - und ist Zeugnis der Entwicklung der vergangenen Jahre. Maodo Lo (vorher Bayern München) oder Jayson Granger kennen die Euroleague aus dem EffEff.

"Sonst waren die meisten unserer Neuzugänge Spieler, bei denen wir auf die Zukunft gehofft und auf deren Entwicklung wir gesetzt haben", sagte Ojeda. Nun sei es "eine Kombination aus Spielern, die schon Erfahrung auf einem hohen Level gesammelt haben und solchen, von denen wir glauben, dass sie sich weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen werden." Zur zweiten Kategorie zählen Flügelspieler Simone Fontecchio, Forward Louis Olinde und Ben Lammers, der auf der Centerposition spielt. Auf der klafft bei den Berlinern nach dem Nnoko-Abgang noch die größte qualitative Lücke. Sicher scheint: Shevon Thompson - als Testspieler seit Anfang September beim Team - wird sie nicht schließen können.

Erwartungen an die Saison

Weiter, immer weiter! Alba hat in den vergangenen Jahren unter Aito Garcia Reneses mit einem jungen, talentierten Team erst den schönen Basketball in der Hauptstadt etabliert - und diesen nun auch noch mit Titeln gekrönt. Die Folge? "Wir gehen jetzt natürlich mit den höchstmöglichen Lorbeeren in die neue Saison", sagte Geschäftsführer Marco Baldi im rbb|24-Interview. Oder anders ausgedrückt: Die Messlatte liegt verdammt hoch.

In der Liga kann es nur erneut darum gehen, um beide Titel zu kämpfen - und sie im Idealfall auch zu verteidigen. Schritte nach vorne soll es auf dem europäischen Parkett geben. In der Euroleague "möchten wir versuchen zu lernen, ein paar mehr Spiele zu gewinnen", sagte Sportdirektor Ojeda - und schränkte gleich ein: "Man kann nichts garantieren, denn das halbe Team ist neu."

Dieses - menschlich, vor allem aber spielerisch - schnell zur bekannten Alba-Einheit zu formen, ist große Herausforderung in der neuen Saison. Center Johannes Thiemann ist optimistisch. "Natürlich hatten wir die eine oder andere Verletzung. Aber wir hatten trotzdem eine gute Vorbereitung und sind jetzt ready, wieder anzugreifen", sagte jüngst im rbb|24 -Interview. Den ersten Beweis können sie am Donnerstag (20:05 Uhr) in der Euroleague bei Maccabi Tel Aviv antreten.

Beitrag von Uri Zahavi und Johannes Mohren

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