Elias Nerlich, E-Sportler bei Hertha BSC. Quelle: Twitter/Elias Nerlich
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E-Sportler Elias Nerlich - Der Mann mit der Rückennummer 97 bei Hertha

Elias Nerlich ist E-Sportler bei Hertha BSC. In der virtuellen Bundesliga misst er sich mit Deutschlands besten Fifa-Spielern an der Konsole. Im Internet schauen ihm dabei Tausende zu. Jetzt bietet Hertha sogar Merchandise von ihm im Fanshop an. Von Jonas Bürgener

Hin und wieder laufen einem in Berlin Matheus Cunha oder Dodi Lukebakio über den Weg. Wohl noch öfter trifft man Thomas Müller oder Lionel Messi – vornehmlich im Jugendalter und mit verdreckten Knien. Denn natürlich ist nicht von den Topstars aus der schillernden Profi-Fußball-Welt die Rede, sondern von Amateuren, die auf den Sportplätzen Berlins stolz die Trikots mit den Namen ihrer Idole auf dem Rücken tragen.

In Zukunft könnte man in der Hauptstadt auch auf Elias Nerlich treffen. Den kennt der gemeine Bundesliga-Fan noch nicht. Der 22-Jährige ist E-Sportler bei Hertha BSC. Und der erste Spieler, dessen Verein seinen Namen im Fanshop auf Trikots drucken lässt. Kurz nach der Bekanntgabe, dass Fans sich ihr Trikot mit Nerlichs Künstlernamen "Eligella" und der Nummer 97 beflocken lassen können, krachte der Online-Shop der Charlottenburger zusammen und war vorübergehend nicht erreichbar.

"Es wurde immer gesagt: E-Sports, das interessiert die Leute nicht"

"Das ist schon besonders. Es ist das erste Mal, dass ein Nicht-Fußballprofi als Trikotname im Verkauf ist", sagt Elias Nerlich, Kapitän von Herthas E-Sportlern, mit hörbarem Stolz. Auf Twitter schrieb er "Mama ich hab's geschafft" unter ein Foto, das ihn in seinem Trikot mit der Rückennummer 97 zeigt. Er sieht sich und E-Sports im Allgemeinen bestätigt: "Häufig war zu hören: E-Sports, das interessiert die Leute doch nicht. Zum Glück sieht Hertha BSC das anders. Dass das Trikot dann so oft gekauft wurde, ist natürlich eine coole Sache", sagt er.

Insgesamt sei der Hype um seine Person in den letzten Monaten deutlich angestiegen. In den sozialen Medien hat er zehntausende Fans, die auch seine Ergebnisse, die er im Online-Videospiel Fifa an der Konsole erzielt, genauestens verfolgen. Doch nicht nur im Internet, wenn er in der virtuellen Fußball-Bundesliga antritt, ist Nerlich mittlerweile ein kleiner Star. Auch auf der Straße erkennen ihn immer mehr Menschen. "Teilweise fahren die Leute extra an die Orte, an denen ich mich aufhalte. Sie fragen nach Fotos. In den sozialen Netzwerken wollen sie ständig wissen: Wo ist Eli? Wir wollen Eli sehen", beschreibt Nerlich das Leben als erfolgreicher E-Sportler.

Echte Fußball-Profis sind seine Freunde

Und auch die Spieler, die er normalerweise an der Konsole steuert, kommen immer häufiger auf ihn zu, wollen sich mit ihm über das auch in der Blase der Fußballprofis beliebte Online-Fußballspiel austauschen. Mit Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha ist er befreundet, mit Sidney Friede, ehemaliger Jugendspieler bei den Blau-Weißen und heute in der ersten slowakischen Liga aktiv, war er vor kurzem sogar im Urlaub.

Gezockt wird dann aber nicht. In seiner Freizeit möchte Nerlich mit Fifa nichts am Hut haben. Sondern lieber abschalten. Schließlich ist E-Sports sein Beruf. Wenn ein neues Spiel auf den Markt kommt, spielt er mit seinen Team-Kollegen fünf bis sechs Stunden täglich, um die neuen Mechanismen des Spiels zu verstehen und zu verinnerlichen. Vor dem Start der neuen Saison im November gibt es mehrere "Bootcamps", in denen noch intensiver trainiert wird.

"Wir haben ganz normale Arbeitstage. Sieben bis acht Stunden am Tag - wie in einem normalen Job", sagt Nerlich. Ein Großteil seiner Arbeit liegt aber auch abseits des virtuellen Spielfelds. In den sozialen Medien vermarktet er sich, den Klub und seine Sponsoren. Das große Ziel ist, die Reichweite im Internet zu erhöhen. Davon profitiert auch Hertha BSC - als Gesamtverein, nicht nur in der E-Sports-Abteilung. Und Nerlich? Der kann nach eigenen Angaben "sehr, sehr gut von E-Sports leben".

Bremen dominiert, Fürth und Bochum oben dabei

Sportlich möchte er mit Hertha in dieser Saison in die Playoffs - also unter die ersten 16 der "Virtual Bundesliga". Der große Favorit ist Werder Bremen, bislang dominieren die Bremer die zugegebenermaßen noch junge Liga. In der Saison 2018/19 wurde die Klubwertung eingeführt - seitdem konnte Werder die Liga beide Male gewinnen. Aber auch Mannschaften wie Greuther Fürth oder der VfL Bochum sind in der virtuellen Bundesliga gut vertreten.

Viele Fußball-Vereine haben erkannt, dass E-Sports einen Markt bietet, über den sie vor allem junge Menschen und Fans erreichen können und steigen auch deshalb in die Branche ein. Gut möglich also, dass man schon bald noch mehr Fans in Trikots von E-Sportlern trifft - nicht nur von Nerlich, und nicht nur in Berlin.

Beitrag von Jonas Bürgener

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