Starter beim Berlin-Marathon 2019. Quelle: imago images/Camera 4
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Rückblick | Marathon in Nicht-Corona-Zeiten - Von Weltrekorden und einer Million Plastikbechern

Normalerweise laufen am letzten September-Wochenende Zehntausende durch die Straßen der Hauptstadt. In diesem Jahr muss der Berlin-Marathon coronabedingt in einer etwas anderen Form stattfinden. Wir blicken trotzdem auf eine ganz besondere Historie zurück.

Der Weltrekord

2:01:39 Stunden. So die magische Zeit, in der der Kenianer Eliud Kipchoge 2018 in Berlin einen neuen Weltrekord im Marathon aufstellte. Natürlich in Berlin, muss man schon fast sagen. Denn die jüngsten sieben Weltrekorde (bis 2003 Weltbestzeit, seitdem gibt es den offiziellen Weltrekord) wurden in der Hauptstadt gelaufen. Die Strecke ist flach und gilt deshalb als die schnellste der Welt. 2003 kam Kipchoges Landsmann Paul Tergat in einer Zeit von 2:04:55 Stunden ins Ziel. Es war das erste Mal, dass ein Mensch die knapp 42 Kilometer unter 2:05 Stunden lief.

Eliud Kipchoge feiert 2018 seinen Weltrekord. Quelle: imago images/Camera 4
Weltrekord! Eliud Kipchoge feiert 2018 die neue Bestmarke, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller klatscht Beifall. | Bild: imago images/Camera 4

Kipchoge verbesserte 2018 die Zeit von Dennis Kimetto (ebenfalls Kenianer), der 2014 in 2:02:57 Stunden ins Ziel gekommen war. Im vergangenen Jahr musste Kipchoge lange Zeit zittern, es sah so aus, als würde sein Weltrekord bereits im Folgejahr gebrochen werden. Am Ende verpasste der Äthiopier Kenenisa Bekele die Bestmarke nur um zwei Sekunden.

Die Historie

1974 fand der erste Berliner Volksmarathon statt. Start und Ziel waren damals am Mommsenstadion im Westend, das Rennen verlief auf einer Pendelstrecke durch den Grunewald. 286 Teilnehmer wurden für den Lauf gemeldet, 244 von ihnen erreichten das Ziel. Günter Hellas beendete das Rennen als erster nach 2:44:53 Stunden.

Im Anschluss entwickelte sich der Berlin-Marathon schnell zum Massenereignis: Bereits Anfang der 1980er Jahre nahmen mehr als 3.000 Menschen an dem Lauf teil, die Strecke wurde ins Stadtzentrum verlegt – Start und Ziel waren auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude. 1990, drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, erreichte der Berlin-Marathon den nächsten Meilenstein. Erstmals wurde das damalige Teilnehmerlimit von 25.000 Menschen erreicht, zum ersten Mal führte die Strecke durch das Brandenburger Tor und auch die Liveübertragung des Events im Fernsehen feierte Premiere. In den Folgejahren wurde Deutschlands größter Marathon immer mehr erweitert – 2002 gab es beispielsweise das erste Rennen der Inline-Skater, die seitdem am Samstag vor dem Lauf das Event eröffnen.

Ein Läufer beim Berlin-Marathon wirft einen Becker in eine Mülltonne. Quelle: imago images/Stefan Zeitz
Am Ende muss aufgeräumt werden: Knapp eine Millionen Trinkbecher werden beim Berlin-Marathon verbraucht. | Bild: imago images/Stefan Zeitz

Die Zahlen

Rund eine Million Zuschauer, dieselbe Anzahl an Trinkbechern, 10.000 Joghurt-Drinks, 145.000 Bananen, 80.000 Kekse und 45.000 Äpfel – für knapp 47.000 Läufer. Beeindruckende Zahlen, die das Ausmaß des Berlin-Marathons widerspiegeln. 2019 nahmen so viele Menschen wie nie zuvor am Lauf teil. Für die Veranstalter bedeutet das einen organisatorischen Aufwand, der sich fast ein ganzes Jahr hinzieht. Wenn der eine Marathon beendet ist, beginnen bereits die Planungen für den nächsten. 2021 soll der Berlin-Marathon wieder regulär ausgetragen werden – vorausgesetzt die Situation rund um die Pandemie lässt es zu. Läufer, die ursprünglich für dieses Jahr einen Startplatz hatten, haben ihren Platz auch für das nächste Jahr sicher – 85 Prozent der Starter haben von diesem Recht Gebrauch gemacht. Für die restlichen Startplätze kann man sich ab Ende Oktober bewerben.

Der 71-jährige Wilfried Köhnke bei seinem Lauftraining in Berlin-Lankwitz
Rekordmann: Wilfried Köhnke lief den Berlin-Marathon bereits 44 Mal. | Bild: rbb|24/Daniel Tautz

Der Rekord-Mann

46. Mal fand der Berlin-Marathon bislang statt – 44 Mal war Wilfried Köhnke dabei. Der mittlerweile 72-Jährige ist damit absoluter Rekordhalter. 1975, ein Jahr nach der Premiere, ging Köhnke das erste Mal an den Start. 1982 musste er verletzt aussetzen – sonst war er bei jedem Marathon in der Hauptstadt dabei und hat den Wandel genauestens verfolgen können. "Mit der Größe der Veranstaltung ist auch der sportliche Wettkampf-Charakter verloren gegangen", sagte Köhnke vergangenes Jahr im rbb|24-Interview. "Keine Frage, ich find’s toll, dass Läufer aus aller Welt in Berlin zusammenkommen. Aber der Marathon hier ist mittlerweile mehr zum Massen-Event geworden, bei dem es vor allem um hohe Teilnehmerzahlen geht."

Sendung: rbb Sport-Livestream, 27.09.20, 8:55 Uhr

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