Interview | Alexander Barta, Spielervereinigung Eishockey - "Es geht darum, dass wir Spieler auch eine Stimme bekommen"

Archivbild: Düsseldorfer EG, im Bild Alexander BARTA. (Quelle: imago images/M. Fischer)
Bild: imago images/M. Fischer

Eishockeyspieler Alexander Barta ist Gründungsmitglied der neuen Spielervereinigung Eishockey. Im Interview erzählt der Berliner, inwiefern die Corona-Krise zur deren Gründung beigetragen hat und warum eine Eisbären-Legende ihr ein Gesicht geben könnte.

rbb|24: Herr Barta, Sie spielen schon seit 2016 in Düsseldorf, sind aber gebürtiger Berliner. Haben Sie die verlängerte Vorbereitungszeit auf die neue Saison genutzt, um Ihrer Heimat mal wieder einen Besuch abzustatten?

Alexander Barta: Ja, weil ich in Berlin gerade in meinem Elternhaus im Wedding das Dach ausbaue. Deswegen bin ich weiterhin regelmäßig in Berlin, um die Fortschritte auf der Baustelle zu beobachten.

Sie arbeiten momentan auch noch an einem anderen großen Projekt: Sie sind Gründungsmitglied der Spielervereinigung Eishockey (SVE), die gerade erst gegründet wurde. Welche Ziele verfolgt die Spielergewerkschaft genau?

Wir wollen das deutsche Eishockey fördern und unterstützen und erreichen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Spielern, den Vereinen und der Liga besser wird. Wir wollen, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden und die Nachwuchsspieler gefördert werden. Es geht darum, dass wir Spieler auch eine Stimme bekommen und wir bei gewissen Dingen, die jedes Jahr in der Liga anfallen, auch mal Gehör bekommen und nicht immer alles rein von der Liga entschieden wird - und wir im Grunde genommen nie nach einer Meinung gefragt werden.

Inwiefern hat die Corona-Krise dafür gesorgt, dass es jetzt voranging mit der Gewerkschaftsgründung - beziehungsweise hat die Krise gezeigt, dass es so eine Interessenvertretung für die Spieler dringend braucht?

Auf jeden Fall. So eine Spielergewerkschaft ist eigentlich schon seit Jahren immer wieder Thema gewesen. Aber letztendlich wurde es nie umgesetzt. Deswegen freuen wir uns jetzt, dass es endlich passiert ist - und natürlich hat die Corona-Krise auch ihren Anteil dazu beigetragen. Weil wir gesehen haben, dass - als die Liga auf uns zukam und uns so ein bisschen die Pistole auf die Brust gesetzt hat mit dem Gehaltsverzicht - ja eigentlich alles schon entschieden war, ohne uns angehört zu haben. Da haben wir gesagt, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das wirklich mal in die Hand zu nehmen. Jetzt stehen wir am Anfang und brauchen natürlich Mitglieder. Umso mehr Spieler dabei sind, desto größer wird natürlich auch unsere Stimme. Es gibt uns ja jetzt erst eine knappe Woche. Wir hoffen natürlich, dass wir von allen Seiten unterstützt werden. Bisher hat sich auch noch keiner negativ geäußert, sondern wir haben nur positives Feedback erhalten.

Wie sind Sie denn Teil dieser Spielergewerkschaft geworden?

Ich war als Vereinsvertreter der Düsseldorfer EG schon bei den Meetings mit der Liga dabei. Irgendwann ist Mo (Moritz Müller, 1. Vorsitzender, Anm. d. Red.) auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht Gründungsmitglied sein möchte, weil ich ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und lange in der Nationalmannschaft gespielt habe. Dann habe ich 'Ja' gesagt, denn man kann ja nicht immer nur reden und wenn es dazu kommt sagen: 'Es geht mich alles nichts an'. Deswegen freut es mich natürlich, dass alles geklappt hat und ich eines der acht Gründungsmitglieder bin.

Ist die Gewerkschaft denn seit der Gründung schon gewachsen?

Nein, wir fangen jetzt in dieser Woche und verstärkt in der nächsten Woche an, Spieler einzusammeln. Wir haben schon etliche Gespräche geführt, Sponsoren an Land gezogen. Es wird am Logo und an der Internetseite gearbeitet. Da gehören ja ein paar Sachen dazu, die zu tun sind. Wir sind aber bisher auf einem guten Weg.

Sie haben den Gehaltsverzicht gerade schon angesprochen. Die Deutsche Eishockey Liga hat diesen Schritt zur Bedingung für die Klubs gemacht, um die Lizenz zu erhalten. Wie stehen Sie und die Gewerkschaft dazu?

Dass irgendwas gemacht werden musste, war klar. Für uns Spieler war die Art und Weise nicht in Ordnung: dass man das aus der Presse erfahren muss. Im Grunde genommen ist nur mit uns gesprochen worden, weil sie gemerkt haben, dass die Spieler untereinander reden. Wir haben auch gewisse Punkte angesprochen, zum Beispiel, ob die Lizensierung zu dem Zeitpunkt durchgeführt werden musste. In den Lizenzunterlagen wurden nur 15 Prozent Zuschauerverlust einberechnet, obwohl man noch gar nicht wusste, ob das reicht. Aber uns wurde die Pistole auf die Brust gesetzt, auf 25 Prozent Gehalt zu verzichten und alles ist in Ordnung.

Auch das Thema Auf- und Abstieg spielte eine Rolle. Wir Spieler haben damals gesagt, warum nehmen wir dieses Jahr nicht als Übergangsjahr, wie es zum Beispiel in der Schweiz gemacht wird. Dass kein Verein mehr Spieler verpflichtet, sondern die Kader mit Nachwuchsspielern oder Spielern aus der 2. Liga aufgefüllt werden. Davon hätte das deutsche Eishockey sehr viel gehabt, weil der ein oder andere deutsche Spieler die Chance bekommen hätte, die er unter normalen Umständen nicht bekommen hätte.

Ob die Saison wirklich am 13. November startet, kann derzeit noch keiner sagen. Falls ja, dürfte es gerade für die Hallensportart Eishockey schwierig werden, Zuschauer zuzulassen. Vor allem so viele, dass es sich wirtschaftlich für die Vereine lohnt. Geisterspiele können sich aber auch nur die wenigsten leisten. Wird es also überhaupt eine Saison 2020/2021 geben - und was wenn nicht?

Ob es eine Saison 2020/2021 gibt, steht in den Sternen. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sich mit Geisterspielen beschäftigen und prüfen muss, was jeder Verein individuell braucht. Mit uns Spielern wurde noch nicht gesprochen, auf wie viel Gehalt wir verzichten würden. Es wäre jammerschade, wenn wir kein Saisonspiel in diesem Jahr hätten. Ich hoffe immer noch, dass wir eine Lösung finden - ob mit oder ohne Zuschauer - denn ich glaube, es wäre eine mittlere Katastrophe, wenn sie Saison komplett ausfallen würde.

Die Spielervereinigung ist noch auf der Suche nach einem Geschäftsführer, der ihr ein Gesicht geben soll. Was muss diese Person mitbringen? Gibt es schon konkrete Kandidaten für diese Aufgabe?

Es gibt konkrete Kandidaten, die ich natürlich nicht verraten werde. Es wird kein aktiver, sondern ein ehemaliger Spieler sein. Er muss Zeit und Lust haben, sich gut verkaufen können und einfach zu uns passen.

Aus ihrer Zeit in Berlin kennen sie Sven Felski noch sehr gut. Erfahrung als Geschäftsführer hat er von seiner Tätigkeit bei den Eisbären Juniors. Wäre jemand wie er ein Kandidat?

Ja, natürlich ist Felle immer ein Kandidat für sowas, weil er schon eine gewisse Zeit raus ist und trotzdem immer noch im Eishockey aktiv ist. Er hat mehr oder weniger alles erlebt, war sehr erfolgreich und hat ein gutes Standing bei den Spielern. Natürlich ist das auch eine Überlegung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport.

 

Sendung: Inforadio, 31.08.2020, 11:15 Uhr

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