Die Spieler von Viktoria Berlin jubeln (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Fünfter Sieg in Folge - Wie Viktoria Berlin in die Dritte Liga will

Seit Jahren träumt Viktoria Berlin vom Profifußball. Nach einem perfekten Start sind die Himmelblauen Spitzenreiter der Regionalliga. Das ist nicht der einzige Grund, warum es in dieser Saison endlich mit dem Aufstieg klappen könnte. Von Till Oppermann

"Rocco, Rocco, Rocco", hallt es nach dem Regionalliga-Derby zwischen Tennis Borussia und Viktoria Berlin aus dem Gästeblock durchs Mommsenstadion. Ungefähr ein Dutzend Fans der Himmelblauen bejubelt den Sportdirektor Rocco Teichmann, der in diesem Moment auf der anderen Seite des Platzes seine Spieler abklatscht. Denn der Zopfträger hat es seit seiner Vertragsverlängerung im März geschafft, den Lichterfeldern einen Kader zu basteln, der in dieser Saison um den direkten Drittligaaufstieg mitspielen kann. Das 2:1 in Charlottenburg ist der fünfte Sieg im fünften Spiel der laufenden Saison.

Rocco Teichmann (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann.Bild: imago images/Matthias Koch

Gegen TeBe tut sich Viktoria schwer

Trotzdem ist Trainer Benedetto Muzzicato nach Abpfiff alles andere als zufrieden mit der Performance seiner Mannschaft. Zwar freue man sich über die tolle Punkteausbeute, aber: "über diese Leistung werden wir auf jeden Fall intensiver sprechen." Tatsächlich tut sich seine Viktoria an diesem sonnigen Nachmittag gegen aggressive Borussen schwer. Denn obwohl der Aufsteiger vor der Saison seinen Etat im Vergleich zur vergangenen Fünftligasaison sogar noch senken musste, begegnen sie ihren Gästen ebenbürtig. Im Vorfeld der Partie hatte Muzzicato genau davor gewarnt: "Viele Mannschaften werden jetzt anders gegen uns auftreten." Am Sonntag versuchen beide Teams, ihren Gegner hoch zu pressen, nach Ballgewinnen spielen sie auf direktem Weg flach nach vorne. Nach der zweiten gefährlichen Ecke köpft TeBe-Innenverteidiger Thomas Franke in der siebten Minute das 1:0.

Zum Ärger des Viktoria-Trainers: Sofort diktiert der seinen Spielern wild gestikulierend einige taktische Änderungen und tatsächlich rücken die Flügelverteidiger Mattis Daube und Yannis Becker jetzt deutlich weiter nach vorne, anstatt sich zu tief neben die Dreierkette fallen zu lassen. Sofort bekommt Viktoria Zugriff auf die Partie, erspielt sich einen ersten Abschluss und gleicht dann in der 13. Minute aus. Eine direkte Folge von Muzzicatos Eingreifen, denn seine Mannschaft kombiniert sehenswert von der rechten auf die linke Seite und spielt schließlich eiskalt Becker frei, der sich im Rücken des TeBe-Außenverteidigers Youssef Sakran davonschleicht und den Ausgleich markiert.

Ein Investor macht Viktoria zum Auftiegskandidaten

In diesem Moment blitzt die Klasse der Viktoria-Mannschaft auf. Erst unter der Woche formulierte Sportdirektor Teichmann erneut das klare Ziel des Vereins: Der Aufstieg in die dritte Liga. Dafür ist in diesem Jahr nicht einmal die Relegation nötig, denn der Meister der Nordost-Staffel steigt direkt auf. Und streckenweise hält die Muzzicato-Elf diesem Anspruch auch an diesem Sonntag stand - die technischen Fähigkeiten der Spieler haben jedenfalls wenig mit Amateurfußball zu tun. Hinzu kommt eine klare Verbesserung. In der letzten Spielzeit erzielte Viktoria bis nach dem vorzeitigen Saisonende nach 21 Spielen nur 20 Tore. Obwohl die Offensivabteilung um den ehemaligen aserbaidschanischen Nationalstürmer Pardis Fardjad-Azad am Sonntag bis zur Halbzeit mehrere klare Chancen liegen lässt, stehen in diesem Jahr nach fünf Partien bereits zehn Tore zu Buche.

Genau hier setzte Teichmann bei seiner Kaderplanung an. So kam unter anderem der gefährliche Finne Kimmo Hovi vom Ligarivalen Fürstenwalde. Er erzielte bereits zwei Tore. Sein Sturmpartner Fardjad-Azad – dessen Vertrag nur verlängert wurde, weil er sich während der Pandemie-Pause in einen hervorragenden körperlichen Zustand gebracht hat – steht trotz der vergebenen Chancen gegen TeBe schon bei drei Treffern. Weil viele Personalfragen bereits im März und April geklärt wurden, ist die Mannschaft besonders eingespielt.

"Davon profitieren wir zu Beginn der Saison", sagt Teichmann. Dass die Viktoria in einer Zeit solide planen konnte, in der viele Ligakonkurrenten nicht wussten, wie sie die neue Saison finanzieren sollen, verdankt der Klub einem Investor. Tomislav Karajica, der sich auch beim Basketball-Bundesligisten Hamburg Towers engagiert, ermöglicht die Arbeit unter Profibedingungen. Er war es auch, der Viktoria im letztem Jahr vor der Insolvenz rettete, als ein dubioser Millionendeal mit angeblichen Investoren aus China platzte. Mit dem Hamburger ist nun ein seriöserer Gesellschafter an Bord. Sein Geld verdiente er mit dem Aufbau mehrerer profitabler Unternehmen.

Die Probleme gegen TeBe sind ein Warnschuss

Gegen TeBe kommen die Himmelblauen deutlich verbessert aus der Pause. Muzzicato scheint die Spieler eindringlich an die ambitionierten Ziele erinnert zu haben. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff erzwingt Viktoria nach einem Standard das 2:1 durch Patrick Kapp. Trotzdem bleibt das Spiel danach bis zum Schlusspfiff spannend. Denn die Gäste verpassen es, das Spiel zu entscheiden. Man habe sich das Spiel selbst schwer gemacht, bedauert Muzzicato. "Das war teilweise schon katastrophal, wie wir den Gegner durch Ballverluste und ungewohnte Fehlpässe stark gemacht haben."

Und auch der Sportdirektor mahnt: "Der Auftritt sollte die Sinne schärfen." Es könnte helfen, dass die Spieler jetzt erstmal bis Mittwoch frei haben. Danach bleibt Muzzicato immernoch genug Zeit, seine Mannschaft auf das nächste Regionalligaspiel einzuschwören. In zwei Wochen empfängt Viktoria im Stadion Lichterfelde Lichtenberg 47. Vielleicht kann dann auch Teichmanns Königstransfer ins Geschehen eingreifen. Unter der Woche verpflichtete er den 259-maligen Zweitligaspieler Bernd Nehrig. In der letzten Saison war er Kapitän des Zweitligaaufsteigers Eintracht Braunschweig. Geht es nach den Lichterfeldern, darf er dieses Jahr den nächsten Aufstieg feiern.

Sendung: Abendschau, 06.09.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Collage: Andreas Luthe 1. FC Union Berlin / Rafal Gikiewicz Torwart FC Augsburg (Quelle: imago images/Robin Rudel/Klaus Rainer Krieger)
imago images/Robin Rudel/Klaus Rainer Krieger

Union Berlin startet gegen Augsburg - Auftakt mit Torwarttausch

Der 1. FC Union startet mit erlaubten 4.400 Fans im Stadion an der Alten Försterei in die neue Saison. Während Unions Ex-Keeper Rafal Gikiewicz mit dem FC Augsburg zurück nach Berlin kommt, trifft sein Nachfolger ebenfalls auf seinen Ex-Verein. Von Stephanie Baczyk