Mundschutz in einem Fußballnetz
Bild: imago images / Noah Wedel

Kritik am Spielplan der Amateure - SFC Stern 1900 klagt gegen Berliner Fußball-Verband

Am 1. September präsentierte der Berliner Fußball-Verband einen Plan für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Der sieht allerdings nur eine Hinrunde vor und stößt auf heftigen Widerstand bei den Vereinen. Von Friedrich Rößler

Es koche unheimlich stark im Verein, es brodele sogar, beschreibt Bernd Fiedler, Vereinspräsident vom Steglitzer Fußball-Club (SFC) Stern 1900, die Situation in seinem Klub. "Unsere Jugend- und Mädchenabteilungen halten das alles für inakzeptabel, vor allem ohne vorherige Abstimmung oder Einzellösung." Andere Berliner Fußball-Vereine stünden hinter dem Vereinspräsidenten des SFC Stern 1900 und hätten sich ihm angeschlossen.

Bernd Fiedler hat gegen den Plan zum Wiedereinstieg in den Spielbetrieb des Berliner Fußball-Verbands (BFV) Klage beim Sportgericht eingereicht.

Am 1. September verkündete der Verband, dass unterhalb der Berlin-Liga nur eine Hinrunde für Frauen, Männer und Junioren ausgespielt werden soll. Nur drei Spiele pro Tag sind pro Sportplatz erlaubt - früher waren es 14, berichtet Fiedler. "Nach der langen Corona-Pause und den Ferien haben sich unsere Jugendmannschaften sehr auf den Saisonbeginn gefreut", erzählt der Vereinspräsident weiter. Jetzt fühle sich der Spielplan aber völlig demotivierend an. "Auf ein Punktspiel der B-Junioren folgen vier Wochen Pause und dann geht es erst weiter." Wie solle da eine Wettkampfstimmung entstehen? Wie solle da die Leidenschaft aufkommen?

Einheitliche Lösung für alle Vereine

Jan Schlüschen, Vizepräsident Recht beim BFV, kann die Empörung der einzelnen Vereine nachvollziehen, betont aber, dass "wir uns immer noch in einer Pandemie-Situation befinden und daher Einschränkungen hinnehmen müssen, verbunden mit Disziplin und Hygieneregeln." Daher sei der sogenannte "10-Punkte-Plan"[berliner-fussball.de] zum Wiedereinstieg in den Spielbetrieb eine einheitliche Lösung für alle Berliner Vereine - insbesondere auch für die kleinen, die nicht über mehrere Sportplätze verfügen.

Gegen diese einheitliche Lösung richtet sich der Protest von Bernd Fiedler. "Ich hätte mir einen kommunikativeren und kreativeren Weg gewünscht." Fiedlers Vorwurf: Der BFV hätte ohne Rücksprache mit den betreffenden Vereinen einfach entschieden. Darauf entgegnet Jan Schlüschen, dass sein Verband sich mit den Bezirken und dem Senat abgestimmt und auch über individuelle Lösung beraten hätte. "Wenn aber alle spielen möchten, dann kann es nur eine einheitliche Lösung geben."

Situation kleinerer Vereine ignoriert?

Zwar gäbe es die Möglichkeit, Sportanlagen mit mehreren Fußballplätzen stärker auszulasten, aber in der Realität würde sich das schwierig gestalten. "Ein Verein aus Pankow, der auf einem Platz in Zehlendorf spielen müsste, hätte doch einen unnötig langen An- und Abreiseweg", argumentiert Schlüschen. Der Zehn-Punkte-Plan solle vor allem die kleinen Vereine schützen, damit alle Klubs wieder am Spielbetrieb teilnehmen könnten.

Allerdings ist das ein zweiter Kritikpunkt Fiedlers: "Der BFV wirkt so, als ob er die kleinen Vereine und deren Nöte völlig ignoriert." Neben der fehlenden Abstimmung bemängelt der SFC-Präsident vor allem die wirtschaftlichen Aspekte. Mitglieder würden zum Beispiel ihre Beiträge bei nur halbem Spielbetrieb nicht mehr zahlen wollen, die Gastronomie rund um die Sportanlagen käme völlig zum Erliegen. "Eins ist klar, die Regelung mit so wenigen Spieltagen muss weg."

Gerichtstermin am Donnerstag

Fiedler zweifelt allein schon die juristische Grundlage der Entscheidung an. "Da der BFV erst seit letzter Woche einen vollständigen Beirat gewählt hat, wäre der Beschluss vom 1. September ohne gewählten Beirat gar nicht möglich gewesen."

Am Donnerstag wird der Fall verhandelt - Fiedler hofft auf eine Korrektur des Beschlusses. Falls seine Klage abgewiesen werden sollte, will der Vereinspräsident von Stern 1900 vor das Verbandsgericht ziehen.

Sendung: Inforadio, 16.09.2020,10:00 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

1 Kommentar

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  1. 1.

    Kinder sind wieder die Verlierer. Erwachsene Profis dürfen kicken und deren Fans wieder ins Stadion. Kinderfußballer bleiben außen vor. Wie wäre es, das Olympiastadion oder die Alte Försterei in der spielfreien Zeit den Amateuren solidarisch zur Verfügung zu stellen? Undenkbar! So schaut es eben aus: alle reden vom Kindeswohl, vom Bildungsnotstand oder Bewegungsmangel - aber wenn es darauf ankommt werden zuerst Schulen, Sporthallen und Sportplätze geschlossen bzw. zuletzt wieder geöffnet.
    Anstatt einer zentralistischen Regelungswut sollten die Vereine selbst über Hygieneregeln entscheiden. Die sind kreativer und agiler als ein schwerfälliger (Alt)-Herren Verband.

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