Zuschauertribüne im Borussia-Park von Mönchengladbach beim Pokalspiel gegen Oberneuland (imago images)
Bild: imago images

Fans noch zögerlich - Ticketverkauf in Bundesliga läuft während Corona teils schleppend

Fast elftausend Zuschauer dürfen am Samstag zum Union-Gastspiel in Mönchengladbach in den Borussia-Park kommen. Doch der Kartenverkauf stockte. Die Erklärungsansätze sind vielfältig. Und auch bei den Eisernen gibt es in Sachen Ticketvergabe noch Ziele.

"Ich muss leider sagen, dass noch Karten erhältlich sind. Wir merken wie in allen Stadien, dass die Fans noch zögerlich sind", sagte Stephan Schippers, Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach im Vorfeld der Bundesligapartie gegen den 1. FC Union Berlin am Samstag.

10.800 Tickets waren verfügbar, also jene 20 Prozent der Gesamtkapazität des Borussia-Parks, auf die sich das Gros der Bundesländer testweise geeinigt hatte. 9.200 Tickets sind bis Mittwoch verkauft worden. Das ist insofern überraschend, als dass die Borussia vor Corona bei einem Zuschauerschnitt von knapp 50.000 pro Heimspiel lag.

Zögerliche Borussen

Auch deshalb hatte sich der Verein für die Ticketvergabe gegen Union etwas Besonderes überlegt. So sollten zunächst die 30.000 Dauerkarteninhaber, dann die 94.000 Vereinsmitglieder ein Vorkaufsrecht auf die Tickets erhalten. Doch wider Erwarten ging ein Teil der Karten anschließend in den freien Verkauf. Dass auch der stockt, erklärt sich Mönchengladbachs Stephan Schippers wie folgt: "Das ist das erste Spiel nach dieser Phase. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich mit den Berichten der Zuschauer mehr tun wird." Noch hätten viele Fans "vielleicht etwas Respekt".

Ähnlich argumentierte auch Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer, der im Interview mit dem rbb sagte: "Ich kann in keinen Menschen hineingucken. Aber wenn irgendwer sagt, dass ihm das zu risikoreich ist, kann ich das verstehen. Wenn jemand sagt: "Ich bin heiß drauf, aber mir ist das zu gefährlich", dann sage ich: "Ich wäre anders, aber ich verstehe dich." Weil wir jetzt innerhalb dieses halben Jahres alle mitbekommen haben, dass mit dem Virus nicht zu spaßen ist."

Keine Probleme bei der Hertha

Erstaunlich am Beispiel von Borussia Mönchengladbach ist, dass es einen Einzelfall darstellt. So schrieb Hertha BSC auf eine rbb-Anfrage: "Bei dem aktuellen Kontingent von rund 4.000 Karten haben wir keine Probleme mit den Bewerbungen um Karten. Es konnten sich Dauerkarteninhaber, die gleichzeitig Mitglied sind, bewerben. Das sind etwa 9.000 Personen. Sollte die Erweiterung auf 20 Prozent der Kapazität in der Berliner Pandemieverordnung verankert werden, dann werden wir den Bewerberkreis natürlich erweitern. Dann werden wir neue Erfahrungen sammeln."

Der Berliner Senat hatte die Corona-Verordnung wegen der steigenden Infektionszahlen in der Hauptstadt nicht geändert, so dass es weiter bei der Höchstgrenze von 5.000 Stadion-Besuchern einschließlich der Teams, aller Offizieller, Sicherheitskräfte und Medienvertreter bleibt. Mit der 20 Prozent-Regel, auf die sich die Länder für eine Testphase eigentlich geeinigt hatten, könnten wieder 14.895 Fans im 74.475 Zuschauer fassenden Olympiastadion sein.

Union arbeitet an Verbesserung

Auch beim 1. FC Union Berlin war die Nachfrage zumindest ausreichend. So sagte Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation, im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag und in Rückblick auf das Heimspiel gegen den FC Augsburg: "Jetzt hatten wir das Problem, die wenigen Tickets loszuwerden, ehrlicherweise nicht." Dennoch sei die Ticketvergabe derzeit ein steter Lernprozess. So wolle man versuchen, befreundeten Ticketinhabern zu ermöglichen, die Spiele trotz Losverfahren für die einzelnen Plätze künftig wieder nebeneinander zu verfolgen.

In Mönchengladbach wird das beim Spiel gegen Union noch nicht möglich sein. Auch zwischen Ticketinhabern aus einem gemeinsamen Haushalt müssen jeweils drei freie Sitzplätze liegen. So sieht es das Hygienekonzept des Vereins vor. Zudem sollen die 450 Ordner (so viele wie im Regelbetrieb) der Borussia darauf achten, dass die Zuschauer jederzeit, also auch am Sitzplatz, einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Sollte das Konzept aufgehen, hoffen sie in Mönchengladbach mittelfristig auf eine höhere Zuschauerkapazität. Aber, so Geschäftsführer Schippers: "Zu 20.000 kommt man nur über 10.000 und 15.000.“ Ganz ähnlich sieht es auch Herthas Geschäftsführer Sport, Michael Preetz: "Man sammelt jetzt Erfahrungen. Der Weg zu einem wieder vollen Olympiastadion führt über wenige Zuschauer."

Sendung: rbb UM6, 24.09.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

1 Kommentar

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  1. 1.

    Draußen an der frischen Luft 5 m Abstand und dann noch eine Maske tragen, diesen Irrsinn werde ich mit Sicherheit nicht mitmachen.
    Auf was für bekloppte Ideen man kommt, wenn man von Angst gepeinigt wird.

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