Hertha-Trainer Bruno Labbadia gibt Stürmer Matheus Cunha Anweisungen. / imago images/Contrast
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Fünf Thesen vor dem Hertha-Start - Über Neu-Marcelinhos und Bald-Nationalspieler

Eigentlich kann es - nach rumpeliger Vorbereitung - nur besser werden bei Hertha BSC. Doch noch scheint völlig unklar, wohin der Klub steuert. Wir haben in Zeiten der Ungewissheit fünf Thesen, was die neue Saison für die Alte Dame bringen könnte. Von M. Ehlers und I. Behnisch

1. Matheus Cunha wird der neue Marcelinho

Noch steht Matheus Cunha im Schatten von Marcelinho und das nicht nur in Sachen farbenfroher Frisuren. Sieben Scorerpunkte in elf Spielen sind für den 21-jährigen U-Nationalspieler Brasiliens im Trikot von Hertha BSC bisher verbucht. Sein Landsmann Marcelinho, seinerzeit eine der herausragenden Offensivkräfte der Bundesliga überhaupt, kam in seinen ersten elf Partien für die Alte Dame auf einen Scorerpunkt mehr.

Aber er hatte es auch leichter, der heute 45-Jährige. Denn als er im Sommer 2001 aus Marseille in die Hauptstadt wechselte, war Hertha gerade auf Tabellenplatz fünf gelandet. Matheus Cunha hingegen kam Anfang 2020 zu einer Mannschaft, die sich im erweiterten Abstiegskampf befand.

Umso beeindruckender, mit welcher Unbekümmertheit der Ex-Leipziger sogleich auftrumpfte. Dass er trotzdem Meter macht, macht ihn selbst im inzwischen deutlich aufgewerteten Hertha-Kader zu dem Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.

2. Jordan Torunarigha wird A-Nationalspieler

Er ist schnell, groß und so gut am Ball, dass er nicht nur in der Innenverteidigung, sondern auch als Linksverteidiger mit Offensivdrang eingesetzt werden kann. Eigentlich also ist Jordan Torunarigha so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau aller Defensiv-Träume. Wenn da nicht dieser jugendliche Leichtsinn wäre, der ihn in der Vergangenheit immer wieder hinter die Erwartungen zurückwarf.

Doch es besteht Hoffnung, schließlich ist noch kein Weltmeister vom Berliner Himmel gefallen. Man frage nach bei Jerome Boateng, in dessen Anfangsjahren noch allzu häufig das Wort "Lapsus" unterkam. Abwehrspiel ist eben oft Erfahrungssache und davon konnte Jordan Torunarigha in der Rückrunde der vergangenen Saison reichlich sammeln. In 15 von 17 Partien stand er über 90 Minuten auf dem Platz. Und machte seine Sache zunehmend fehlerlos. Wohin das führt? Man frage nach bei Jerome Boateng!

3. Bruno Labbadia setzt trotz Windhorst-Millionen auch auf die Jugend

Wer wissen will, ob Bruno Labbadia Talente entwickeln kann, muss nur nach London schauen. Denn beim FC Chelsea spielen inzwischen zwei, die nicht nur deutsche Nationalspieler sind, sondern einst beim VfB Stuttgart unter Bruno Labbadia ihr Profidebüt gaben: Timo Werner (als 17-Jähriger) und Antonio Rüdiger (als 18-Jähriger).

Talente hatte der Hertha-Nachwuchs in der Vergangenheit genügend hervorgebracht. Allein, die Bundesligamannschaft machte davon nur wenig nachhaltig Gebrauch. Unter Labbadia soll sich das ändern, trotz der Windhorst-Millionen. Und der Trainer hat "Bock" drauf, wie er gleich zu Beginn seiner Amtszeit sagte: "Wenn man sich die letzten Stationen von uns (dem Trainerteam, Anm. d. Red.) anschaut, kann man immer zwei, drei Spieler nennen, die teilweise sogar Nationalspieler geworden sind."

Vielleicht können dieser Reihe ja demnächst noch ein paar Namen hinzugefügt werden. Etwa der von Arne Maier. Der mittlerweile 21-Jährige gilt schließlich als hochbegabt, gleichwohl seine Entwicklung zuletzt etwas stagnierte. Auch Jessic Ngankam kann sich berechtige Hoffnungen auf einen Karrierepush machen. Labbadia zeigte sich schon häufig angetan von der Durchsetzungsfähigkeit des Stürmers.

4. Es herrscht ein Mangel an Führungsspielern

Die jüngsten Testspiele haben wenig Mut gemacht. Die Pleiten gegen Eindhoven, Ajax Amsterdam und sogar den Hamburger SV zeigten, wie sehr es Hertha an einer zentralen Achse und einer funktionierenden Hierarchie fehlt. Kein Wunder, immerhin haben zwei zentrale Führungsspieler Berlin verlassen. Während es Per Skjelbred zurück in die norwegische Heimat zog, sah man für Vedad Ibisevic keine Verwendung mehr. Schließlich ist der Bosnier mittlerweile 36 Jahre alt und längst nicht mehr auf dem Zenit seiner sportlichen Schaffenskraft. Oder anders gesagt: Immer noch gut genug für Schalke 04.

Doch mit dem Abgang der beiden Leitwölfe ist die Hierarchie in der Hertha-Mannschaft ins Wanken geraten. Es fehlen Spieler, die vorangehen, jüngeren Kollegen den Weg weisen und auch in Krisenzeiten für ein intaktes Gefüge sorgen. Labbadia hofft zwar, dass der ein oder andere jüngere Spieler in eine verantwortungsvolle Rolle hineinwachsen wird. Von heute auf morgen geht das allerdings nicht. Immerhin: der Transfermarkt ist noch geöffnet.

5. Peter Pekarik setzt sich wieder durch

Zugegeben, eine allzu gewagte These ist das nicht. Schließlich ist Pekarik seit nunmehr acht Jahren im blau-weißen Trikot unterwegs und hat sich stets durchgesetzt. Nicht durch laute Forderungen und öffentlichkeitswirksames Gestänker, sondern so, wie er es am besten kann: solide, fleißig, zuverlässig.

Ohnehin scheint es zwischen Labbadia und Pekarik zu stimmen. Denn während das Triumvirat der Ex-Trainer, bestehen aus Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri, wenig mit dem 33-Jährigen anfangen konnte, kehrte der Slowake zum Ende der Saison wieder in die Stammelf zurück. Und wahrscheinlich wird er dort auch bleiben.

Sendung: rbb24, 11.09.2020, 13 Uhr

Beitrag von Mathias Ehlers und Ilja Behnisch

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