Hertha-Trainer Bruno Labbadia applaudiert (Quelle: dpa/Carmen Jaspersen)
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Interview | Hertha-Trainer Labbadia nach dem Sieg in Bremen - "Man hat gemerkt, dass es den Spielern einfach gutgetan hat"

Nach dem Sieg in Bremen zum Bundesliga-Auftakt ist die Stimmung bei Hertha BSC gelöst. Trainer Bruno Labbadia spricht im Interview über die Stimmung bei der Rückreise, die Defensivleistung seines Teams und die Qual der Wahl im Sturm.

rbb|24: Nach dem Pokalspiel gab es jede Menge Fragezeichen vor dem Bundesliga-Start. Hängt für Sie und die Mannschaft nach dem klaren 4:1-Sieg in Bremen - übertrieben gesagt - der Himmel voller Geigen?

Bruno Labbadia: Also, so schnell geht es nicht. [lacht] Man sollte diesen Hype nicht mitmachen. Ich glaube, wir können sehr sachlich damit umgehen. Wir haben gestern eine gute geschlossene Mannschaftsleistung von uns gesehen und verdient gewonnen. Wir haben aber gleichzeitig auch viele Dinge gesehen, die wir noch besser machen müssen, um diesen Schritt zu machen, den wir auf Dauer machen wollen. Aber es war auf alle Fälle ein wichtiger Sieg. Am Anfang der Saison nützt es natürlich sehr. Vor allem, wenn man wie wir gerade im Aufbau einer Mannschaft ist, bedeutet das sehr, sehr viel.

Wie war denn die Stimmung in der Kabine und auf der Rückreise?

Man hat schon gemerkt, dass es den Spielern einfach gutgetan hat. Das ist aber ganz normal. Wir sind in der Findungsphase. Wir haben viele Leute abgegeben und noch nicht so viele geholt. Wir haben entscheidende Spieler aus der Achse verloren. Da ist natürlich auch immer eine Unsicherheit dabei. Wer übernimmt die Position? In welcher Situation ist man nach der Vorbereitung? Es sind viele Fragen, die aber nicht nur wir uns stellen, sondern auch alle anderen Mannschaften. Nur bei uns ist es speziell, durch die vielen Abgänge. Deswegen tut es einfach sehr gut. Die Stimmung war gelöst. Ich habe es der Mannschaft heute auch schon gesagt: Es gibt keinen Ersatz für Siege. Das ist einfach so. Da geht es einem einfach besser. Es beeinflusst unser Leben und deswegen haben wir natürlich heute einen guten Tag, das ist keine Frage.

Nach dem Braunschweig-Spiel wurde vor allem die Defensive viel kritisiert. Wie sind Sie denn am Samstag mit er Abwehr zufrieden gewesen? Das war ja eigentlich so etwas wie ein Prunkstück.

Wenn Sie mir vor Braunschweig gesagt hätten, dass wir in der Defensive ein Problem haben, hätte ich gesagt, das glaube ich nicht, weil ich finde, dass wir da ordentlich aufgestellt sind. Man muss ja dazusagen, dass wir in Braunschweig einfach extrem viele individuelle Fehler gemacht haben, weniger mannschaftstaktische Fehler. Das heißt, wenn wir über die Abwehr reden, müssen wir eher über einzelne Spieler reden und das betraf verschiedene Spieler. Deswegen war mir jetzt nicht bange, dass wir da so weitermachen. Das war ein Tag, den ich sehr selten erlebt habe - dass jeder Schuss ein Treffer ist und jeder Fehler von uns auch ausgenutzt wird. Deswegen bin ich damit sehr sachlich umgegangen, aber habe es natürlich auch klar angesprochen. Und sie haben es richtig gesagt: Gestern war es - wie auch bei der gesamten Mannschaft - eine richtig gute Leistung von der Defensive. Aber auch da habe ich natürlich noch Dinge gesehen, die wir besser machen müssen.

Die Hertha-Stürmer Matheus Cunha und Krzysztof Piatek (Quelle:imago images/Metodi Popow)Gehen gemeinsam auf Torejagd: Die Stürmer Krzysztof Piatek (links) und Matheus Cunha.

Ist es für einen Trainer ein Privileg, bei so vielen guten Angreifern die Qual der Wahl zu haben? Oder birgt es auch die Gefahr, dass es Unzufriedenheiten gibt, weil man ja auch welche auf der Bank lassen muss?

Ich bin eigentlich überrascht, wie schnell sich das Blatt wendet. Vor zwei Wochen vor dem Spiel gegen Braunschweig, hatten wir genau da Probleme und haben in der Vorbereitung nicht genug getroffen. Da hieß es die ganze Zeit, wir sind in der Offensive nicht gut genug. Jetzt haben wir mal ein paar Tore gemacht und sind gleich überbesetzt. Das ist das Interessante an dem Job. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir sehr sachlich damit umgehen, in die eine wie auch in die andere Richtung. Das war in Ordnung, was die Offensive gestern gemacht hat. Aber auch da habe ich so viele Dinge gesehen, die wir einfach noch klarer ausspielen müssen. Da gibt es noch viel Arbeit. Nominell ist es nicht so, dass wir einen Überfluss in der Offensive haben. Gegen Bremen haben wir mit zwei echten Spitzen und einem dahinter gespielt. Letzte Woche haben wir mit drei Spitzen gespielt. Ich mache mir keinen Kopf drüber, ob da ein Problem entstehen könnte. Wir brauchen einen gesunden Konkurrenzkampf, um auch besser zu werden.

Als zur Übertreibung neigender Journalist sage ich mal, dass Sie am nächsten Freitag für eine Nacht Tabellenführer sein können.

Ich habe nichts dagegen. [lacht] Aber weniger, was den Tabellenplatz anbetrifft: Wenn wir, wir Tabellenführer wären, hätten wir beide Spiele gewonnen. Das wäre natürlich super für uns, keine Frage. Da müssen wir auch nicht tiefstapeln. Wir haben ein interessantes Spiel vor der Brust. Eintracht Frankfurt spielt auch einen interessanten Fußball. Wir freuen uns darauf. Aber der Tabellenplatz spielt momentan keine große Rolle.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jörg Hellwig, rbb Sport.

Sendung: rbb UM6, 20.09.2020, 18 Uhr

6 Kommentare

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  1. 3.

    Davon war in dem ganzen Artikel nicht die Rede. Also was soll Ihr Kommentar. Stänkern können Sie auch wo anders.

  2. 2.

    Ich denke trotzdem dass wir noch einen gleichwertigen Cunha und Boyota Ersatz brauchen, falls die mal ausfallen, die sind nämlich essentiell fürs neue geile Hertha Spiel.

  3. 1.

    Ein Spiel gewonnen und sie sind die größten!!!

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