Bruno Labbadia und Jhon Cordoba (imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 25.09.2020 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images/Matthias Koch

Hertha vor Heimspiel-Premiere gegen Eintracht Frankfurt - Piatek oder Cordoba? Labbadia setzt aufs Bauchgefühl

Dass Hertha BSC beim 4:1 in Bremen ein derartiges Offensiv-Feuerwerk abbrennen würde, war nach der holprigen Vorbereitung nicht zu erwarten. Wer gegen Eintracht Frankfurt im Sturm aufläuft, ist allerdings noch offen. Von Astrid Kretschmer

Das Personal

Bis auf Flügelspieler Javairo Dilrosun, der an Oberschenkelproblemen leidet, und Mittelfeldmann Santiago Ascacibar, der zu Beginn der Woche wieder ins Mannschaftstraining einstieg, sind alle Hertha-Profis fit. Bereits im Mai hatte sich Ascacibar den Mittelfuß gebrochen. "Er ist früher als gedacht zurückgekehrt," erklärte Labbadia. Jetzt gelte es für den Argentinier, "daß er endlich in den Rhythmus kommt."

Die Heim-Premiere des Neu-Berliners Jhon Cordoba scheint dagegen nicht in Gefahr. Der vor neun Tagen für 15 Millionen Euro Ablöse aus Köln geholte Stürmer hatte im Training in einem Zweikampf einen Ellenbogen an der Schläfe abbekommen und die Einheit abgebrochen.

Die Form

Zwei Spiele, acht Tore. Die ersten beiden Pflichtspiele haben gezeigt, dass die Offensive ganz klar der Trumpf von Hertha BSC ist. Mit Matheus Cunha, Dodi Lukebakio, Krysztof Piatek und dem neu verpflichteten Jhon Cordoba haben sich die Berliner in der jüngeren Vergangenheit ordentlich Qualität geholt. Außerdem scheint das gegen Bremen praktizierte Spielsystem (4-1-2-1-2 mit Raute ohne Flügelspieler) den Stärken der Offensiv-Spielern entgegenzukommen. "Es ist gut, dass die Stürmer in den letzten beiden Spielen so oft getroffen haben", sagte Trainer Bruno Labbadia. "Wir haben unterschiedliche Stürmertypen, die uns erlauben, sehr flexibel im Angriff zu sein."

Die Defensive ist mit Dedryck Boyata (in dieser Woche zum neuen Kapitän gewählt) und Jordan Torunarigha ebenfalls kein Schwachpunkt mehr. Die Stamm-Innenverteidiger gaben in Bremen deutlich mehr Stabilität, als das Duo Karim Rekik und Niklas Stark in Braunschweig. Dank ihnen hatten die vier Treffer von Pekarik, Lukebakio, Cunha und Cordoba diese Mal auch zum Sieg gereicht. Gegen Frankfurt will die Labbadia-Elf nun den Rückenwind nutzen und den nächsten Dreier einfahren. "Der gute Start hilft uns, weil es wichtig ist, dass man gut in die Saison kommt", so der Hertha-Coach. "Frankfurt ist ein Gegner, den wir schlagen wollen, aber auch ein Gegner, der uns alles abverlangen wird." Vergangene Saison holte Frankfurt vier Punkte gegen Hertha (2:2 und 4:1 )

Beim 1:4 Mitte Juni kassierte Labbadia seine erste und bislang einzige Heimniederlage in Diensten der Berliner. In der Rolle des Favoriten sieht der Hesse, der mehrere Eintracht-Fans unter seinen acht Geschwistern hat, sein Team indes nicht. "Die Eintracht stand in den letzten zwei Jahren zweimal im Pokalfinale und einmal im Europa-League-Halbfinale. Sie hat sich in den letzten Jahren sehr stabil gezeigt", betonte Labbadia, der ein "kampfbetontes und intensives Spiel" erwartet.

Der Gegner

Die Gäste aus Frankfurt sind ziemlich ernüchternd in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Gegen den Aufsteiger Arminia Bielefeld musste sich die Eintracht vor heimischen Publikum beim 1:1 mit nur einem Punkt zufrieden geben. Insgesamt fehlte den Hessen im Spiel nach vorne Tempo, Kreativität und Durchschlagskraft gegen gut verteidigende Arminen. In Berlin bedarf es zweifelsohne einer Leistungssteigerung. Trainer Adi Hütter hofft, "das die letzte Spritzigkeit und Dynamik, die noch gefehlt haben, zurückkommen."

Der Sieg vom Juni bei Hertha sei eine schöne Erinnerung, aber "am Freitag erwartet uns ein ganz anderes Spiel", so der Coach. Die Stärken der Berliner sieht Hütter in ihren Offensivqualitäten. "Sie haben richtig Speed nach vorne." Zudem seien sie offensiv sehr flexibel mit Piatek oder Cordoba", warnt Adi Hütter. Personell sind alle an Bord. Einzig Evan Ndicka fällt nach wie vor aus.

Herthaner im Fokus

Cordoba oder Piatek – wer stürmt in vorderster Reihe in der Startelf? Labbadia wird sich vermutlich erst am Spieltag entscheiden.

Neuzugang Cordoba, der in Bremen als Joker überzeugte und getroffen hat, oder Krzysztof Piatek, der in Bremen an die Latte köpfte und ob seiner Auswechselung gegen Cordoba alles andere als amused war. Nur einer der beiden wird neben den aktuell gesetzten Dodi Lukebakio und Matheus Cunha beginnen.

"Jhon kann viele Dinge noch nicht verinnerlicht haben, die wir mit den anderen seit Monaten trainiert haben", sagt Labbadia über den vor neun Tagen verpflichteten Kolumbianer. Aber für ihn sprächen "seine körperliche Präsenz, seine Torgefährlichkeit." Es gebe "ein paar Dinge, die sprechen dafür, ein paar dagegen", meint Labbadia und will am Spieltag dem eigenen Bauchgefühl vertrauen: "Das muß man abwägen, inwieweit er alle Abläufe kennt. Das ist eine Gefühlssache."

Besonderheiten

Zum ersten Mal in Zeiten der Corona-Pandemie sind wieder Fans im Olympiastadion dabei. Insgesamt sind 5000 laut Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin zugelassen, 4000 werden Karteninhaber sein. "Wir finden es wunderbar, dass wir das erste Mal nach vielen Monaten wieder vor einigen Zuschauer spielen können", sagte Manager Michael Preetz.

Der Berliner Senat hatte seine Verordnung in dieser Woche nicht modifiziert, angesichts der steigenden Infektionszahlen. Rund 20 Prozent Auslastung wäre laut einer vor einer Woche auf Bundesebene beschlossenen Testphase möglich gewesen. Was bei Hertha knapp 15.000 Besuchern entspricht.

Es sei "völlig in Ordnung, dass es 5000 sind und nicht die mögliche 20-Prozent-Kapazität zu diesem Zeitpunkt", kommentierte Preetz. "Die Gesundheit aller Stadionbesucher steht absolut im Vordergrund. Wir gehen völlig d`accord mit der Entscheidung der örtlichen Behörden. Der Weg zu einem irgendwann wieder vollen Olympiastadion führt über wenige Zuschauer, das haben wir immer gesagt."

 

Sendung: rbb24, 24.09.2020, 21:45 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Also kein S-Bahn, U-Bahn fahren, kein Einkaufen, kein Restaurantbesuch, keine Party usw. ? Jeder kann dafür Sorgen, dass die Gesundheit von anderen und auch von einen selbst nicht gefährdet ist. Leider haben es viele immer noch nicht geschnallt ( wie halte ich genügend Abstand, wie trage ich eine Gesichtsmaske (ohne das die Nase frei ist) !

  2. 1.

    Wenn tatsächlich für immer die Gesundheit aller im Vordergrund stehen soll, dürfte nie wieder ein Stadion eröffnet werden.

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