Hertha-Manager Michael Preetz (Quelle: imago images/MIS)
Inforadio | 18.09.2020 | Interview mit Michael Preetz | Bild: imago images/MIS

Interview | Hertha-Manager Michael Preetz vor dem Bundesliga-Start - "Der Auftritt im Pokal hallt bis heute nach"

Frühes Pokal-Aus und Testspiel-Pleiten: Vor dem Bundesliga-Start am Samstag sind die Voraussetzungen für Hertha alles andere als gut. Manager Michael Preetz spricht im rbb-Interview über Führungsspieler, weitere Transfers und die Rückkehr der Zuschauer.

rbb|24: Herr Preetz, den Corona-Restart im deutschen Fußball kann man als geglückt bezeichnen. Ist die Bundesliga aus Ihrer Sicht schon über den Berg?

Michael Preetz: Ganz sicher nicht. Das Virus ist leider nach wie vor präsent und unter uns. Wir haben immer noch eine Pandemielage. Das heißt, dass wir weiterhin sehr sorgfältig mit dieser Situation umgehen, so wie wir es in den letzten Wochen und Monaten glaube ich vorbildlich hinbekommen haben. Wir werden sicherlich auch zukünftig gefragt sein, das weiterhin so umzusetzen.

Beim Weg zurück zur Normalität sind jetzt auch endlich wieder Zuschauer im Stadion zugelassen. Es werden natürlich trotzdem keine 50.000 im Olympiastadion sein. Was braucht es für Hertha BSC, damit man aus so einem Spieltag möglichst nicht mit einer roten Zahl rausgeht?

Ich glaube, es macht überhaupt gar keinen Sinn, an dieser Stelle eine wirtschaftliche Betrachtung anzustellen. Das wird natürlich nicht funktionieren. Es ist klar, dass wir bei dem, was wir bisher haben - 5.000 Zuschauer oder möglicherweise eine zwanzigprozentige Auslastung - nicht wirtschaftlich operieren können. Aber wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass es grundsätzlich wieder möglich ist, dass Zuschauer Bundesligaspiele besuchen und wir wieder ein Stück weit eine Rückkehr zur Normalität haben.

Wir haben das schon frühzeitig gesagt: Wir glauben, dass der Weg zurück zu einem Normalszenario oder zu vielen Zuschauern eben über den Beginn mit wenigen Zuschauern geht. Insofern haben wir auch schon vor den jüngsten Entwicklungen gesagt, dass wir auch für die Zuschauerzahl, die die Verordnung in Berlin zulässt, bereit sind. Wir hoffen natürlich, dass die Verordnung auch zeitnah daran angepasst wird, was die Länder untereinander vereinbart haben. Wir wären dann auch für eine Kapazität von 20 Prozent im ersten Schritt vorbereitet.

Hertha BSC ist auch auf der Suche nach einem neuen Trikotsponsor. Beim Vorgänger Tedi sprach man von fünf bis siebeneinhalb Millionen Euro. Inwiefern hat der fehlende Trikotsponsor Einfluss auf die Möglichkeiten, die der Verein auf dem Transfermarkt hat?

Da gibt es jetzt keinen unmittelbaren Zusammenhang. Es ist ja bekannt, dass Tedi mit der Bitte auf uns zugekommen ist, ein Jahr früher aus diesem Engagement auszusteigen - auch aus nachvollziehbaren Gründen, weil dieses Unternehmen in der Corona-Phase leiden musste. Wir haben Vereinbarungen getroffen und ich möchte an dieser Stelle auch nochmal sagen, dass wir eine wunderbare Zeit mit dem Unternehmen gehabt haben. Jetzt sind wir offen für Neues, führen einige Gespräche und hoffen sehr, dass wir in der nächsten Zeit einen Nachfolgepartner präsentieren können.

Hertha ist in der guten Lage, dass man mit Lars Windhorst einen Investor hat, der finanzielle Probleme durch seine Investition natürlich ein bisschen auffängt. Inwiefern ist es für Sie auf dem Transfermarkt vielleicht auch ein Stück weit schwieriger geworden, weil die Konkurrenz natürlich weiß, dass Hertha BSC finanzielle Mittel hat?

Es ist klar, dass wir das spüren, bei ganz vielen Anrufen, die wir tätigen, aber auch bei vielen Telefonaten, in die wir verwickelt werden. Die Nachfrage ist da deutlich anders, das ist ganz klar. Aber es sind eben auch die Möglichkeiten, die andere sind. Wir versuchen, sie sorgfältig einzusetzen. Es ist insgesamt eine sehr komplizierte Transferphase. Das hat natürlich viel mit der Pandemie zu tun, weil es Auswirkungen an jedem einzelnen Standort hat. Wir müssen sehr genau abwägen, wo wir mit unseren Mitteln hingehen. Positiv ist natürlich, dass wir mehr Mittel zur Verfügung haben, als wir das üblicherweise gewohnt sind.

Trainer Bruno Labbadia hat in der Vorbereitung immer wieder gesagt, es müssten sich eine neue Achse und auch neue Führungsspieler finden. War es vielleicht ein Fehler, Spieler wie Vedad Ibisevic, Salomon Kalou oder Per Skjelbred in diesem Sommer gemeinsam gehen zu lassen?

Nein, das glaube ich nicht. Das war der richtige Zeitpunkt, Veränderungen bei Spielern einzuleiten, die ohne Frage in den letzten Jahren große Verdienste um Hertha BSC hatten. Alle drei haben einen wesentlichen Einfluss gehabt und waren prägende Gesichter dieses Klubs. Aber sie sind natürlich auch im Tiefherbst ihrer Karriere und können nicht die Zukunft von Hertha BSC sein. Vor diesem Hintergrund haben wir uns auch für die Trennungen entschieden. Ich denke, das sollte man an dieser Stelle vielleicht nicht vergessen. Wir haben ja auch Nachbesetzungen vorgenommen, die sicherlich Spieler sind, die ihre Qualitäten auch auf früheren Stationen nachgewiesen haben. Im Prinzip haben wir diesen Prozess im Winter eingeleitet, als wir mit Matheus Cunha quasi schon den Nachfolger von Salomon Kalou präsentiert haben und mit Krzysztof Piatek den Nachfolger von Vedad Ibisevic. Da sind wir sozusagen schon auf Sicht gefahren. Wir haben jetzt im Sommer nochmal versucht, zusätzliche Qualität in den Kader zu holen und werden sicherlich auch in den nächsten drei verbleibenden Wochen des Transferfensters eng am Markt sein und möglicherweise auch noch das ein oder andere machen.

Der Saisonstart verlief mit der Niederlage im DFB-Pokal bei Zweitligist Eintracht Braunschweig alles andere als optimal. Welche Spieler sind denn jetzt vielleicht auch gefordert - gerade, wenn wir über das Thema Führungskräfte sprechen?

Erstmal ist glaube ich jeder Spieler gefordert, der auf dem Platz steht oder im Aufgebot ist. Am Ende ist Fußball ein Teamsport und es geht nur gemeinsam. Ich glaube, es ist auch sehr viel über die Achse, die sich neu ausbilden muss, diskutiert worden. Meine Erfahrung ist, dass in der Regel dort, wo Räume entstehen, andere Spieler auch reinstoßen. Man muss den Jungs aber sicherlich auch ein bisschen Zeit geben. Das geht nicht von heute auf morgen. Das ist eine Rolle, in die man reinwächst. Das wird ein bisschen Zeit brauchen, aber diese Achse wird sich ausbilden.

Neben dem Pokal-Aus verlief die Vorbereitung generell holprig. Zeigt das, dass es vielleicht auch ein eher holpriger Saisonstart für Hertha BSC wird?

Wenn man die Vorbereitung zu Grunde legt, sind die Voraussetzungen nicht optimal. Insbesondere natürlich der Auftritt im Pokalwettbewerb tut weh. Das hallt auch nach bis heute, das ist keine Frage. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf den Auftakt. Die Bundesliga öffnet wieder ihre Pforten, wir dürfen wieder um Punkte kämpfen. Die Spieler sind froh, dass die harte Zeit der Vorbereitung vorbei ist. Aber natürlich wird ab Samstag auch abgerechnet, so wie immer in der Bundesliga. Ich hoffe natürlich sehr, dass wir uns deutlich steigern - mindestens zu der Defensivleistung von Braunschweig, denn das war viel zu wenig - und an das anknüpfen können, was wir verheißungsvoll in der Offensive gezeigt haben.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Worauf freuen Sie sich in Bezug auf die Spielzeit 2020/2021?

Ich hoffe sehr, dass es uns allen gemeinsam gelingt, in dieser jetzt vor uns liegenden Spielzeit auch die Pandemie überwinden zu können und wieder zu einem normalen Leben zurückzukehren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jakob Rüger, rbb Sport. Sie können das Gespräch über einen Klick ins Titelbild nachhören.

Sendung: Inforadio, 18.09.2020, 6:15 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ich finde Preetz macht mittlerweile ein sehr guten Job. Dass ab Dezember, ein weiterer fähiger Mann dazu kommen wird finde ich klasse. Windhorst ist übrigens auch klasse, weiter so!

  2. 3.

    Solange Herr Preetz für das sportliche verantwortlich ist, wird sich der Verein nicht positiv entwickeln. Hertha hat derzeit keine Mannschaft. Es sind nur Einzelspieler auf dem Platz, das hat das Spiel gegen Braunschweig schmerzhaft gezeigt und dafür ist nur Herr Preetz verantwortlich

  3. 1.

    Es klingt doch vernünftig und besonnen, was Michael Preetz sagt, mir gefällt die Bedächtigkeit auf dem Transfermarkt, die das Gegenteil von Geldverschwendung ist.
    Als Fehler sehe ich aber, die, auch mentalen, Stützen des Team "verschenkt" zu haben. Einen Ibisevic, aber auch Kalou hätte man für die Transition zu einer neuen
    Mannschaft gebrauchen können, bzw. hätten sie als Alternativen in schweren Zeiten dem Team helfen können. Schade!
    Ansonsten: Wird schon gut gehen, hahohe!

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