Union-Neuzugang Taiwo Awoniyi (imago images)
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Union Berlin vor Partie in Gladbach - Mit Awoniyi und Courage

Der Bundesliga-Auftakt war nichts aus Sicht des 1. FC Union: gegen Augsburg verlor man mit 1:3. Trainer Urs Fischer wünscht sich in Gladbach mehr Konsequenz im Spiel gegen den Ball - und schickt vorne wohl Neuzugang Taiwo Awoniyi ins Rennen. Von Stephanie Baczyk

Das Personal

Coach Urs Fischer jongliert nicht mit Zahlen oder Prozenten oder wilden Diagrammen, verrät aber, dass Max Kruse "sicher einen Schritt weiter als noch letzte Woche" ist und weitere Trainingseinheiten schmerzfrei absolviert hat. Der technisch versierte und spielerisch starke 32-Jährige – am vergangenen Spieltag gegen den FC Augsburg Mitte der zweiten Hälfte eingewechselt – sei "auf einem guten Weg", so Fischer. "Ich glaube schon, dass man gesehen hat, dass er der Mannschaft nochmals helfen kann, dass er Impulse setzen kann. Das löst ja dann auch beim Gegner ein bisschen was aus, wenn Kruse auf dem Platz ist."

Die volle Kruse-Power ist für den Oktober angepeilt, gegen seinen Ex-Klub Gladbach reicht es für den Neu-Unioner noch nur für einen Einsatz von der Bank aus. Stürmer Anthony Ujah und Mittelfeld-Leader Christian Gentner fallen dagegen gänzlich für die Partie aus – Gentner hatte sich beim Auftakt gegen Augsburg ohne Fremdeinwirkung an der Wade verletzt und fehlt dem Team die nächsten Wochen. "Er ist so ein bisschen ein Chef auf dem Platz, der den unerfahrenen Spielern eben auch helfen kann", weiß Trainer Fischer. "Er wird uns sicher fehlen, aber es gilt, ihn gemeinsam zu ersetzen."

Die Form

Ein bisschen ernüchternd war sie schon, die Niederlage im ersten Saisonspiel gegen den FC Augsburg. Gerade, weil die Eisernen die wenigen Chancen des Gegners – die wiederrum zu Toren führten – nicht konsequent genug verteidigten. Das Team zu wenig Druck auf den Gegner und individuelle Fehler machte. "Solche Fehlerketten, wie wir bei den Gegentoren hatten gegen Augsburg, dürfen nicht geschehen", macht Fischer deutlich. "Weil das nutzen dann wirklich die Mannschaften in der ersten Liga konsequent aus."

"Wir dürfen nicht so leichte Gegentore bekommen", weiß auch Linksverteidiger Christopher Lenz, der wie Max Kruse mit Borussia Mönchengladbach auf seinen Ex-Klub trifft. "In der ersten Halbzeit waren wir zu schlampig und ungenau im letzten Drittel, wenn wir uns dann mal hinten raus gespielt haben, in die nächste Linie und aufrücken wollten – da haben wir den Ball direkt verloren. Das darf uns halt nicht passieren, denn Gladbach ist brutal spielstark."

Der Gegner

Womit wir bei den Borussen wären. Die haben es geschafft, ihre Mannschaft – gespickt mit technisch versierten und kreativen Spielern – zusammenzuhalten und peilen auch in dieser Saison einen Platz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, an. "Also auch für dieses Wochenende gilt wieder: wir brauchen ein perfektes Spiel", so Urs Fischer. "Wir wollen eklig sein, wir wollen kompakt stehen, wir wollen uns auch zutrauen, nach vorne Fußball zu spielen."

An die letzte Reise nach Gladbach, die 1:4-Niederlage nach der Corona-bedingten Pause und dem Re-Start erinnert sich der Schweizer übrigens auch noch bestens. "Joa, es war nicht nur nicht erfolgreich, es war auch nicht gut", fasst der 54-Jährige nochmals zusammen. "Uns hat der Mut gefehlt nach vorne zu verteidigen, eigentlich das, was uns bis dahin ausgezeichnet hat."

Sollte sich an der Lage in Nordrhein-Westfalen und der Corona-Entwicklung nichts mehr ändern, dürften Stand jetzt am Samstag etwas mehr als 10.000 Zuschauer im Borussia-Park dabei sein. Und die Mannschaft von Trainer Marco Rose hat auch gleich noch etwas gutzumachen – am ersten Spieltag verlor man das Spitzenduell gegen Borussia Dortmund mit 0:3.

Unioner im Fokus

Klar, die Ex-Gladbacher Max Kruse und Christopher Lenz fiebern dem Spiel bei den 'Fohlen' sicher entgegen, viel interessanter aber dürfte sein, ob Taiwo Awoniyi sein Debüt auf Seiten der Köpenicker feiern darf. Ausgeliehen vom FC Liverpool, hat der 23-Jährige Angreifer in dieser Woche seine ersten Trainingseinheiten mit dem Team absolviert und könnte am Samstag die Sturmspitze bilden.

"Er hat sich relativ schnell zurechtgefunden", so Urs Fischer. "Lernt noch ein bisschen unsere Prinzipien und unsere Automatismen kennen, aber ist er ist ein robuster Spieler, einer, der seinen Körper gut einsetzt. Und er sucht die Laufduelle, weil er wirklich auch eine gute Geschwindigkeit hat." Der in der ersten und zu Beginn der zweiten Hälfte gegen Augsburg im Sturm eingesetzte Marcus Ingvartsen tat sich zuweilen schwer, konnte als Sebastian-Andersson-Ersatz kaum Bälle festmachen.

Awoniyi kennt die Bundesliga, war in der Saison 2019/20 an den FSV Mainz 05 verliehen und erzielte für die Rheinhessen in zwölf Partien einen Treffer. "Rein vom Eindruck her ist er spielfähig", sagt Fischer. "Also somit auch ein Thema für Sonnabend."

Besonderheiten

Ein Gladbacher dürfte übrigens so richtig Bock auf das Match gegen die Köpenicker haben: Christoph Kramer ist nicht nur Profi bei den Fohlen - nein, er ist irgendwo auch riesiger Fan von Union-Legende Torsten Mattuschka. "Ich habe ihn immer schon bewundert", schwärmt Kramer im Interview mit rbb|24 vor der Partie. "Als ich in der zweiten Liga angefangen habe (2011 beim VfL Bochum, Anm. d. Red.), bestimmten Kampf und Krampf das Geschehen. Mattuschka aber war ein Spieler, der im Prinzip die Zeit angehalten hatte und einfach so schönen Fußball spielte, wie kaum ein Zweiter in der Liga."

Das Trikot bekam Kramer übrigens hochpersönlich überreicht - nach einem Spiel der beiden gegeneinander. Zitat: "Er hatte geil gespielt, hat uns einen Freistoß reingehauen und war dann auch noch wirklich richtig, richtig nett und korrekt. Wir haben ein Bierchen getrunken, dann habe ich ihn nach seinem Trikot gefragt und so ist das dann entstanden." Na denn, Prost.

Sendung: rbb Inforadio, 26.09.2020

Beitrag von Stephanie Baczyk

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