Herthaner Mathew Leckie (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 18.09.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Bernd König

Hertha BSC vor dem Bundesligastart gegen Bremen - Angstgegner zum Saisonstart

Das Pokal-Aus gegen Zweitligist Braunschweig brachte nach Träumereien von Europa eine harte Rückkehr in die Realität. Die Berliner sind längst nicht so weit, wie sie gerne wären. Das erste Bundesligaspiel wird zur Bewährungsprobe, doch Bremen ist kein gutes Pflaster. Von Jakob Rüger

Der Gegner

Für Werder Bremen war die vergangene Saison eine Spielzeit zum Vergessen. "Europapokal" wurde als Ziel ausgegeben, am Ende hatten die Hanseaten Glück, dass sie dem Bundesligaabstieg dank der Relegation entgangen sind. "Bremen ist jetzt unter dem Radar", warnt Labbadia. "Sie haben aber eine Mannschaft, die um die internationalen Plätze spielen kann." Herthas Trainer weiß, wovon er spricht. 2018 rettete sich Labbadia mit dem VfL Wolfsburg über die Relegation und schafft direkt in der anschließenden Saison den Sprung nach Europa.

Bremen ist für die Berliner kein gutes Pflaster. Die Dienstreisen an die Weser sorgten regelmäßig für Niederlagen. Hertha holte aus den letzten zwölf Gastspielen im Weserstadion nur magere drei Punkte. Der letzte Auswärtssieg datiert sogar vom 11. März 2006. Die Torschützen beim 3:0 hießen Kevin "Prince" Boateng, Marcelinho und Yildiray Bastürk - lange ist es her. Ein Bremer dürfte sich besonders auf das Spiel gegen Hertha freuen. Stürmer Davie Selke wechselte im Januar nach Bremen und würde sein schwaches erstes Halbjahr in Grün-Weiß nur zu gern mit einem Tor gegen die Berliner vergessen machen.

Die Form

Während Bremen die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal mit einem 2:0 bei Carl-Zeiss Jena löste, blamierte sich Hertha wieder einmal. Das 4:5 bei Zweitligist Eintracht Braunschweig bedeutete das Aus. Gepaart mit den schwachen Ergebnissen in der Vorbereitung sind die Stimmung und die Form schon vor dem ersten Bundesligaspiel im Keller. Hertha wartet seit vier Partien auf einen Sieg. Im Interview mit rbb|24 nahm Manager Michael Preetz die gesamte Mannschaft in die Verantwortung: "Es ist sehr viel über eine Achse gesprochen worden", so Preetz. "Da wo Räume entstehen, stoßen neue Spieler rein, aber das braucht Zeit." Soll ein Fehlstart vermieden werden, hat Hertha BSC diese Zeit aber nicht.

Personal

Trainer Bruno Labbadia kann fast aus dem Vollen schöpfen. Neben Santiago Ascacíbar fehlt lediglich Javairo Dilrosun mit Oberschenkelproblemen. So gut das klingt, am Donnerstag stand die komplette Mannschaft erstmals gemeinsam auf dem Platz. Eine ideale Vorbereitung auf Bremen sieht anders aus. Immerhin Neuzugang Jhon Cordoba ist fit und könnte eine Alternative im Sturmzentrum sein, auch wenn Labbadia die Erwartungen an den Kolumbianer dämpft: "Es ist schwer zu sagen ob es schon Sinn macht, weil er die Abläufe noch nicht kennen kann." Tendenz: Cordoba nimmt in Bremen auf der Bank Platz und darf im Verlauf des Spiels mit ersten Minuten im Hertha-Trikot rechnen.

Herthaner im Fokus

Die Freude war groß im Trainerteam, als Innenverteidiger Dedryck Boyata am Montag wieder mit der Mannschaft auf dem Platz stand. Der Belgier gilt als Führungsfigur, die Herthas Abwehr verankern soll. Trainer Labbadia setzt große Hoffnungen in Boyata, zumal sich zuletzt weder Niklas Stark noch Karim Rekik für einen Einsatz gegen Bremen empfohlen haben. Mit Boyata soll Hertha wieder die defensive Stabilität finden, die das Team nach dem Corona-Re-Start ausgezeichnet hat.

Besonderheiten

Hertha BSC hat Geld, Hertha BSC will in den internationalen Wettbewerb. Nun hat sich der Verein auch organisatorisch entsprechend aufgestellt. Carsten Schmidt wird ab dem 1. Dezember neuer CEO der Hertha-Geschäftsführung. Der ehemalige Chef des Medienunternehmens Sky wird dann der neue Vorgesetzte von Michael Preetz. Der Geschäftsführer Sport behält zwar alle Kompetenzen, ist aber Schmidt untergeordnet. Der 56-Jährige soll die Bereiche Marketing, Vertrieb, Strategie, Unternehmenskommunikation und Internationalisierung direkt verantworten und künftig bei der Hertha für Mehreinnahmen sorgen. Sportlich kann Schmidt den Berlinern in Bremen aber nicht helfen.

Sendung: rbb UM6, 17.09.2020, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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