Die Spieler der VSG Altglienicke feiern den Berliner Pokalsieg (Foto: imago images / Nordphoto)
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Altglienicke und Fürstenwalde vor dem DFB-Pokal - Die Träume der kleinen Klubs

Die Regionalligisten VSG Altglienicke und Union Fürstenwalde hoffen bei ihrer Premiere in dem Wettbewerb auf ein kleines Wunder und schauen dabei auch auf diejenigen, die es vorgemacht haben. Von Lukas Scheid

Dass ein Viertligist gezeigt hat, wie weit man im DFB-Pokal kommen kann, ist noch gar nicht lange her. Erst in der vergangenen Saison überraschte der 1. FC Saarbrücken alle, indem er gleich mehrere Bundes- und Zweitligisten rauskegelte und bis ins Halbfinale einzog. Der brandenburgische Landespokalsieger Union Fürstenwalde hofft zum Auftakt gegen den VfL Wolfsburg auf einen ähnlichen Einstand. "So ein kleines Saarbrücken-Wunder wäre schon schön", gesteht Linksaußen Darryl Geurts.

Mannschaftskollege und Mittelfeldspieler Joshua Putze findet den Vergleich zwischen Saarbrücken und Fürstenwalde allerdings schwierig und betont unterschiedliche finanzielle Hintergründe beider Vereine und die Erfahrung der Mannschaften: "Saarbrücken hat viel mehr Geld im Background und ganz andere Spieler. Wir sind größtenteils eine sehr junge Truppe und relativ unerfahren. Von daher nehmen die Erfahrung mit und wollen einfach nur Spaß haben."

Fürstenwaldes Trainer Matthias Mauksch guckt nachdenklich (Foto: imago images / Gabor Krieg)
Union-Trainer Matthias Maucksch hofft auf einen Sahnetag seiner Mannschaft

Maucksch: "Eher der Pokal der Bundesligisten"

Auch der Trainer ist da etwas realistischer. Matthias Maucksch bezweifelt, dass Europa League-Teilnehmer Wolfsburg nachlässig zu Werke gehen wird und schätzt die Chancen seiner Mannschaft als eher gering ein, will die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgeben: "Wenn Wolfsburg einen absolut schwarzen Tag erwischt und wir einen Sahnetag, besteht vielleicht eine 25 bis 30-prozentige Möglichkeit, dass wir da als Sieger vom Platz gehen."

Dass der Viertligist nicht wie üblich das Heimrecht im DFB-Pokal genießt, da die Hygienemaßnahmen für Union schlichtweg nicht umsetzbar waren, sieht der Coach als zusätzliche Schwierigkeit beim Pokaldebüt seiner Mannschaft: "Wir hätten gerne hier gespielt, aber die Maßnahmen, die vorgegeben werden, konnten wir nicht erfüllen. Deswegen ist für mich der DFB-Pokal in diesem Jahr eher der Pokal der Bundesligisten."

Vergangene Pokalwunder machen Mut

Auch die VSG Altglienicke hat das Heimrecht mit Erstrundengegner 1. FC Köln getauscht. Karsten Heine, Trainer des Berliner Pokalsiegers, sieht das allerdings keineswegs als Nachteil: "Wir würden hier in einem relativ leeren Stadion spielen. Das müssen wir auch in Köln, aber für viele Jungs ist das natürlich auch mal ein Erlebnis in so einer tollen Arena spielen zu dürfen. Und ob da keine Zuschauer sind oder hier, ist am Ende egal."

Auch die Berliner schöpfen Mut aus den Pokalüberraschungen der vergangenen Jahre, ob der SSV Ulm, der den damaligen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt in der Saison 2018/19 rauswarf oder der SC Verl, der vor einem Jahr den FC Augsburg blamierte. Unvergessen ist auch der historische 4:0-Erfolg des Berliner AK gegen Hoffenheim in der Saison 2012/13, bis heute der höchste Sieg eines Viertligisten gegen einen Bundesligisten.

Altglienicker Meyer weiß, wie man gegen die Großen trifft

Die Liste der Pokalüberraschungen ist lang und darum glaubt Altglienicker Mittelfeldspieler Linus Meyer auch an das Wunder, schließlich weiß er, wie man in großen Spielen Tore schießt. Mit Rödinghausen traf er in der zweiten Pokalrunde 2018 gegen Bayern München. Im Tor stand Nationalkeeper Manuel Neuer. "Man muss immer daran glauben, dass es möglich ist. Egal, ob da jetzt ein Nationaltorhüter steht oder ein normaler Bundesligist."

Auf den FC Köln habe sich die Mannschaft vorbereitet, wie auf jedes andere Pflichtspiel, sagt Meyer. Die Vorfreude auf dieses Spiel dürfte dennoch eine ganz andere sein: "Wir wollen das ganze Event genießen und alles aufsagen, was geht. Und dann schauen wir mal, was möglich ist."

Sendung: rbb UM6, 10.09.2020, 18 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

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1 Kommentar

  1. 1.

    Da die blöderweise nicht zu Hause spielen, ist jegliche Überraschung ausgeschlossen, das werden glatte und hohe Niederlagen.

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