Babelsbergs Daniel Frahn (m.) jubelt mit Tobias Dombrowa (l.). Quelle: imago images/Steffen Unger
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Brandenburg-Derby Babelsberg gegen Cottbus - Ruhe auf den Rängen, nicht auf dem Rasen

Wenn sich der SV Babelsberg und Energie Cottbus gegenüberstehen, kochen die Emotionen hoch. Selten kam ein Brandenburg-Derby in der Vergangenheit ohne Nebengeräusche aus. Am Sonntag wird es aber etwas anders sein. Von Andreas Friebel

rbb|24 überträgt das Spiel am Sonntag ab 13:25 Uhr im Livestream.

Viele Jahre gingen sich der SV Babelsberg und Energie Cottbus aus dem Weg. Mindestens eine Liga trennte beide Teams bis 2016. Doch als die Lausitzer in die Regionalliga abstiegen, flammte die Rivalität zwischen beiden Klubs wieder auf. Ihren Ursprung hat die in der unterschiedlichen Ausrichtung der harten Fanszene: Während es bei den Nulldreiern linke Tendenzen gibt, ist ein Teil der Cottbuser Fanszene von Rechtsradikalen unterwandert.

Im April 2017 stand das Aufeinandertreffen im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion vor dem Abbruch, weil einige Anhänger beider Fanlager auf den Platz stürmten. Im Gästeblock wurde der Hitlergruß gezeigt. Ein Jahr später gewann Cottbus das Landespokal-Finale im Karlie, die Siegerehrung musste wegen eines drohenden Platzsturms und Pyro-Einsatz der Babelsberger ausfallen. Das an diesem Sonntag keine Gästefans unter den 1.000 zugelassenen Zuschauern sein werden, sollte also einige Emotionen aus der Partie nehmen.

Debüt für neuen Cottbus-Coach Lottner

Die könnten dafür aber auf dem Platz hochkochen, denn Energie Cottbus steht schon sehr früh in dieser Saison mächtig unter Druck. Nach nur einem Sieg aus fünf Partien zum Saisonbeginn wird Dirk Lottner sein Debüt an der Seitenlinie der Lausitzer geben. "Wir haben die Tage genutzt, um intensiv zu trainieren. Zuviel kann man aber auch nicht machen, sonst bleibt bei der Mannschaft gar nichts hängen", sagt Lottner, der mit seinem Team vorsichtig umging. Denn Verunsicherung ist nach wie vor da.

Mit dem vorletzten Tabellenplatz hat vor der Saison niemand gerechnet. Statt Aufstiegs- gibt es in Cottbus zunächst Abstiegskampf. "Wir müssen uns da unten erstmal rauskämpfen. Und wenn wir das geschafft haben, können wir uns neue Ziele setzten", so Lottner.

Babelsberg seit vier Partien unbesiegt

Etwas entspannter ist die Lage beim SV Babelsberg. Das Team von Trainer Predrag Uzelac hat seit vier Spielen nicht mehr verloren. Darunter war auch ein starkes 2:2 gegen Aufstiegsanwärter Chemnitzer FC. Doch personell geht Uzelacs Mannschaft fast am Stock. Mindestens fünf Spieler (Marco Flügel, Leonard Koch, Sven Reimann, Manuel Härtel und Frank Zille) fallen für das Heimspiel gegen Cottbus aus. "Wir wollen aber nicht rumjammern und sind davon überzeugt, dass die anderen Jungs ihre Sache weiterhin so gut wie in den vergangenen Wochen machen", sagte Uzelac dem Internetportal "sportbuzzer".

Sein Gegenüber, Dirk Lottner, hofft, dass es Cottbus diesmal besser macht als zuletzt. "Die Jungs haben gut mitgezogen", sagt der Coach nach der ersten Trainingswoche. In der hat er den Schwerpunkt auf die Abwehrarbeit gelegt. "Sowohl mit als auch ohne Ball müssen wir besser verteidigen". Zur taktischen Ausrichtung und zu Personalfragen wollte Lottner am Freitag nichts sagen. Er baut auf den Überraschungseffekt. "Bei uns ist alles neu. Da ist es schwer für den gegnerischen Trainer zu wissen, in welcher taktischen Grundordnung gespielt wird. Und genau das wollen wir auch ausnutzen".

Wer am Ende wen überrascht, wird sich am Sonntag zeigen. Im direkten Vergleich hat Cottbus in der Vergangenheit die Nase fast immer vorn gehabt. In fünf Ligaspielen gab es vier Siege für die Lausitzer. In der aktuellen Situation dürfen sich aber die Babelsberger durchaus berechtigte Hoffnungen machen, dass es diesmal anders läuft.

Sendung: rbb UM6, 20.09.2020, 18:00 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

5 Kommentare

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  1. 5.

    Tja, Die Wahrheit kann man nur sehen wenn man die Brille abnimmt. Wann machst du das Lars?

  2. 4.

    hier ein kleiner Auszug aus einem Medienbericht von 2017. Ganz so harmlos waren die SVB-Fans auch nicht, auch wenn die Provokation damals in erster Linie von Cottbuser Nazis ausging. "....Wie die „Potsdamer Neusten Nachrichten" berichten, hätten die Sicherheitskräfte die Babelsberger Fans daraufhin an einem Platzsturm gehindert. Auf Videobildern ist zu sehen, dass die 03-Fans ihre Zaunfahnen schützen, aber ruhig im Block bleiben. Das Fan-Portal „Faszination Fankurve" berichtet hingegen, dass auch SVB-Fans auf den Platz gingen: „Von der Haupttribüne reagierten ebenfalls motivierte Babelsberg 03 Fans auf den Platzsturm, betraten das Spielfeld und gingen in Richtung Gästeblock. ...."

  3. 3.

    Lieber RBB (oder besser cottbus TV): 2017 waren cottbusser auf dem Rasen und kein anderer ==== schön bei der Wahrheit bleiben!!!!

  4. 2.

    Pflichtsieg für Cottbus gegen den Abstiegskandidaten Babelsberg.

  5. 1.

    Pflichtsieg für Babelsberg gegen den Abstiegskandidaten FCE.

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