Karim Rekik von Hertha BSC Berlin steht nach dem Pokal-Aus gegen Braunschweig enttäuscht vor der Tribüne. Quelle: Marvin Ibo Güngör/dpa
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Video: rbb UM6 | 12.09.2020 | Sebastian Meyer | Bild: Marvin Ibo Güngör/dpa

Hertha-Pleite im DFB-Pokal - Eine Blamage als Warnschuss

Gegen Eintracht Braunschweig zeigt sich Hertha BSC fehleranfällig. Um die Schwächen nach dem peinlichen Pokal-Aus abzustellen, muss die Abwehr besser stehen - und Michael Preetz sollte endlich aktiv werden. Hoffnung macht nur die Offensive. Von Till Oppermann

Auch wenn beim Gastspiel von Hertha BSC in Braunschweig in der ersten Pokalrunde keine Gästefans erlaubt sind, könnte Offensivspieler Matheus Cunha den daheimgebliebenen Herthanern in der 87. Minute nicht näher sein. Voller Wut kehrt er dem Ball den Rücken zu, gestikuliert wild und schreit seinen Ärger in die Luft. In einem frustrierenden Spiel liegen die Berliner gegen den Zweitligisten mit 5:4 zurück.

Zur Verzweiflung von Cunha, der auch an Franz Beckenbauers 75. Geburtstag beweist, warum er für viele Blau-Weiße Herthas "Lichtgestalt" ist. Der Brasilianer sucht am Freitag von Anfang das Eins-gegen-Eins und schießt aus allen Lagen. Er ist der Fixpunkt in Herthas ersatzgeschwächter Offensive. Mit einem Tor und einer Vorlage nach tollem Dribbling gleicht Cunha zwei Braunschweiger Führungen aus. Weil die Defensive nach jedem Aufbäumen einen eklatanten Fehler fabriziert, hilft am Ende selbst das nicht, um die Blamage zum Pflichtspielauftakt zu vermeiden.

Schon die Vorbereitung lief schlecht

"Eine Katastrophe" nennt der neue Torwart Alexander Schwolow das Spiel im Nachgang. Es sei alles schief gelaufen, was schieflaufen könne. Kein Wunder, kann man doch die Saisonvorbereitung seiner Mannschaft mit den gleichen Worten beschreiben. Die letzten Testspiele gingen allesamt verloren.

Im Kader klaffen große Lücken, nachdem die angekündigte Transferoffensive trotz der prall gefüllten Kriegskasse erstmal ausblieb. Weil mehrere Abstellungen durch die Länderspiele die Truppe in der Trainingswoche vor dem Pokalspiel weiter dezimierten, mussten teilweise sogar die Co-Trainer mitkicken. Weil Trainer Bruno Labbadia aber - wie er selbst sagt - nicht in Problemen, sondern in Lösungen denkt, prophezeite er vor der Reise nach Niedersachsen: "Entscheidend ist, wie wir die Situation annehmen."

Die Innenverteidigung sieht schlecht aus

Die Antwort darauf bekam er schon nach wenigen Sekunden. Mangelhaft. Denn der in Berlin geborene Martin Kobylanski nutzte eine schwach gestellte Mauer, um einen Freistoß aus 27 Metern direkt aufs Tor zu bringen und profitierte von einem weiteren Fehler Schwolows. Der stand bei seiner ersten wichtigen Situation im Hertha-Trikot zu weit in der Mitte und konnte Kobylanskis Schuss nicht halten.

Weil danach auch seine Vorderleute Kerim Rekik und Niklas Stark mehrmals patzten, konstatiert Labbadia nach dem Spiel: "Wir haben heute so viele individuelle Fehler gemacht, dass man das nicht kompensieren kann." Damit liegt er in doppelter Hinsicht richtig. Einerseits war es trotz eines vernünftigen Offensivspiels angesichts der fünf Gegentore unmöglich, Braunschweig zu schlagen. Andererseits konnte Labbadia auch keinen Wechsel vornehmen. Obwohl er nach dem Spiel bemerkte, dass seine Innenverteidiger "nicht in jeder Szene gut aussahen". Die Alternativen Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha standen nicht zur Verfügung.

Michael Preetz sollte handeln

So saßen auf der Bank mit Lukas Klünter und Neuzugang Deyovaisio Zeefuik zwar für 90 Minuten zwei Rechtsverteidiger, aber keine Alternative für die Abwehrzentrale. Trotzdem ist die Defensive verglichen mit Mittelfeld und Angriff adäquat besetzt. Im zentralen Mittelfeld spielte unter anderem Vladimir Darida von Beginn an. Er befand sich bis Donnerstag in Quarantäne und konnte vorher nicht trainieren. Auf dem Flügel stürmte Mathew Leckie, für den Hertha seit mindestens einem Jahr keinen Abnehmer findet.

Weil Labbadia aber seit Monaten immer wieder betont, dass die Berliner noch einen zentralen Mittelfeldspieler, einen Flügelflitzer und einen Mittelstürmer suchen, könnte man die polemische Frage stellen, womit Sportvorstand Michael Preetz seine Zeit verbringt. Bruno Labbadia entschuldigte die ausbleibenden Transfers im Tagesspiegel-Interview unter der Woche auch mit finanziellen Gründen. Weil Preetz aber mindestens 50 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst zur Verfügung stehen, sollte er schnell einen Weg finden, neue Stars nach Charlottenburg zu locken. Sonst ist der Kader gemessen an den hohen Ansprüchen nicht konkurrenzfähig.

Auf das Angriffsspiel kann Hertha aufbauen

Trotzdem betont Labbadia auf der Pressekonferenz, dass nicht alles schlecht gewesen sei: "Wir haben Braunschweig extrem bespielt und etliche Torchancen gehabt." Und tatsächlich hat Hertha im Vorwärtsspiel gute Ansätze gezeigt. Den fehlenden Stürmer Krzysztof Piatek ersetzten Leckie, Cunha und Dodi Lukebakio im Kollektiv. Immer wieder rotierte die Offensivreihe in Labbadias 4-3-3-System die Positionen.

Das verwirrte die Braunschweiger und führte zu Chancen für die Alte Dame. Man habe den Gegner weit auseinandergezogen, lobt Labbadia. "Wir haben Lücken gerissen und sind gut in die Tiefe gegangen." Neben Cunha machte insbesondere Lukebakio - den sich der Coach in den letzten Wochen immer wieder zur Brust genommen hatte - Lust auf mehr. Sein Doppelpack sollte ihm zum Ligastart gegen Bremen Rückenwind verschaffen. Niklas Stark weiß, worauf es dann besonders ankommt: "Die Bundesliga ist das wichtigste, da müssen wir konzentriert sein."

Beitrag von Till Oppermann

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17 Kommentare

  1. 16.

    Was für ein Lacher Hertha Bsc. Der peinlichster Verein der Nation. Pfui.

  2. 15.

    Same procedure as every year. Geld schiesst nun mal keine Tore. Die Mannschaft muss zusammenwachsen un punktuell noch verstärkt werden. Der Trainer wird dem Team noch etwas Selbstvertrauen einimpfen müssen. Und last but not least ist ein Kapitän erforderlich, der auf dem Platz die Fäden zieht. Also, es ist noch einiges zu tun.

  3. 14.

    Kürzester Witz der Welt: Hertha beim DFB-Pokal :)))

  4. 13.

    Was fußballhasser immer in solchen Berichten verloren haben, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, aber sie sind ja als wutbürger bekannt.
    Zum Thema, wie ich eigentlich auch schon vorher oft gesagt habe, fehlen mindestens noch zwei bis drei richtig gute Leute und das muss man Preetz schon vorwerfen, weil jetzt werden die mit Sicherheit nicht billiger werden.

  5. 12.

    Zum Glück geht es um nichts wichtiges, es sind nur ein paar Fußballspielende Männer.

  6. 11.

    Ein schöner Trainer und ein unfähiger Manager, dass ist eines BIG City Clubs unwürdig!!!!!

  7. 10.

    HAHOHE, wir glauben nicht mehr an den BSC!!! EISERN UNION!!

  8. 9.

    Ja wirklich, immer beide gegeneinander, aber wenn es nur verbal ist, geht‘s ja.
    Schadenfreude ist die beste Freude ;-)

  9. 8.

    Ist doch optimal, denn es wäre tragisch gewesen, eventuell ins Endspiel zu kommen (endlich mal) und das dann im wegen Corona leeren Oly bestreiten zu müssen.
    Ich bin mir sicher, dass die Abwehr wieder funktioniert, wenn die beiden Stammspieler wieder spielen können.

  10. 7.

    Wir es jahrelang in den Wald hinein schallte, so schallt es nun heraus.
    Das ärgert natürlich die Windhuhn Konsumenten.

  11. 6.

    Nun kann sich Hertha auf die Meisterschaft voll konzentrieren ! HaHoHe

  12. 5.

    Erstaunlich wie die Union-Kunden immer von Hertha-Berichten getriggert sind.

  13. 4.

    Na Fußballvereine haben wir viele in der Stadt, da liegen Sie demnach falsch.
    Tja, Hertha hat wirklich ein Managementproblem und ich befürchte, Herr Labadia wird bald das nächste Bauernopfer. Es täte mir sehr leid und ich hoffe auf eine Besinnung auf die Stärken bei Hertha. Nur der Trainer allein kann es nicht richten.

  14. 3.

    Schöne Grüße aus Köpenick !

  15. 2.

    Da zeigt es sich ganz deutlich es gibt nur einer Fußballverein in Berlin und das ist der 1. FC Union Berlin.

  16. 1.

    Einfach so erbärmlich dieses Nichtstun im Management

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