Beachvolleyballerin Laura Ludwig bei den Deutschen Meisterschaften (Quelle: imago images/Agentur 54 Grad)
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Interview | Laura Ludwig vor der Beach-EM - "Es waren total viele Fragezeichen in meinem Kopf"

Vor dem Start der Beachvolleyball-Europameisterschaften am Dienstag spricht die Berliner Olympiasiegerin Laura Ludwig im Interview über ihren zwickenden Rücken, die Ziele beim Turnier - und den Spagat als Mutter und Leistungssportlerin.

rbb|24: Laura Ludwig, am Wochenende saßen Sie bei einem Turnier in den Niederlanden auf der Tribüne und haben zugeschaut. Auf Instagram haben Sie geschrieben, dass der Rücken zwickt. Ab Dienstag stehen die Europameisterschaften in Lettland an. Ist Ihr Start in Gefahr oder ist es nichts Ernstes?

Laura Ludwig: Es ist schon etwas Ernstes. Sonst hätte ich nicht zugeschaut, denn es ist zu cool, bei dem Turnier zu spielen. Aber ich wollte auf jeden Fall nicht die EM riskieren. Mein Rücken braucht ein bisschen Ruhe. Ich habe schon seit ein paar Tagen ein bisschen damit zu kämpfen. Dieses Format beim "King of the Court" (Anm. d. Red.: in Utrecht) ist so intensiv, dass ich das einfach nicht durchhalten würde.

Aber die EM ist nicht in Gefahr?

Nein. Wir gehen von Tag zu Tag - aber der Plan steht, dass wir da hinfahren.

Sportlich lief es zuletzt gut für Sie. Bei den Deutschen Meisterschaften ging es bis ins Finale. Da sagten Sie, es stehen noch ein paar Details auf der To-Do-Liste. Woran muss denn noch gearbeitet werden?

Das Interview würde zu lange dauern, wenn ich da ins Detail gehen würde. (lacht) Aber es ist vor allem die Konstanz in allen Bereich und die Sicherheit und das Vertrauen in das, was wir eigentlich können.

Wenn man weiß, woran man arbeiten kann, ist es ja immer besser, als wenn man im Trüben fischt.

Auf jeden Fall. Es macht auch tierisch viel Spaß. Es war wirklich so, dass ich nach der Verschiebung der Olympischen Spiele wirklich geknickt war und gar nichts damit anzufangen wusste. Aber jetzt bin ich wirklich dankbar über die Zeit, die wir noch als Team haben. Mit einem frischen jungen Team ist Zeit immer etwas Kostbares. Wir wollen besser aus diesem Jahr gehen - auch wenn es für alle eine schwierige Zeit ist.

Sie haben zu der Olympia-Verschiebung gesagt, Sie seien anfangs "mental in ein Loch gefallen". Wie genau hat sich das denn geäußert?

Ich war echt down. Ich habe mich sehr gut ablenken können, weil ich eine tolle Familie zu Hause habe. Gerade mit meinem Sohn war ich sehr glücklich darüber, dass ich die Zeit und eine Art Urlaub Zuhause hatte. Aber es waren total viele Fragezeichen in meinem Kopf. Man hat natürlich auch andere Pläne nach den Olympischen Spielen gehabt. Man war nach der Vorbereitung ja 'on fire', voller Adrenalin - und wollte in die Saison starten. Dann ist auf einmal dieses Ziel weggebrochen beziehungsweise verschoben worden und da musste ich mich erstmal sortieren. Wobei es dann von Tag zu Tag besser wurde, weil wir immer besser in unser Programm reingekommen sind. Das hat uns als Team gut gefallen und auch sehr gutgetan.

Es gibt ja auch wieder Licht am Ende des Tunnels. Bei den Meisterschaften am Timmendorfer Strand waren wieder Zuschauer dabei. Können Sie beschreiben, wie sich das angefühlt hat?

Es war auf jeden Fall Wahnsinn. Ich hätte das tatsächlich gar nicht für möglich gehalten, dass es einem so fehlt, weil man ja seinen eigenen Fokus hat. Aber es ist ein riesiger Unterschied zwischen den ersten Turnieren ohne Zuschauer und der Deutschen Meisterschaft gewesen. Die Moderation, die Musik und das Publikum, das einen nach einer tollen Rallye pusht: Das bringt auf jeden Fall Adrenalin und ich hatte definitiv mehr Adrenalin als bei den ersten Turnieren.

Das Jahr 2019 endete für Sie mit dem Sieg beim World-Tour-Finale. Auch jetzt zeigt die Formkurve wieder nach oben. Was sind denn Ihre Ziele für die Europameisterschaften?

Wir sind in dem Modus, dass wir von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel denken. Ich möchte gar nicht vorausschauen, was geht oder nicht. Ich freue mich einfach, dass wir die Möglichkeit haben zu spielen - und auszuprobieren und umzusetzen, was wir im Training üben.

Sie sind Mutter und Sportlerin. Was sind denn die besonderen Erfahrungen, die Sie da gesammelt haben?

Im Großen und Ganzen habe ich völlig unterschätzt, was das so mit sich bringt. Die Liebe und die Sorgen für ein Kind, wenn man auf einmal Mama ist. Das ist schon echt eine große Verantwortung, die auf deinen Schultern ist. Ich habe damit am Anfang auf jeden Fall Schwierigkeiten gehabt. Gerade weil auch bei mir im Sport in den vergangenen Jahren Regeneration das A und O ist. Mit Kind hast du diese Regeneration nicht so zu 100 Prozent beziehungsweise musst du sie dir erst wieder neu schaffen. Das hat schon einiges an Organisation, aber auch Schuldgefühlen mit sich gebracht, mit denen man leben muss. Aber ich bin glücklich, dass ich meine beiden Leidenschaften - die Familie und Beachvolleyball - zusammen tun kann.

Zum Schluss noch eine Frage, die wahrscheinlich immer wieder gestellt wird. Kira Walkenhorst, Ihre Partnerin beim Olympiasieg 2016, spielt auch wieder. Sie sollen schon mal wieder zusammen trainiert haben. Ist das eine Option für die Zukunft, nochmal zusammen zu spielen?

Es ist natürlich so, dass Kira und ich eine Geschichte haben. Das wird man nicht vergessen und das ist auch okay. Aber zur Zeit ist es so, dass wir als Team Kozuch/Ludwig unser bestes Beachvolleyball finden und unsere Ziele erreichen wollen. Ich bin einfach dankbar dafür, dass ich die Zeit mit Kira hatte und sie wieder zurückgekommen ist. Es war ein schönes Gefühl, mit ihr wieder den Sand zu teilen, auch wenn es auf der anderen Seite war. Und was danach kommt, werden wir sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Ilja Behnisch, rbb Sport.

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