Meisterfeier der Eisbären Berlin 2005 am Brandenburger Tor (Quelle: imago images/Olaf Wagner)
Bild: imago images/Olaf Wagner

Berliner Eisbären nach der Wende - Aus der kleinsten Liga der Welt zum DEL-Rekordmeister

Tief im Osten, in Berlin-Hohenschönhausen, begann die Geschichte der Eisbären. Vor 30 Jahren öffnete die Wiedervereinigung dann die Tür, auch den Rest der Stadt von sich zu begeistern. Dass gelang dem Eishockey-Team auch durch einen mutigen Schritt. Von Lisa Surkamp

Wenn bei den Heimspielen der Eisbären das Intro läuft, bereiten sich die Anhänger der Berliner auf ihren Einsatz vor. Sie strecken ihre Fäuste Richtung Hallendach - und nach einem lauten Knall des Feuerwerks schallt es "Dynamo! Dynamo!" durch die Arena. Es ist ein Ruf der Tradition, die vor über 60 Jahren begann.

Erich Novy von Dynamo Weißwasser kämpft am 24.01.1966 mit Prusa vom SC Dynamo Berlin um den Puck (Quelle: dpa/Großmann)
Dauerrivalen auf dem Eis: Berlin und Weißwasser kämpften 1966 in der "kleinsten Liga der Welt" um den Titel. | Bild: dpa/Großmann

"Jedes Jahr Vize-Meister. Das ist ja grundsätzlich nicht verkehrt."

1954 wurde der Verein, dessen Wurzeln auf die Sportgemeinschaft Deutsche Volkspolizei zurückgehen, in SC Dynamo Berlin umbenannt. Das Team spielte in der DDR-Oberliga, doch die bestand ab 1970 plötzlich nur noch aus zwei Teams. Denn die DDR-Regierung beschloss, alle Mannschaften bis auf Dynamo Weißwasser und Berlin aufzulösen. Die "kleinste Liga der Welt" war geboren.

20 Jahre lang spielten die beiden Dynamos die Meisterschaft unter sich aus. Zumindest die letzten Treffen davon erlebte auch Sven Felski als Jugendlicher mit. "Das ist relativ einfach zu erzählen", erinnerte sich Felski 2019 bei der rbb-Veranstaltung "Erzähle deine Geschichte". "Also man war jedes Jahr Vize-Meister. Das ist ja grundsätzlich nicht verkehrt."

Mehrere Insolvenzanträge abgewehrt

Vor allem sportlich gesehen war das Dauer-Duell aber wenig attraktiv. "Wenn man sich weiterentwickeln will, um auch international mal gegen gute Mannschaften zu spielen und vor allem auch mal gegen mehr Mannschaften zu spielen, dann ist der Wettbewerb viel besser gegeben", so die Berliner Eishockey-Ikone. Und so sehnten die Spieler auch für ihren Sport die Wende herbei, um "einfach viele andere Sachen zu erleben und international unterwegs zu sein. Aus Sicht eines Eishockey-Spielers war es der perfekte Zeitpunkt, um sich neu zu orientieren."

Einfach war der Neuanfang durch die Wende dann aber nicht. Vor allem wirtschaftlich mussten sich die Berliner an die neuen Verhältnisse gewöhnen und bis zum Einstieg der Anschutz-Entertainment-Gruppe 1999 gleich mehrmals Insolvenzanträge abwehren. Nach vielen (sportlichen) Rückschlägen etablierte sich der Klub mehr und mehr im Deutschen Eishockey und wurde 2005 zum ersten Mal Deutscher Meister.

Die vollbesetzte O2 World 2009 bei einem Spiel der Eisbären (Quelle: imago images/Camera 4)
2008 zogen die Eisbären aus dem "Welli" in die Arena am Ostbahnhof um. | Bild: imago images/Camera 4

Umzug nach Friedrichshain als wichtiger Schritt

Den wohl wichtigsten Schritt, um zu einem Gesamtberliner Team zu werden, gingen die Berliner 2008. Vom kultigen Wellblechpalast in Alt-Hohenschönhausen zogen sie nach Friedrichshain in die Arena am Ostbahnhof. Für 14.200 statt für circa 5.000 Fans war plötzlich Platz - der aber natürlich auch gefüllt werden musste, damit es sich finanziell lohnt. Ein gewagter Schritt also, der sich aber schnell als gelungen herausstellte. Auch aus Image-Gründen. "Für Berlin war es deshalb so wichtig, weil es für die Eisbären auch die Chance gab, aus einer etwas klischeehaften Ecke herauskommen zu können und zu Berlins Team zu werden", erklärte Detlef Kornett, ehemaliger Geschäftsführer der Eisbären im rbb|24-Interview.

"Als gesamt-Berliner Verein etabliert"

"Ich glaube, dass sich der Verein grundsätzlich als gesamt-Berliner Verein etabliert hat, denn die eishockeybegeisterten Leute kommen auch aus Zehlendorf oder Lichtenrade", sagt auch Sven Felski. Eine Entwicklung, die es ohne die Wende so wohl nicht gegeben hätte.

Ein paar Relikte aus der Zeit davor aber sind dennoch geblieben. "Mir persönlich gefällt es auch nicht, wenn man noch 'Ost, Ost, Ost-Berlin' ruft, denn ohne Ost und West wäre der Verein gar nicht in dieser Liga", sagt Felski. "Bei Dynamo lässt es sich immer ein bisschen streiten, weil es auch gleichzeitig ein bisschen Tradition vom Verein ist. Die ist ja nicht zu leugnen, insofern finde ich das gar nicht so schlimm." Und so werden die Fans wohl auch weiter "Dynamo! Dynamo!" rufen.

Sendung: rbb24, 30.09.2020, 21:45 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

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