Maodo Lo von Alba Berlin (imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 08.10.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Bernd König

Albas Neuzugang Maodo Lô - Heimatkunst

Er kommt aus Berlin und doch war der Wechsel des Basketball-Nationalspielers Maodo Lô von Bayern München zu Alba Berlin keine Rückkehr zu seinem Jugendklub. Denn der Karriere-Weg des Spielmachers ist besonders. Und eng mit seiner Familie verknüpft.

Zum Gespräch mit dem rbb empfängt Alba-Neuzugang Maodo Lô im Atelier seiner Mutter, der Künstlerin Elvira Bach. "Eine schöne Fläche", sei das, sagt Lô und außerdem: "Heimat."

Ein erstaunliches Wort für einen, den es die letzten neun Jahre durch die Welt zog, der in den USA lebte und studierte, für Bamberg und Bayern München in der Baskteball-Bundesliga spielte, ehe er in diesem Sommer zum amtierenden Double-Sieger Alba Berlin und damit in seine Heimatstadt zurückkehrte. "Heimat bedeutet für mich Familie, Freunde, ein gutes Gefühl haben", sagt Lô. Auch deshalb habe sich der Wechsel zu Alba angefühlt, wie "nach Hause zu kommen".

Spätstarter und Idealbesetzung

Dabei hat er in der Jugend nie für Alba gespielt, stattdessen für den DBV Charlottenburg und die Central Hoops Berlin. Er gilt als Spätstarter, wurde nie in eine Jugendauswahl berufen. Lô selbst sieht in seinem Werdegang allerdings eher einen Vorteil: "Ich habe einfach mein Spiel gespielt. Wäre ich in ein Programm gegangen und jemand hätte gesagt 'Du musst so und so dribbeln', anstatt so zu dribbeln, wie ich es gerne mag, hätte es mir vielleicht geschadet."

Heute gilt er als besonders kreativer Spieler und damit als Idealbesetzung für das System von Alba-Coach Aíto García Reneses, über das Lô sagt: "Der Spielstil liegt mir. Ich muss mich nur noch ein bisschen daran gewöhnen und diese Freiheiten ausnutzen."

Lob von Dirk Nowitzki

Und dann ist da noch etwas, das eine Rolle gespielt hat bei diesem Wechsel. "So eine Wunde heilt nicht innerhalb eines Jahres. Da ist es gut, bei Freunden und Familie zu sein", sagt Lô zum Unfalltod seines älteren Bruders Lamine im Sommer 2019. Er war es, der Maodo zum Basketball gebracht hatte. "Ich habe meinem Bruder beim Nintendospielen zugeschaut und dadurch wurde mein Interesse geweckt. Daraufhin habe ich mir einen Korb gewünscht, den ich an meinem Hochbett befestigen konnte und habe dadurch angefangen, in meinem Zimmer Basketball zu spielen", sagte Lô einst gegenüber der Vereinshomepage seines damaligen Vereins Brose Bamberg.

Mit ihnen gewann er 2017 das Double, ehe er 2019 mit dem FC Bayern erneut Meister wurde. Spätestens da war der 1,91 Meter große Lô angekommen im deutschen Basketball. Ein sogenannter Combo-Guard, der im Aufbau sowohl als Point- als auch als Shooting-Guard spielen kann. Sein Nationalmannschaftskollege und NBA-Star Dennis Schröder sagte im Interview mit "Spox": "Es gibt nicht viele Deutsche, die so wie er zum Korb kommen." Und auch Dirk Nowitzki lobte gegenüber der "Sportschau": "Maodo hat mich direkt beeindruckt. Er ist ein supersmarter Typ, ist sehr athletisch, hat einen guten Zug zum Korb und eine gute Übersicht."

Studium an einer Elite-Uni

Und auch von der Drei-Punkt-Linie überzeugt Lô. Das habe er auf dem College gelernt, sagt er. Mit Erfolg, möchte man hinzufügen. Nach dem College erhielt er ein Stipendium der Columbia-University in New York. Eine Elite-Uni, die unzählige Nobelpreisträger hervorgebracht hat, an der der ehemalige US-Präsident Barack Obama studierte und an der Maodo Lô zum drittbesten Scorer (1.756 Punkte) und beste Dreipunktschütze der Geschichte wurde. Er verließ Columbia mit einem Bachelor-Abschluss in Business und Soziologie und als wertvollster Spieler des renommierten "CollegeInsider-Tournament". Es war der erste Titelgewinn einer Basketballmannschaft der Columbia-Universität überhaupt. Für einen NBA-Vertrag reichte es während des Drafts 2016 dennoch nicht. Stattdessen die Rückkehr nach Deutschland. Und nun also Berlin. Heimat.

Im Atelier seiner Mutter sitzend sagt er dann noch, dass Kunst eine große Rolle spiele in seinem Leben: "Diese Einflüsse habe ich mitgenommen. Ich bin früher oft mit meiner Mutter gereist, habe interessante Leute kennengelernt, Galeristen und Künstler."

Bei Alba werden sie hoffen, dass diese Einflüsse auch in Zukunft noch zum Tragen kommen. Elvira Bach gilt schließlich als Vertreterin der "Jungen Wilden".

Sendung: rbb UM6, 08.10.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

1 Kommentar

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  1. 1.

    Guter Typ. Ich wünsche ihm, dass er ankommt.

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