Skater auf einem Skateboard/imago images/Objektif
Video: rbb UM6 | 14.10.2020 | Uri Zahavi | Bild: imago images/Objektif

Corona und der Amateursport - "Die Ängste vor einem weiteren Lockdown sind sehr groß"

Steigende Infektionszahlen machen vor allem den Amateurvereinen Sorgen, denn für die könnte ein weiterer Lockdown katastrophale Folgen haben. Das weiß auch der Präsident des Landessportbundes Berlin und appelliert an Vereine und Verbände. Von Lukas Scheid

Noch tönt der Lärm aus den Sporthallen in Berlin und Brandenburg. Die schweren Körper der Judoka donnern im hohen Bogen auf die Matten in der Judohalle im brandenburgischen Senftenberg. In der Berliner Skatehalle auf dem RAW-Gelände schlittern die Plastikrollen der Skateboards über die Holzplatten der Halfpipe und über die Metallstangen der Rails.

Ein weiterer Lockdown könnte dem regen Treiben in den Sporthallen der Region jedoch ein Ende setzen – im schlimmsten Fall auch dauerhaft. Denn für viele geht es längst nicht mehr nur um ein Hobby. Für Jost Schmidt von der Berliner Skatehalle geht es um die Existenz: "Wirtschaftlich wäre das schwierig! Wir brauchen die Einnahmen aus den Eintritten und den Workshops, die wir anbieten."

Vereinsaustritte bei zweitem Lockdown

Auch in den Sportvereinen wären die Folgen eines erneuten Sportverbots drastisch. Dirk Meyer, Vorstandsvorsitzender beim Judoclub KSC Asahi Spremberg, fürchtete schon nach dem ersten Lockdown um das Fortbestehen des Vereins und seines Berufes. "Mein Job ist über Nacht quasi ausgelöscht worden", sagt er. An einen zweiten Lockdown möchte er erst gar nicht denken. Sollten die Hallen aufgrund des Infektionsgeschehen abermals schließen, drohen weitere Wettkampfabsagen und weitere Einnahmen für die Vereine brächen weg.

Für die Amatuervereine wäre das eine Katastrophe. Denn falls der Sport auch langfristig nicht ausgeübt werden kann, wären womöglich Vereinsaustritte in großer Zahl die Folge, wodurch zusätzlich die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen wegfallen würden.

Im Großen und Ganzen sei man bisher gut durch die Krise gekommen, stellt Thomas Härtel klar. Doch der Präsident des Landessportbundes betont auch, dass das mitunter an den Mitgliedern liege, die den Vereinen bislang noch die Treue halten. "Sie haben gesehen, was die Vereine leisten und wollen natürlich auch weiterhin den Sport in ihren Vereinen machen."

Sollten die Einschränkungen jedoch anhalten oder gar verschärft werden, könnte es mit der Treue zum Ende des Jahres vorbei sein: "Gerade im Gesundheits- und Rehabilitationssport finden viele Kurse nicht statt und wenn das Angebot wegbricht, kann man auch nicht ständig dafür zahlen."

Rettungsschirm reicht nicht aus

Der Rettungsschirm über sechs Millionen Euro, den der Berliner Landessportbund nach dem ersten Lockdown für die Sportvereine in der Hauptstadt bereitgestellt hatte, würde im Falle eines zweiten Sportverbots wahrscheinlich nicht mehr ausreichen. Bis dato seien Schäden in Höhe von etwa 5,2 Millionen Euro gemeldet worden bei rund 220 konkreten Anträge auf Nothilfe so der Präsident des Landessportbundes Thomas Härtel.

Somit wäre das Geld aus dem Rettungsschirm bereits annähernd aufgebraucht. Dementsprechend groß seien die Ängste bei den Vereinen vor einem weiteren Lockdown, berichtet Härtel, doch er hoffe, dass es dazu gar nicht erst komme: "Wir appellieren an alle Vereine und Verbände, die Hygienekonzepte konsequent umzusetzen."

Sowohl die Berliner Skaterszene als auch die Judoka aus Spremberg hoffen, dass sie mit der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen einen Beitrag für die Eindämmung des Coronavirus leisten können, sodass sie unbeschadet und ohne zweiten Lockdown durch den Winter kommen.

Sendung: rbb24, 14.10.2020, 10:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Hauptsache die großen Unternehmen der Luftfahrt Branche werden mit Millionen und aber Millionen unterstützt. Für den BBR SIND UNSUMMEN AN MILLIONEN VON EUROS DA ABER FÜR AMATEURSPORTVEREINE DIE KINDER VON DER STRAßE HOLEN IST KEIN GELD VORHANDEN DAMIT DEREN VEREINE ÜBERLEBEN KÖNNEN IN DER CORONA ZEIT.

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