Union-Fans bei einem Spiel im Stadion An der Alten Försterei während der Corona-Pandemie. Quelle: imago images/Matthias Koch
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Kommentar | 4.500 Fans bei Union-Heimspiel - Verantwortung sieht anders aus

Heimspiel gegen Freiburg vor 4.500 Fans: Dafür bekommt Union ordentlich Kritik. Viele haben den Eindruck, dass der Klub die Pandemie nicht ernst nimmt. Daran ist Union selbst schuld. Die Verantwortung sollte man aber nicht nur beim Verein suchen. Ein Kommentar von Till Oppermann

"Infektionsrisiko Berlin", "Die Superspreader der Alten Försterei" und "Corona-Wahnsinn": Das Medienecho auf Union Berlins Entscheidung, gegen Freiburg vor 4.500 Fans zu spielen, ist deutlich. Kein Wunder. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 114,8 tobt das Virus in Berlin deutschlandweit mit am schlimmsten. Auch der Bezirk Treptow-Köpenick wurde zum Risikogebiet erklärt. Hier beträgt der Wert 56,3.

Während Berliner Familien wegen Beherbergungsverboten ihren Urlaub zuhause verbringen mussten, erlaubte das Gesundheitsamt den Unionern, Tickets für die Partie gegen Freiburg zu verkaufen. Trainer Urs Fischer sagt: "Ich finde es schön, dass Zuschauer im Stadion sein dürfen."

Gelebte Eigenverantwortung? Fehlanzeige.

Mit dieser Haltung verspielt der 1. FC Union zahlreiche Sympathien. Viele haben den Eindruck, dass die Eisernen Corona nicht ernst nehmen. Daran ist der Verein selbst schuld. Präsident Dirk Zingler verweist bei der Eindämmung seit Monaten gerne auf die Eigenverantwortung aller. Gleichzeitig traf sich Stürmer Max Kruse mit wildfremden Fans und dokumentierte das sichtbar in den sozialen Netzwerken. Sein Verhalten steht stellvertretend für das Bild des Vereins. Schon beim Klassenerhalt im Juni hatten Spieler und Fans verbotenerweise gemeinsam auf dem Parkplatz gefeiert. Vor kurzem ignorierten die Köpenicker das Verbot von Fangesängen im Testspiel gegen Hannover. Gelebte Eigenverantwortung? Fehlanzeige.

Für das Spiel gegen Freiburg sind erneut Fangesänge und Sprechchöre auf den Tribünen untersagt. Diesmal will Union das auch offen kommunizieren. Zudem wurde die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Stadion weiter verschärft.

Der 1. FC Union Berlin hat mit über 37.000 Mitgliedern eine riesige Strahlkraft. In Zeiten, in denen es in der Gesellschaft auf Solidarität ankommt, darf man diese anders nutzen. Der Klub könnte von seinen eigenen Fans lernen: In der letzten Saison konnten nicht einmal Mitglieder für jedes Spiel eine der über 22.000 Karten ergattern. Am Freitag gingen sogar von den 4.500 Karten einige in den Verkauf - obwohl die 11.500 Dauerkarteninhaber ein Vorkaufsrecht hatten. Die Berliner Politik wird es freuen. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci forderte im Zusammenhang mit dem Spiel: "Meiden Sie soziale Kontakte. Wenn es geht, bleiben Sie zuhaus".

Die Appelle der Landespolitik sind billig

Damit spricht sie stellvertretend für die Berliner Politik. Auch die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat sich "eine andere Entscheidung gewünscht". Das Spiel sei ein "falsches Signal". Das stimmt. Trotzdem sind die Appelle aus der Landespolitik billig. Denn gleichzeitig schiebt Andreas Geisels Behörde die Schuld auf andere: "Die Entscheidung darüber liegt bei der DFL, den Vereinen und den jeweils zuständigen Gesundheitsämtern der Bezirke".

Aber: Die grundsätzliche Erlaubnis für Freiluftveranstaltungen mit bis zu 5.000 Gästen erteilt die Hygieneverordnung des Senats. Wer, wenn nicht die Landesregierung, hat es in der Hand, Veranstaltungen dieser Größe allgemein zu verbieten? Wenn dazu der politische Wille fehlt, kann man das dem 1. FC Union nicht vorwerfen. Als Fußball-Bundesligist tragen die Köpenicker neben der gesellschaftlichen auch eine wirtschaftliche Verantwortung für ihre über 300 Mitarbeiter. In der Öffentlichkeit interessiert das wenige. Darüber darf sich Union wegen des lockeren Umgangs mit Corona nicht beschweren.

Sendung: rbbUM6, 24.10.20, 18:00 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

62 Kommentare

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  1. 62.

    Der Passus steht seit August in der Berliner Infektionsschutzverordnung. Einfach nochmal nachlesen. Union und Geschanowski haben ein Hygienekonzept ausgekungelt, das diesen Punkt "vergaß". Nicht der einzige Punkt, wo Geschanowski beide Augen zudrückte. Beispiel Mindestabstände. Beispiel grünes Licht für Union gegen Bayern, als für die restlichen acht Partien bereits Geisterspiele beschlossen waren, während Zingler, mit Rückendeckung seines Gesundheitsstadtrats, einen auf dicke Hose machte.

    ZIemlich sicher wäre das mit einem Stadtrat der "etablierten Parteien" nicht so easy gelaufen für Union.

  2. 61.

    „ ! Dass der rbb den Charlottenburgern näher steht als den Köpenickern, ist ein inzwischen offenes Geheimnis. “ Ach ja? Eher umgekehrt.

  3. 60.

    "Es ist aus meiner Sicht ein wichtiges und richtiges Zeichen, wenn wir zeigen, dass Veranstaltungen mit geringem Infektionsrisiko möglich sind."

    Die Bilder vom Spiel zeigen eindrucksvoll, das es in diesem Fall eben nicht möglich ist. Aber macht euch keine Sorgen, da man in Berlin mit der Nachverfolgung eh nicht mehr hinterher kommt, wird man auch keinen Bezug zum Infektions Geschehen beim Spiel feststellen ... also alles gut - oder ?

  4. 59.

    Mein Gott, wie oft denn noch: ES GEHT NICHT UMS GELD!!!

    Ich halte Ihnen einfach mal zugute, dass Sie Ihren Kommentar wahrscheinlich geschrieben haben bevor Olaf Klawohns veröffentlicht wurde. Denn andernfalls müsste man von einer nicht unerheblichen Ignoranz Ihrerseits ausgehen, Andi.

  5. 58.

    Liebe Union verantwortliche,
    die Genehmigung vor 5000 Zuschauern zu spielen habt ihr vor längerer Zeit erhalten als die Situation eine andere war als heute. Vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Woche hättet ihr Verantwortung zeigen- und reagieren müssen - so einfach ist das. Ihr predigt eure Fan Kultur, aber wenn es ums Geld geht seid ihr schlimmer als andere Vereine ...

  6. 57.

    Berlin - Köpenick am 25. Oktober 2020
    Liebe Unioner,
    nach einer unruhigen Woche, in der wir von vielen Seiten dafür kritisiert wurden, dass wir unser Spiel gegen den SC Freiburg vor Zuschauern austragen, möchte ich mich heute bei allen Stadionbesuchern bedanken, die gestern dazu beigetragen haben, dass wir gemeinsam unser erweitertes Hygienekonzept für das Spiel erfolgreich umsetzen konnten.

    Einmal mehr war Vertrauen schenken und Eure Kreativität der Schlüssel dazu, eine Herausforderung zu bewältigen. Ins Stadion zu kommen und nicht singen und rufen zu dürfen, ist für uns Unioner eigentlich unvorstellbar, aber ich glaube, viele von uns werden in den nächsten Tagen ein kleines Lächeln auf den Lippen haben, wenn uns die Hände vom Klatschen noch ein bisschen weh tun und auch das Klingeln und Klappern wird uns sicher noch ein wenig in den Ohren bleiben.

    Ich möchte aber gerne auch noch einmal erklären, was uns dazu bewogen hat, unser Spiel vor Zuschauern auszutragen und eben nicht darauf zu verzichten. Seit Monaten engagieren wir uns dafür, die Bedingungen der Corona-Pandemie aktiv anzunehmen, statt abzuwarten, was passiert. Wir bemühen uns Lösungen zu entwickeln, um notwendigen Infektionsschutz und gesellschaftliches Leben miteinander zu verbinden. Wir nehmen die Pandemie ernst und wir nehmen unsere Verantwortung als Veranstalter wahr. Wer in den letzten Wochen eine Veranstaltung in unserem Stadion besucht hat, egal ob ein Fußballspiel, ein Fantreffen oder eine Buchlesung, wird das bestätigen können.

    Wie alle Veranstalter sind wir darauf angewiesen, dass wir von der Politik einen verlässlichen Handlungsrahmen zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Aufgabe ist es, diesen Rahmen verantwortungsvoll zu nutzen und möglichst sichere Veranstaltungsangebote zu schaffen. Das haben wir in den vergangenen Wochen und auch in diesem Fall in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt von Treptow-Köpenick getan und das wollen wir auch weiterhin tun.

    Von der Politik wünsche ich mir dafür, dass klarer kommuniziert wird, was aus guten Gründen erlaubt ist, und was aus ebenso guten Gründen verboten ist. Wenn Veranstalter in den Wettbewerb um sichere Veranstaltungskonzepte mit gut durchdachten und genehmigten Hygienekonzepten treten dürfen, dann erreichen wir vielleicht eine Angebotsvielfalt an sicheren Veranstaltungen und damit auch eine höhere Bereitschaft, auf Zusammenkünfte ohne Schutzmaßnahmen zu verzichten.

    Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat sich am vergangenen Dienstag in der Pressekonferenz zur aktuellsten Fassung der Infektionsschutzverordung auf Nachfrage zu organisierten Veranstaltungen wie Oper, Kino oder Profisport wie folgt geäußert: „Bisher ist unsere Erkenntnis, dass von diesen geordneten Veranstaltungen mit entsprechenden Regeln, die auch sehr streng eingehalten werden nach unserer Erkenntnis, kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht“, so Michael Müller. „Nach heutigem Stand, nach heutigen Erkenntnissen, können wir diese Dinge weiter zulassen.“

    Es ist aus meiner Sicht ein wichtiges und richtiges Zeichen, wenn wir zeigen, dass Veranstaltungen mit geringem Infektionsrisiko möglich sind. Auf dieser Basis möchten wir weiterarbeiten, damit Menschen in dieser schwierigen Zeit auch schöne Erlebnisse haben können und nicht nur mit Einschränkungen und Verboten konfrontiert werden.

    Liebe Unioner, es gibt keinen Grund zur Sorge, dass wir unseren moralischen Kompass verloren hätten. Das ist nicht der Fall. Umso mehr hoffe ich, dass wir in gemeinschaftlicher gesellschaftlicher Anstrengung die Corona-Krise bewältigen und uns beim Suchen nach den richtigen Wegen wieder mit mehr Neugier und Offenheit begegnen.

    Mit eisernen Grüßen
    Dirk Zingler

  7. 55.

    Lieber Till Oppermann,

    wenn man keine Ahnung hat, sollte man keine reißerischen Artikel auf dem Niveau der Axel Springer SE verfassen! Dass der rbb den Charlottenburgern näher steht als den Köpenickern, ist ein inzwischen offenes Geheimnis.
    Ich selbst bin Veranstaltungsordner vor Ort und erlebe das völlig anders als oben beschrieben: Zwar sind die Fans über die getroffenen weiteren Einschränkungen nicht gerade erfreut, halten diese jedoch durchweg ein. Also ja, Club und Fans tragen sehr wohl ihrer Eigenverantwortung Rechnung.
    Und weil hier Max Kruse angesprochen wird, so ist dieser nur ein Spieler des 1. FC Union Berlin und nicht, wie hier von Oppermann gezielt falsch dargestellt, "der Verein". Dass Spieler für solches Verhalten hinter den Kulissen gerügt werden, kommt natürlich dem rbb nicht in den Sinn wie die gestern, 24.10.2020 von den Fans aufgezeigte Disziplin auf Fansgesänge zu verzichten, nicht auf den Horizont eines Till Oppermann passen.

    Schämt euch!

  8. 54.

    Wo ich gestern mal wiedrr die massen sah dacht ich fast 5000 ideoten kein minst abstand kein masken vor den spiel ,am meisten hat sicher der virus am gestriegen tag gefreud da er sich schön verbreiten konnte , an den kneipen alle tische voll na ja vor den kneipen versamlung von mehr als 25 leuten , polizei fehlanzeige die standen mit meherern wannen genau auf der anderen seite des bahnhofes, Leute ich habe nix gegen union und fussball aber wenn ihr so unverantwortungslos seit dafür habe ich kein verständnis .

  9. 53.

    Kruse und seine Showeinlagen waren bekannt. Wer ihn holt, muss mit solchen Aktionen rechnen. Und Union ist ein Hippsterclub. Also passt alles zusammen. Sie mögen ein klassischer Unionfan sein, aber das ist Vergangenheit. Längst hat Union sich gewandelt.

  10. 52.

    Ich fand die Unioner an sich immer ganz super, aber mit dieser Aktion haben sie sich und Berlin keinen Gefallen getan.
    Die sollten mal alle denken lernen.

  11. 51.

    Sie bringen es auf den Punkt. Die Stadien sind wohl eher nicht das Problem aber irgendwie müssen die Leute ja auch dahin kommen. Der ÖPNV ist zu voll mit irgendwelchen Freizeit Kaspern ...

  12. 50.

    Bilanz: FCU vs. MSV 10/7/5 . . . also mal die Füsse stillhalten, Mounteggi. ;-)

  13. 49.

    Jap! Dem kann ich nur zustimmen! Denn schließlich hat sich Herr Zingler da auch nur den Worten unseres Bundes-Spahns angeschlossen...
    Und @ Herr Oppermann : hören sie doch auf alle über einen Kamm ziehen zu wollen! Wie kann bitte die Aktion von einem, seit kürzerem erst, Angestellten die Meinung und Haltung eines gesamten Traditionsvereins widerspiegeln?? Der Verein, dem Sie da eine solche Meinung überhelfen wollen, besteht aus einen Haufen aktiver und eben auch noch viel mehr passiver Mitglieder, teilweise seit Jahrzehnten! Ich empfinde das als Beleidigung!

  14. 48.

    Reden Sie doch nicht so schlecht von (Ihrem) MSV Duisburg!!! Die halten schon die Dritte Liga!

  15. 47.

    Ich fände es schön, die gesamte Diskussion zu versachlichen. Ja, ich bin Unioner und war heute in Stadion. Was habe ich erlebt? Disziplinierte und kreative Fans. Die Anstände wurden gehalten, keine Gesänge, keine Sprechchöre, alle Fans die Maske auf, ohne das sie einer daran erinnert. Statt dessen? Klatschen, Trommeln usw. Wo erlebe ich das im Alltag, wenn ich durch Berlin gehe? Da rede ich noch nicht von Partys, Hochzeiten, Geburtstagen oder Demos und anderen Veranstaltungen. Das Testspiel gegen Nürnberg war ja auch offensichtlich kein Superspreader-Event. Anfang Oktober Maffey in der Waldbühne, danach Mario Barth. Wo war da der Aufschrei? Darf ich beim Gottesdienst in der der Kirche noch singen? Wäre im Unterschied zu der Alten Försterei ein Innenraum... Ich kann heute nur den Hut vor allen Unionern ziehen, die gezeigt haben, daß Fußballfans verantwortungsbewusst sind… Ehrlich, ich konnte zum Stadion laufen, die Anreise per Straßenbahn wäre vom Abstand her gefährlicher gewesen…

  16. 46.

    "Präsident Dirk Zingler verweist bei der Eindämmung seit Monaten gerne auf die Eigenverantwortung aller. Gleichzeitig traf sich Stürmer Max Kruse mit wildfremden Fans und dokumentierte das sichtbar in den sozialen Netzwerken. Sein Verhalten steht stellvertretend für das Bild des Vereins."


    Sehr gegehrter Herr Oppermann,

    Kruses saudumme Aktion steht sicher nicht "stellvertretend für das Bild des Vereins". Und dass Zingler auf die Eigenverantwortung aller rekurriert, dürfte angesichts der steigenden Infektionszahlen nicht weniger als eine Universalbotschaft sein. Dass Sie gerade jetzt, wo es darum geht die Risikogruppen durch staatliche Maßnahmen besonders zu schützen und den 'weniger Gefährdeten' mehr Eigenverantwortung zuzusprechen, eine derartige Polemik ablassen, ist einigermaßen enttäuschend.

  17. 45.

    Zurückstufen in die Kreisliga. Das scheint das passende Format für diesen Verein zu sein.

  18. 44.

    Was denn hier los ? Fahren Sie S- Bahn-Ring und U6? Das sind 2 volle Alte Försterien !! Mindestens ! Das jucklt sie anscheinend nicht !?

  19. 43.

    Ist doch nicht nur der auf enthalt im Stadion, die ja schon meine Gesichtszüge entgleisen lassen....Der Abmarsch aus dem Stadion.....Ok......Das alles ist Unvernunft.....und vieles noch mehr

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