Die Mitgliederversammlung bei Hertha BSC im Olympiastadion. Quelle: dpa/Jörg Carstensen
Audio: inforadio | 25.10.2020 | Guido Ringel | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Gegenbauer auf Mitgliedersammlung knapp wiedergewählt - Hertha mit Rekord-Ausgaben - und Einnahmen-Minus durch Corona

Hertha BSC hat in der letzten Saison so viel Geld ausgegeben wie nie zuvor, das wurde auf der Mitgliederversammlung bekannt gegeben. Die Corona-Krise macht dem Klub allerdings zu schaffen. Wie erwartet wurde Präsident Gegenbauer wiedergewählt - wenn auch knapp.

Hertha BSC hat in der Vorsaison 181,2 Millionen Euro ausgegeben - so viel wie nie zuvor. Das ist eine Steigerung von knapp zehn Millionen Euro gegenüber der Saison 2018/19. Rund 80 Millionen Euro waren Personalkosten, 70 Millionen davon direkt für die Lizenzspieler. Auch das sind Rekorde für die ausgegliederte Profiabteilung der Charlottenburger. Die Zahlen nannte Finanzchef Ingo Schiller am Sonntag auf der Mitgliederversammlung, die wegen der Corona-Schutzverordnung im Olympiastadion stattfand. Rund 1.000 Mitglieder versammelten sich in der Ostkurve.

Auf der Einnahmenseite der Hertha-Profiabteilung standen 122,2 Millionen Euro. Damit gab es 2019/20 einen Jahres-Fehlbetrag von 59 Millionen Euro. Als Hauptgrund nannte Schiller vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie seit März: "Keiner kann etwas dafür, dass jetzt 35 Millionen Einnahmen fehlen."

Hertha spürt die Corona-Krise

Die Verbindlichkeiten sind zum Stand 30. Juni diesen Jahres auf die Rekordhöhe von 141,8 Millionen Euro gestiegen, berichtete Schiller. Dem stehe aber ein Eigenkapital von 146,7 Millionen Euro entgegen, was zu größeren Teilen aus den Investitionen der Tennor-Gruppe von Unternehmer Lars Windhorst resultiert.

Der Klub rechnet wegen der Corona-Krise auch in dieser Saison mit Einnahme-Verlusten im mittleren zweistelligen Millionenbereich. "Wir planen die komplette Saison mit Geisterspielen", sagte Schiller - und damit ohne Zuschauereinnahmen. Das sei auch eine Vorgabe der Deutschen Fußball Liga (DFL). Dennoch sieht der Finanz-Geschäftsführer vor allem durch die im Herbst auf 374 Millionen Euro steigenden Investitionen von Windhorst Hertha in einer guten wirtschaftlichen Position.

Gegenbauer wiedergewählt - Mannschaft nicht im Stadion

Die Mannschaft und das Trainerteam verzichteten auf den sonst üblichen Besuch bei der Mitgliederversammlung, um sich nicht einem erhöhten Corona-Risiko auszusetzen.

Wiedergewählt wurde Präsident Werner Gegenbauer - er war der einzige Kandidat für den Posten. Der 70-Jährige erzielte mit einer Mehrheit von rund 54 Prozent allerdings das schlechteste Ergebnis seit seinem Amtsantritt im Jahr 2008. Gegenbauer erhielt 542 der 1.028 Stimmen, 421 Mitglieder stimmten mit "Nein", 49 enthielten sich. Der Unternehmer geht damit in sein 13. Jahr als Präsident von Hertha BSC. Vereinzelt gab es Pfiffe. Gegenbauers Vize bleibt Thorsten Manske.

Keine Neuigkeiten gab es in der Stadionfrage. Präsident Gegenbauer sagte leglich, dass "in den nächsten zwei Jahren eine Entscheidung fallen muss".

Preetz glaubt an Europa, bittet aber um Geduld

Sportlich traut Manager Michael Preetz dem aktuellen Profikader trotz der momentan angespannten Situation in absehbarer Zukunft einen Platz im Europacup zu. "Ich möchte hier ausdrücklich noch einmal um Geduld werben. Wir sind überzeugt, dass der Kader mittelfristig das Zeug hat, dahin zu kommen, wonach wir uns alle sehen: ins internationale Geschäft", sagte Preetz.

"Mit drei Punkten aus den ersten fünf Spieltagen kann und darf man nicht zufrieden sein. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft auf Dauer erfolgreich sein wird. In dieser Situation brauchen wir Vertrauen", erklärte der Manager weiter.

Sendung: rbbUM6, 25.10.20, 18:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Mit einer arroganten Überheblichkeit nahm 'Präsi Geg's" die Wahl erneut an! Genauso unverschämt begegnete er diversen Fragen aus der Ostkurve. Diese Rübe ist schon lange kein Herthaner mehr!

  2. 1.

    ich rechne
    59 Mio - 35 Mio ergibt immer noch Minus 24 Mio oder ?
    und nun .......374 Euro steigenden Investitionen von Windhorst ........ ??
    das ist nicht mal ein BVG Jahresabo

    also es geht Berg auf Richtung Euro Liga

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