Hertha nach der dritten Pleite in Folge - Herbstlich ungemütlich

Bruno Labbadia im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Quelle: imago images/Contrast
Audio: Inforadio | 18.10.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Contrast

Fünf Pflichtspiele, vier Niederlagen: Herthas Saisonstart ist missglückt. Gegen Stuttgart ließen die Blau-Weißen zu viele Chancen liegen, agierten in der Abwehr fehlerhaft. Am Tag nach der Pleite zeigte sich Trainer Labbadia gerade mit der Körpersprache seiner Elf unzufrieden. Von Jonas Bürgener

Die Pfiffe im Berliner Olympiastadion waren deutlich zu vernehmen. Bereits in der Halbzeit machten die 4.000 zum Spiel zugelassenen Hertha-Fans ihrem Unmut Luft, nach dem Abpfiff wurde das Pfeifkonzert noch lauter. Die 0:2 (0:1)-Niederlage gegen Aufsteiger Stuttgart bedeutete für Hertha die dritte Pleite in Folge. Nach vier Spieltagen in der Fußball-Bundesliga stehen die Blau-Weißen gerade einmal mit drei Punkte da. Hinzu kommt das blamable Erstrunden-Aus im DFB-Pokal bei Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Bei der Hertha, die mit großen Erwartungen in die Saison gestartet war, wird es bereits früh herbstlich ungemütlich.

Labbadia verzweifelt, fragend, lautstark

Auch Trainer Bruno Labbadia war die Unzufriedenheit über die Leistung seiner Mannschaft schon während der Partie gegen die Schwaben deutlich anzumerken. Immer wieder hob er verzweifelt die Arme, drehte sich mit fragendem Blick zu seinen Co-Trainern auf der Auswechselbank um und versuchte über lautstarke Anweisungen Einfluss auf das Spiel seiner Elf zu nehmen.

Gerade in der ersten Halbzeit wirkte Hertha planlos, unstrukturiert und offenbarte speziell in der Verteidigung erneut grobe Mängel. Beim frühen 1:0 durch Stuttgarts Marc-Oliver Kempf (9. Minute) war kein Herthaner weit und breit zu sehen, der Verteidiger konnte sich die Ecke nach einem Freistoß von der linken Seite beinahe aussuchen und köpfte problemlos zur Führung für den VfB ein. "Wir haben viele Dinge vermissen lassen, teilweise auch nicht die richtige Körpersprache gezeigt", sagte Labbadia am Tag nach dem Spiel. "Nach dem 0:1 gingen zu sehr die Köpfe nach unten".

In der Offensive zu ineffektiv

Auch in der Offensive spielte Hertha im ersten Abschnitt äußerst blass. Sinnbildlich dafür war, dass die einzige bessere Gelegenheit in den ersten 45 Minuten durch einen Stuttgarter zu Stande kam. Orel Mangala bescherte Hertha fünf Minuten vor der Halbzeit fast noch den Ausgleich - es wäre ein schmeichelhafter Pausenstand gewesen.

Nach dem Seitenwechsel wurde Hertha dann zwar besser, das Tor schoss aber erneut der Gast. Nachdem VfB-Angreifer Sasa Kalajdzic kurz nach Wiederanpfiff (47.) trotz hunderprozentiger Chance noch das 2:0 liegenließ, erhöhte Stuttgarts Kapitän Gonzalo Castro in der 68. Minute und sorgte so für die Vorentscheidung. Wieder resultierte das Tor aus einem Fehler der Hertha. Der effektive Aufsteiger nutzte einen haarsträubenden Ballverlust von Hertha-Neuzgang Deyovaisio Zeefuik im Mittelfeld stark aus.

Das Hertha zuvor einige Chancen vergab, in der Offensive insgesamt einfach zu ineffektiv war, weiß auch Labbadia. "Mich hat gestört, dass sich Spieler in der Offensive nicht an die Struktur gehalten haben, die wir in den letzten Spielen schon drin hatten", sagte er. "Wir waren da zu statisch".

Leipzig wartet

Der Übungsleiter betonte am Sonntag ausdrücklich, dass er "noch nicht alarmiert" sei. Immer wieder bekräftigte der Coach, dass sich sein Team mit vielen Neuzugängen erst noch finden müsse.

Trotzdem wartet auf Labbadia in der nächsten Woche viel Arbeit. Am kommenden Wochenende muss Hertha zum derzeitigen Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig. In acht Spielen gegen die Sachsen verlor Hertha bislang sechs Mal. Bei Weitem keine guten Vorzeichen für die Blau-Weißen. Doch RB spielt in dieser Woche in der Champions League, während Hertha jetzt sieben Tage hat, um sich auf die Partie vorzubereiten.

Die werden nötig sein, um die Fehler aus dem schwachen Auftritt gegen Stuttgart aufzuarbeiten. Und um die Stimmung bei Hertha BSC nicht noch ungemütlicher werden zu lassen.

Sendung: rbbUM6, 18.10.20, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

6 Kommentare

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  1. 6.

    ...Von dem finanziellen Input des Sponsors ist bei Hertha nichts zu sehen. Hätte er auch wohltätig spenden können!

  2. 5.

    Tja, wenn man auch so viele Gute ohne erkennbaren Grund gehen lässt oder verleiht........die schießen jetzt die Tore anderswo.
    Mag man vom Abgang von JK (dessen Art und Weise auch ich sch..fand) halten, was man will: ein Quäntchen Wahrheit wird schon dran gewesen sein!

  3. 4.

    Mit der Einstellung wird es sehr schwer diese Saison. Geld haben und richtig ausgeben kann nicht jeder. Hahohe

  4. 3.

    Das war doch alles klar, wenn man die Transferphase so verhaut. Man wusste doch von den Abgängen.
    Aber vielleicht war Preetz ja mit dem Megadeal des neuen Trikotsponsor und dem Spatenstich des neuen Stadions beschäftigt. Mit Transfers hat er sich wahrscheinlich nur am Rande beschäftigt.

  5. 2.

    Jetzt bleibt mal alle ganz ruhig. Hertha wird das Ruder wieder rumreißen. Und Pfeiffen hilft keiner Mannschaft. Ich dachte Fans sind dafür da ihr Lieblingsverein Mut zu machen und zu unterstützen. Viele Grüße von einem der es mit Hertha hält.

  6. 1.

    Der Fisch stinkt immer vom Kopf zuerst - und damit ist sicher nicht der Trainer gemeint.

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