Union-Verteidiger Christopher Lenz im Duell mit Schalke-Stürmer Vedad Ibisevic. / imago images/Poolfoto
Audio: Inforadio | 18.10.2020 | Burkhard Hupe | Bild: imago images/Poolfoto

1:1 bei Schalke 04 - Union Berlin holt einen Punkt im Ruhrpott

Der 1. FC Union kehrt mit einem Punkt aus Gelsenkirchen in die Hauptstadt zurück: Die Köpenicker spielten 1:1 bei Schalke 04 - und liegen nun auf dem zehnten Tabellenplatz. Die zwischenzeitliche Führung erzielte das Team von Urs Fischer nach bewährtem Modell.

Der Spielverlauf

Der 1. FC Union hat am Sonntagabend bei Schalke 04 einen Punkt geholt. Die Köpenicker trennten sich mit 1:1 (0:0) von den Königsblauen. Marvin Friedrich hatte das Team von Urs Fischer zunächst in Führung gebracht (55.), Goncalo Paciencia den Ausgleich erzielt (69.). Union steht damit nach vier Spieltagen mit fünf Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz. Für Schalke war es der erste Zähler. Sie warten seit nunmehr 20 Ligaspielen auf einen Sieg.

Die Antwort auf die spannendste Frage hatte es eine Stunde vor dem Anpfiff gegeben, als der Spielberichtsbogen veröffentlicht wurde: Fischer setzte weiter auf Andreas Luthe im Tor. Loris Karius - leihweise aus Liverpool nach Köpenick gekommen - muss zumindest vorerst noch auf seine Chance warten. Auszeichnen konnte sich der 33-jährige Luthe kaum. Schalke - mit Ex- Unioner Steven Skrzybski und Ex-Herthaner Vedad Ibisevic in der Startelf - war in einer insgesamt ausgeglichenen ersten Halbzeit offensiv völlig harmlos.

Wenn es mal gefährlich wurde, dann nur vor dem Tor der Königsblauen. Zwischen der 20. und 22. Minute kam der 1. FC Union zu einem Chancen-Hattrick: Erst flog ein Kopfball von Marius Bülter noch leicht abgefälscht über das Tor - und in der Folge verhinderte Frederik Rönnow im Kasten der Hausherren erst bei einem Seitfallzieher von Grischa Prömel und dann bei einem Distanzschuss von Robert Andrich mit starken Paraden die frühe Führung der Köpenicker.

Nach der Pause war es dann - ausgerechnet - Ex Schalker Marvin Friedrich, der die Gäste in Führung brachte. Der Treffer fiel nach bewährtem Modell: Kapitän Christopher Trimmel flankte von der rechten Seite, Friedrich köpfte in der Mitte ein (55.). Zunächst schien es so, als würde den Schalkern auch nun nicht viel einfallen. Doch nach knapp 70 Spielminuten wurden sie dann doch gefährlich: Erst konnte Luthe einen Schuss von Skrzybski mit starkem Reflex an die Latte lenken, doch die anschließende Ecke von Omar Mascarell köpfte Goncalo Paciencia zum 1:1 ein. (69.) Es sollte gleichzeitig der Endstand sein.

Die Kurz-Analyse

Nach der Partie wussten die Unioner nicht so richtig, was sie nun mit diesem Ergebnis anfangen sollten. Na klar, sie hatten auswärts einen Punkt geholt - bei einer Mannschaft, die vor noch nicht allzu langer Zeit um Welten entfernt von der Köpenicker Realität schien. Doch inzwischen sind die Berliner selbst längst nicht mehr der unerfahrene Aufsteiger und Schalke - klingender Name hin oder her - nicht mehr das Team mit Europa-Ambitionen. Im Gegenteil: Während die Eisernen gefestigt sind, kriselt es bei Schalke seit Monaten gehörig.

Das blieb auch in diesem Spiel nicht verborgen. Union hatte mehr Struktur. Union hatte mehr Chancen. Und Union hätte gut und gerne mehr als diesen einen Zähler holen können. Wenn, ja wenn sie ihre Möglichkeiten denn konsequenter genutzt hätten. "Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Der Punkt ist okay. Aber zwei haben wir verloren", sagte Torwart Andreas Luthe - und ganz ähnlich klang es auch beim Torschützen Marvin Friedrich: "Schalke hatte nicht viele Torchancen. Wir kriegen ein Eckball-Gegentor - sonst hatte Schalke nichts. Ich denke, dass wir auch drei Punkte hätten mitnehmen können."

Die Zeiten, in denen Union als Underdog durch die Liga reist und durchaus zurecht jeden Punkt feiert, sind vorbei. Aus dieser Position haben sie sich mit ihrer eigenen starken Entwicklung herausgearbeitet. An diesem Abend auf Schalke war das Team von Urs Fischer - auch wenn sie das in Köpenick selbst nie so sagen würden - im Vorhinein womöglich sogar der Favorit. Sicher ist: Es verkörperte diese Rolle über weite Strecken des Spiels auf dem Feld. Dass sie sich nicht belohnten, müssen sie sich auch selbst ankreiden. Sie hätten die sichtbar wackligen Hausherren frühzeitig entscheidend schlagen können. Verdient wäre es gewesen.

Das sagt das Netz

Schalke 04 weiß, bei wem sie sich nach diesem Spiel bedanken müssen.

Während Frankfurt-Power S04 rettete, machte Union es so, wie sie es so oft machen. Flanke Trimmel, Kopfball, Tor - Sie wissen schon. Da kann man als Fan schon mal auf Ideen kommen ...

Die Stimmungslage nach dem Spiel ist bei den Fans der Eisernen dann nur bedingt euphorisch. Und gleichzeitig wissen sie in Köpenick: Dass sie sich ein bisschen ärgern, zeigt gleichzeitig auch, wie weit es ihr Verein in den vergangenen Jahren gebracht hat.

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbb24, 18.10.20, 21:45 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Zitat: "Schön, wie es bei Union immer automatisch um Hertha geht, anstatt auf sich selbst zu gucken."

    Nur wenn gehässige HBSC Fans unreflektierte Kommentare unter Berichte zum FCU schreiben . . . anstatt auf sich selbst zu gucken.

    Beitrag #2: https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2020/10/berlin-fussball-hertha-bsc-nach-niederlage-vfb-stuttgart-bundesliga.html

  2. 6.

    Letztes Jahr hat Union 2:1 auf Schalke verloren, und....???!
    Aber in Leipzig scheinen - bis auf Chemie und Lok - fussballkulturell sowieso die Maßstäbe verrutscht zu sein, seit sich dort eine Rasenballsport nennende österreichische Konzernfiliale eines Brausemäzens mit willfähiger Genehmigung vom Sächsischen Verband, DFB&DFL einzig zu Marketingzwecken breit gemacht hat....

  3. 5.

    unentschieden vs.schalke,da steigt man ab

  4. 4.

    Schön, wie es bei Union immer automatisch um Hertha geht, anstatt auf sich selbst zu gucken.

  5. 3.

    Sie haben vollkommen recht, "Genervt" : ein 1:1 auswärts gegen Schalke 04 ist natürlich nichts gegen ein 0:2 zuhause gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart!

  6. 1.

    Der wahre BIG CITY ClUB sind die Eisernen.

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