Jhon Cordoba von Hertha (l.) und Max Kruse von Union (r.). Quelle: imago images
Audio: Inforadio | 06.10.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images

Ende der Sommer-Transferphase - So haben sich die Kader von Hertha und Union verändert

Union wurde bereits früh auf dem Transfermarkt tätig, Hertha erst auf den letzten Drücker. Am Ende haben sich beide Kader auf einigen Positionen im Vergleich zur letzten Saison verändert. rbb|24 schätzt die Transferaktivitäten der beiden Berliner Bundesligisten ein.

Union Berlin

Abgänge

Insgesamt verließen Union Berlin in dieser Transferperiode mehr als 15 Spieler. Die namhaftesten Abgänge sind Stürmer Sebastian Andersson, der in der vergangenen Saison mit zwölf Bundesliga-Treffern Unions bester Torschütze war und zum 1. FC Köln wechselt. Und Torwart Rafal Gikiewicz, mit dem sich die Eisernen nicht über eine Vertragsverlängerung einig werden konnten und ihn zum FC Augsburg ziehen ließen.

Außerdem verließen mit Neven Subotic (Denizlispor) und Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) gleich zwei Innenverteidiger den Klub, die in der vergangenen Spielzeit zumindest phasenweise zum Stammpersonal zählten. Auch Derby-Held Sebastian Polter heuerte bei einem neuen Klub an. Der Angreifer spielt nach geräuschvollem Abgang mittlerweile in den Niederlanden für Fortuna Sittard.

Neuzugänge

Wie im Vorjahr glich Union die vielen Abgänge mit ähnlich vielen Neuzugängen aus. Gleich 12 Spieler sind neu in Köpenick. Insbesondere Ex-Nationalspieler Max Kruse (vereinslos, zuletzt Fenerbahce Istanbul) und der frisch verpflichtete Torhüter Loris Karius (FC Liverpool) sorgen für neuen, bislang kaum dagewesenen Glanz rund ums Stadion An der Alten Försterei.

Mit den Verpflichtungen von Karius und dem aus Augsburg kommenden Andreas Luthe reagierte man gleich doppelt auf den Abgang von Stammtorhüter Gikiewicz. Auch Stürmer Andersson soll gleich mit mehreren Personalien ersetzt werden. Erst kürzlich stieß Joel Pohjanpalo per Leihe von Bayer Leverkusen zum Team von Urs Fischer dazu. Auch Kruse, der Nigerianer Taiwo Awoniyi (Leihe, FC Liverpool) und Cedric Teuchert (FC Schalke) sollen dabei helfen, die Lücke zu schließen, die der Schwede hinterlassen hat. Auf die Abgänge von Subotic und Schlotterbeck reagierte man mit den Verpflichtungen von Robin Knoche aus Wolfsburg und der Leihe von Keven Schlotterbecks Bruder Nico, der aus Freiburg für ein Jahr zu Union kommt.

rbb|24-Einschätzung

Union Berlin setzt auf das, was sich bereits in der letzten Saison bewährt hat: Mit erfahrenen Spielern soll auch in der zweiten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte der Klassenerhalt gelingen. Zwar zeugen die erneut vielen Wechsel im Kader der Eisernen nicht gerade von Kontinuität, doch auch in dieser Saison hat Manager Oliver Ruhnert vieles richtig gemacht, das Ziel Klassenerhalt ist für den 1. FC Union durchaus erreichbar.

Mit Kruse, Awoniyi und Pohjanpalo fängt man den Abgang von Stürmer Andersson mit mehreren neuen Angreifern und verschiedenen Spielertypen auf. Gut möglich, dass Union durch die Neuzugänge sogar noch flexibler in seinem Spiel nach vorne wird - Ansätze dafür waren in den ersten Spielen zumindest sichtbar.

In der Abwehr hat man mit Robin Knoche, der in Wolfsburg nicht nur auf 186 Bundesliga-Einsätze kommt, sondern auch schon in den internationalen Wettbewerben spielte, einen sehr erfahrenen Spieler dazugewonnen. "Knoche bringt mit seiner Erfahrung ganz viel Ruhe und Gelassenheit mit, das merkt man in jeder Situation. Seine Mitspieler neben ihm profitieren da immens von", sagt auch Ex-Union Manager Christian Beeck im rbb Sport-Podcast "Hauptstadtderby".

Und auch der junge Innenverteidiger Nico Schlotterbeck hat in den ersten Spielen bewiesen, dass er ein Gewinn für den Kader ist und gemeinsam mit Knoche und Marvin Friedrich ein stabiles Abwehr-Zentrum bilden kann.

Hertha BSC

Abgänge

Hertha BSC verabschiedete in dieser Transferperiode 12 Spieler. Mit Vedad Ibisevic (Schalke 04), Per Skjelbred (Rosenborg) und Salomon Kalou (Botafogo) verlassen gleich drei sehr erfahrene Akteure den Verein, die schon lange bei Hertha gespielt haben. Hinzu kommen die Mittelfeldspieler Marko Grujic (FC Liverpool) und Marius Wolf (Dortmund, aber erneut nach Köln ausgeliehen), die in der vergangenen Spielzeit - wenn nicht gerade verletzt - ebenfalls zum ersten Aufgebot der Blau-Weißen gehörten. Mit Arne Maier verließ zudem ein Hertha-Eigengewächs den Klub. Der U21-Nationalspieler ist für ein Jahr an Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld ausgeliehen.

Auch der Abgang von Youngster Lazar Samardzic, der den Klub in Richtung Leipzig verließ und als eines der größten Talente bei Hertha galt, sorgte für Aufsehen. Viele Hertha-Fans hätten sich einen Verbleib in Berlin gewünscht.

Neuzugänge

Neu in seinem Kader begrüßte Trainer Bruno Labbadia neun Spieler: Jhon Cordoba wechselte aus Köln an die Spree und verstärkt Herthas Angriff. Mit Alexander Schwolow verpflichteten die Charlottenburger einen neuen Stammtorhüter, der (zumindest vorerst) Rune Jarstein zwischen den Pfosten verdrängt hat.

Vom Niederländer Deyovaisio Zeefuik (Groningen) und dem bereits im Winter für die neue Saison verpflichteten Lucas Tousart (Lyon) erhofft sich Hertha mehr Stabilität und Robustheit in der Defensive. Auch Omar Alderete, der aus Basel nach Berlin wechselte und Eduard Löwen (an Augsburg ausgeliehen) sollen die Hintermannschaft verstärken.

Vom 21-jährigen Franzosen Matteo Guendouzi (FC Arsenal), der für ein Jahr vom Londoner Premier-League-Klub ausgeliehen ist, erhofft sich Hertha mehr Flexibilität im Mittelfeld.

rbb|24-Einschätzung

Lange Zeit tat Hertha sich in diesem Sommer schwer auf dem Transfermarkt. In den Medien kursierten diverse Gerüchte. Dingfest wurden zunächst nur die Zugänge von Cordoba, Schwolow und Zeefuik gemacht. Am letzten Tag der Transferphase gelang es den Charlottenburgern dann aber doch noch, zumindest etwas mehr Tiefe in ihren Kader zu bekommen. Auf den letzten Drücker gaben die Blau-Weißen die Zugänge von Löwen, Guendouzi und Alderete bekannt.

Und trotzdem ist Herthas Kader bei weitem nicht üppig besetzt. Allzu viele Verletzungen dürfen der ersten Auswahl nicht zustoßen, um Trainer Labbadia nicht ins Schwimmen zu bringen. Fest steht auch: Hertha hat an Erfahrung im Kader verloren, neue Hierarchien müssen sich erst noch bilden.

In seiner ersten Elf darf sich Labbadia allerdings über vielversprechende Verstärkungen freuen: Stürmer Cordoba hat bereits in seinen ersten Einsätzen gezeigt, dass er mit seiner Schnelligkeit und gleichzeitigen Robustheit ein Gewinn im Hertha-Angriff ist. "Cordoba hat das Potenzial zum Pubikumsliebling", sagt Ex-Hertha-Stürmer Axel Kruse im Podcast "Hauptstadtderby". "Er hat in den ersten drei Spielen schon zwei Tore gemacht, überzeugt mit seiner Körperlichkeit. Eigentlich könnte er auch American Football spielen. Ein guter Transfer, er macht die Truppe ein Stück besser". Zusammen mit den bereits in der letzten Saison verpflichteten Matheus Cunha, Dodi Lukebakio und Krzysztof Piatek kann Hertha eine im Bundesliga-Vergleich sehr gute Offensive vorweisen.

Im Tor reagiert man auf die vermehrten Patzer von Rune Jarstein in der letzten Saison und verstärkt sich mit Alexander Schwolow, der in Freiburg zu einem guten Bundesliga-Keeper reifte. Auch er ist ein Gewinn im Vergleich zur letzten Spielzeit. In der Abwehrkette vor ihm bleibt abzuwarten, ob der erst kürzlich verpflichtete Alderete für weitere Stabilität sorgen kann.

Sendung: rbbUM6, 05.10.20, 18 Uhr

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