Mädchen fährt auf einem Einrad
Video: Philipp Höppner | Bild: rbb

Einrad-Fahren beim TSV Falkensee - Disney-Prinzessinnen auf der Spur

Es ist ein Mix aus Show und Sport: In bunten Kostümen fahren sie auf Einrädern zu Musik und eigener Choreographie durch die Halle. Der TSV Falkensee möchte die Sportart populärer machen und Vereine der Region miteinander verbinden. Von Jonas Schützeberg

Das einzige, was in der Sporthalle mehr strahlt als die Goldmedaille um ihren Hals, ist sie selbst. Louisa Hanack hat soeben ihren ersten Wettkampf im Einradfahren gewonnen: "Es ist richtig krass und ich bin ziemlich überrascht", sagt die Zehnjährige glücklich.

Wenige Minuten zuvor ist sie akrobatisch und laut singend auf ihrem Rad durch die Halle geturnt, angefeuert von den klatschenden Zuschauern. Mit Blumenkranz im Haar und rotem Kleid tauchte sie ein in die Rolle der Disney-Prinzessin Vaiana. Lousia schwärmt: "Sie ist frei und sie erlebt Abenteuer, das finde ich einfach cool." Die Konkurrentinnen der Zehnjährigen sind andere Kinder-Idole wie die Eiskönigin, Rapunzel oder Hermine Granger aus den "Harry Potter"-Filmen.

Ein Zusammenspiel aus Technik, Musik und Choreographie

Der "Unimotion-Cup" ist ein kurzfristig ins Leben gerufener Wettkampf des TSV Falkensee, so etwas wie eine vereinsinterne Meisterschaft. In unterschiedlichen Klassen fahren die Teilnehmer gegeneinander, zeigen ihre Tricks auf dem Rad. "Wir wollten den Kindern die Möglichkeit bieten, lang eingeübte Küren zu zeigen. Das wäre bitter, wenn die ganze Arbeit verpufft. Auch die Eltern sollten sehen können, was sich ihre Kinder im Training alles erarbeitet haben", erklärt Trainerin Jana Ritter. Coronabedingt gibt es in diesem Jahr sonst keine Wettkämpfe mehr.

Beim Einradfahren werden unterschiedliche Komponenten bewertet. Zum einen zählt die Technik. Es werden die Anzahl und die Dauer der Tricks bewertet, so wie die Schwierigkeit und die Sauberkeit in der Ausführung. Auf der anderen Seite zählen die Präsenz, also wie ein Teilnehmer die Rolle verkörpert, die Choreographie und das musikalische Timing.

Jana Ritter zeigt sich von Louisas Kür begeistert: "Sie hat Talent, mit ihrer Ausstrahlung kann sie die Zuschauer fesseln. Ich glaube nicht, dass sie technisch unbedingt die Beste war, aber sie hat performt."

Louisa Keller sitzt erst seit gut einem Jahr auf dem Einrad, hat die Liebe zum Sport beim TSV Falkensee für sich entdeckt: "Es ist einfach cool. Man sieht nicht jeden Tag einen auf der Straße, der Einrad fährt."

"Wir wollen eine große Familie werden"

Der zweitgrößte Verein Brandenburgs hat ungefähr 4.000 Mitglieder, knapp 40 davon sind auf dem Einrad unterwegs, gehören zur Rollsportgruppe. Sie unterteilen sich in Wettkampf- und Showfahrer sowie einen Breitensportbereich und sind wie eine große Familie. "Wir arbeiten eng mit den Eltern der Kinder zusammen. Es gibt viele Helfer, wenn etwas ansteht, egal ob es ein Catering oder die Organisation einer Veranstaltung ist. Wir verstehen uns alle gut, die Kinder sind gut befreundet", sagt Ritter.

Seit 2006 gibt es die Einrad-Abteilung innerhalb des Vereines. Zwischen den älteren und den jüngeren Sportlern gibt es Patenschaften, sie helfen sich bei der Technik, beim Erlernen von neuen Tricks. In Brandenburg gibt es drei größere Vereine rund um Berlin. Neben dem TSV einen in Fredersdorf und einen sozialpädagogisch ausgerichteten bei Orankethal.

Jana Ritter träumt davon, diese drei stärker miteinander zu verbinden: "Wir versuchen gerade eine große Familie zu werden. In der Vergangenheit hat jeder sein Süppchen gekocht, durch Corona sind wir auseinandergerückt. Wir wollten eigentlich eine gemeinsame Meisterschaft machen, bei der Fahrer aus den unterschiedlichen Vereinen eine Gruppenkür aufführen sollten, ohne Vorbereitung und improsvisiert. Das fällt dieses Jahr leider aus."

"Es war wahnsinnig aufregend"

Genau eine Minute hat die Kür von Louisa gedauert. Sie ist zwar fehlerfrei geblieben, aber eine Prinzessin möchte natürlich perfekt sein: "Ich finde, ich habe es gut gemacht, das Pendeln hätte etwas besser sein können, aber im Wettkampf war ich ganz schön aufgeregt."

Auch die Trainierin zeigt sich zufrieden und glücklich über das Event in Falkensee: "Es war wahnsinnig aufregend, so etwas haben wir noch nicht veranstaltet. Ich war aufgeregter als die Kinder und habe bei jedem mitgefiebert. Ich habe die Küren mit gebaut, es ist ein schönes Erlebnis, wenn bei der Kür dann alles so toll klappt."

Mit der Goldmedaille um den Hals sitzt Louisa noch lange Zeit inmitten ihrer Fans und schaut bei den anderen Konkurrenzen zu. Diesen besonderen Tag als Vaiana wird sie wohl nie vergessen.

Sendung: rbbUM6, 26.10.2020, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Schützeberg

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