Testspiel mit Zuschauern, 1. FC Union Berlin - Hannover 96, Fans von Union auf der Tribüne, 08.10. 2020. (Quelle: imago images/M. Koch)
Video: rbb24 | 08.10.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/M. Koch

Berliner Infektionsschutzverordnung - Fan-Gesänge in Stadien verboten - bei Union-Spiel wird trotzdem gesungen

Die aktuell geltende Berliner Infektionsschutzordnung sagt: Fan-Gesänge und Sprechchöre sind bei Sportveranstaltungen nicht erlaubt. Beim Testspiel von Union gegen Hannover wurde dennoch gesungen - obwohl der Verein von dem Verbot wusste.

Fan-Gesänge und Sprechchöre sorgen bei Sportevents sonst für Stimmung im Stadion. In Berlin sind sie aber laut der Infektionsschutzverordnung des Senats, die seit dem 3. Oktober gültig ist, aktuell nicht erlaubt. "Der sportliche Wettkampfbetrieb ist zulässig, soweit er im Rahmen eines Nutzungs- und Hygienekonzeptes des jeweiligen Sportfachverbandes stattfindet", heißt es unter Paragraph fünf der Verordnung. "Zuschauende sind unter Einhaltung der in § 6 festgeschriebenen Personenobergrenzen für zeitgleich Anwesende bei einer Veranstaltung, wobei die für den Spielbetrieb erforderlichen Personen bei der Berechnung der Personenobergrenze berücksichtigt werden, zulässig. Fan-Gesänge und Sprechchöre sind zu unterlassen."

Union wusste von der Verordnung

In der fünften Verordnung hatte es noch einen Passus gegeben, der erlaubte, dass "Schutz- und Hygienekonzepte von Veranstaltungsstätten [...] detailliertere Regelungen treffen" können. Dieser Satz wurde in der neuen Verordnung jedoch gestrichen, wodurch Fan-Gesänge und Sprechchöre ohne Ausnahme verboten sind.

Wie eine Sprecherin des Gesundheitsamtes Treptow-Köpenick rbb|24 bestätigte, wurde der 1. FC Union Berlin über die geänderte Verordnung informiert. Vor dem Testspiel der Berliner gegen Hannover 96 am Donnerstag gab es im Stadion jedoch keine entsprechenden Durchsagen. Die Fans sangen fast während der gesamten Spielzeit.

"Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen."

Unions Pressesprecher Christian Arbeit bestätigte rbb|24 nach dem Spiel, dass der Verein von der aktuell geltenden Verordnung wisse. "Grundsätzlich kommt man langsam an die Grenzen dessen, was man noch nachvollziehen und verstehen kann. Als wir hier letzte Woche Freitag gespielt haben, was das ganz selbstverständlich noch erlaubt - und es sind ja keine anderen Menschen, die fünf Tage später hier sind, ein ganz ähnliches Erlebnis erleben und sich viel Mühe geben, alle bisher bekannten Regeln einzuhalten", so Arbeit.

"Singen in geschlossenen Räumen ist bei Abstand nach wie vor erlaubt, Singen im Freien plötzlich nicht mehr", sagte Arbeit weiter. "Schulkinder gehen im Musikunterricht auf den Hof, wenn sie singen sollen, weil sie dann draußen sind. Hier soll man aber nicht singen." Auf die Frage, warum der Verein seine Zuschauer nicht auf die geltenden Regeln hingewiesen habe, antwortete er: "Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen." Mit dem Gesundheitsamt befinde sich der Verein in stetigem Austausch, Sanktionen erwarten die Köpenicker nach eigener Aussage nicht.

Sendung: rbb24, 08.10.2020, 22:10 Uhr

74 Kommentare

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  1. 73.

    Ja und? Ich bin mit vielen Fans die das Spiel besucht haben mit der S-Bahn gen Stadtmitte gefahren; alle trugen MNS und haben in der Bahn weder gesungen noch gegrölt oder sich sonstwie unsozial verhalten.

    Diese Menschen kamen von einer Veranstaltung die unter Hygieneauflagen stattgefunden hat; sie hier als "Gefährder" hinzustellen, finde ich reichlich daneben.

  2. 71.

    Ähem, was wollen Sie mir damit sagen, lieber Redakteur? Natürlich kann jemand der eine Influenza in sich trägt jemand anderen damit anstecken, das ist ja das Vermaledeite an Viruserkrankungen. Nur bezweifle ich stark, dass die Wahrscheinlichkeit dafür beim Singen im Freien mit ausreichend Sicherheitsabstand besonders hoch ausfällt.

    In Berlin leben nahezu 4.000.000 Menschen relativ eng beieinander, da muss man sicher etwas umsichtiger als bpsw. im ländlichen Brandenburg agieren. Aber bei allem Verständnis, ein "Flüstergebot" im Fussballstadion, das am Donnerstag zu nicht mal zehn Prozent ausgelastet war, ist m. E. absolut überzogen. Zumal es sich ja szgn. um einen Hygieneschutzraum gehandelt hat.

  3. 70.

    Hallo Gerd, mal rein logisch gesehen: Wenn sich ein Fan anstecken sollte, was niemand will, dann kann er oder sie wieer andere anstecken, logisch, oder? Und damit auch andere gefährden.
    Beste Grüße
    rbb|24

  4. 69.

    Ich habe mich im Stadion mit einem netten Mittsechziger unterhalten, der mein Nachbar war und bereits seit über 50 Jahren Union Fan ist, aber aufgrund der Coronamaßnahmen in letzter Zeit kaum mal ein Spiel besuchen konnte. Er hat auch leise mitgesungen und einen glücklichen Eindruck gemacht. Wir haben uns bei der Unterhaltung auch nicht direkt angeschaut, um das Risiko einer evntl. Ansteckung zu vermeiden. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme ist also vieles möglich, was den Menschen etwas Freude in diesen doch recht schwierigen Zeiten bringt. Und das hat m. E. am Donnerstag sehr gut geklappt.

  5. 68.

    Wo bitte haben sich die Fans, die am Donnerstag im Stadion gesungen haben, unsozial gegenüber denjenigen verhalten, die die Pandemie "einfach mal durchstehen" wollen, Karl? Es wurde ausschließlich auf den Tribünen mit Sicherheitsabstand gesungen - und nicht im öffentlichen Raum, wo sich Unbeteiligte befunden haben. Sie können davon ausgehen, dass diese Fans wie jeder andere auch die Pandemie unbeschadet überstehen möchten. Nur muss man deshalb nicht jedes noch so dämliche Verbot mitmachen, bin ich der Meinung.

    Und ja, ich halte diese Anordnung für lachhaft, da wie bereits von Jürgen in seinem Beitrag #65 aufgeführt, das Hygienekonzept eingehalten wurde und man beim Singen die Töne in eine Richtung mit leicht erhobenem Kopf hervorbringt - also niemanden direkt ansingt.

  6. 67.

    Wurde denn der Quatsch mit dem Verbot des Singens mit rechtsstaatlichen Mitteln verboten?

  7. 66.

    Sie sind genau ein Teil des Problems. Sie biegen sich die Regeln, so wie Sie Ihnen passen. Union macht das auch so. Das ist einfach unsozial ggü. dem Großteil der Bevölkerung, die diese Pandemie einfach mal durchstehen will und daher Einschränkungen hinnimmt. Egoisten wie Sie rebellieren dagegen, aber nicht mit demokratischen oder rechtsstaatlichen Mitteln, sondern mit Egoismus. Das Verbot war vor dem Spiel bekannt. Zeit genug, mit rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen, aber nein. Union und Unioner machen das mit anarchistischem Verhalten. Etwas Respekt ggü. den anderen Menschen, die sich vernünftig verhalten, wäre angezeigt.

  8. 65.

    mal an diejenigen, die sich hier die Mäuler über Union und deren Zuschauer zerreißen. Ehe man dazu was sagt, sollte man vielleicht dabei gewesen sein. Jede zweite Reihe frei, immer 2 Plätze nebeneinander, maskenpflicht im stadiongelände und Ordner, die höflich aber bestimmt drauf hinweisen, wenn was nicht so war. Hier darf nicht gesungen oder sprechchöre zu hören sein, lachhaft und weltfremd. Bei ner demo sind sogar masken Mangelware und keiner schreitet wirklich ein. Über die illegalen parties reden wir mal garnicht. Also Leute, bleibt auf dem Teppich!

  9. 63.

    Zitat: "Peinlichkeit hat einen Namen: Union Berlin. Wie gut, dass der Kultclub bei vielen anderen Fans (bundesweit) unten durch ist. Selbst Unioner kritisieren zurecht diese Vereinsführung. Steigt doch einfach wieder ab."

    So so, der FCU ist also bei vielen Fans bundesweit "unten durch". Da scheint bei Ihnen wohl der Wunsch der Vater des Gedanken zu sein, denn mit der Realität hat Ihre Aussage seehr wenig zu tun. Das Gegenteil ist der Fall: viele Fans anderer Vereine schauen respekvoll auf die Vereinsführung und deren Umgang mit sowohl gesellschaftspolitischen Themen, die nicht nur den Fussball betreffen, als auch auf den Umgang mit den eigenen Fans.

    Und was Peinlichkeit anbelangt, sollten Sie sich mal an die eigene (blau-weisse) Nase fassen. Schön auch Ihr letzter Satz, der nochmal klarmacht, um was es Ihnen eigentlich geht.

  10. 62.

    Zitat: "Hier geht's nur um Viel Geld was intressiert da die Gesundheit der ANDEREN hautsache wir haben die Einnahmen von den Zuschauern."

    Diese Einschätzung Ihrerseits ist schon insoweit unzutreffend, als dass der FCU mit seinem (sicher streitbaren) Hygienekonzept angedacht hat die Kosten der Covid-19 Tests für alle der gut 22.000 Zuschauer selbst tragen zu wollen. Das wäre durch die Ticketeinnahmen nicht aufzuwiegen gewesen.

    Gestern waren etwa 1800 Zuschauer im Stadion, das war sicher kein Plus-Geschäft für den Verein. Und selbst bei den für Bl. Spiele aktuell zugelassenen 4500 Zuschauern macht man keinen Gewinn.

  11. 61.

    Die Meckerkopp- und Empörungsfraktion rotiert auch bei diesem Thema wieder mal im Kreis. Kein Wunder also, dass in letzter Zeit vermehrt Kommentarstränge geschlossen werden.

    Ich halte dieses Singeverbot im Stadion für eine praxisferne Kopfgeburt eines Schreibtischhengstes. Mein gestriger Besuch im Stadion hat mich vom Hygienekonzept überzeugt und der absolut überwiegende Teil der Zuschauer hat sich auch daran gehalten. Singe- und wm. auch noch Jubelverbot bei Fussballspielen - gehts noch?!

  12. 60.

    Natürlich haben wir zu zweit nebeneinander gesessen. Vier Tickets für einen Haushalt bestellt. Je zwei zusammenhängende erhalten. Dazwischen eine Zweier Lücke, die von den Ordnern kontrolliert wurde. Die Plätze waren eigentlich mit Kabelbindern gesperrt. Wir hatten Glück, dass unsere vergessen wurden, bis zu dem Zeitpunkt, wo Ordner uns zu viert nebeneinander gesehen haben. Trotz eines Haushalts mussten wir auseinander rücken, damit wir im Versatz zu den Reihen vor und hinter uns sitzen. Soviel dazu, dass die Ordner nicht eingeschritten sind! Vielleicht sollte sich mal jemand um die wahren Gefahren wie überfüllte Busse und Bahnen kümmern.

  13. 59.

    Die Infektionszahlen gehen nach oben und hier wird für das freie, ungehemmte Fußball-Gegröle gestritten.
    O tempora, o mores.

  14. 58.

    Wenn man die Bilder vom Union mit denen von letzten Sontag in Cottbus vergleicht ist da schon ein ganz schöner Unterschied. Aber die Ansichten des Vereins sind schon grenzwertig. Da wäre ein Denkzettel schon angebracht. Aber Berlin sieht eh alles lockerer.

  15. 57.

    Mal zwei ernst gemeinte Fragen unter den vielen sinnfreien und nicht ernst zu nehmenden Kommentaren hier:
    1. Wer von den hier anwesenden Kommentatoren kann von sich bei ehrlicher Reflexion behaupten, dass er gestern abend vom Verbot des Singens im Freien in einem Stadion wusste?
    Selbst wenn ich mich immer und überall an alle möglichen sinnvollen oder sinnfreien Regeln halten würde, hätte ich gestern abend einen Fehler gemacht, indem ich mangels besseren Wissens lautstark wie immer meine Unioner angefeuert hätte. Und wenn ich von dieser sinnfreien Regelung gewusst hätte, wäre ich diese höchstbewusst übergangen und der 1.FC Union wäre in keinster Weise für mein "Fehlverhalten" verantwortlich gewesen.

    2. Wenn jetzt singen verboten ist, ist dann lautstarkes Rufen auch verboten?
    Ich meine ja nur, wir haben ne Menge Verse und Sprechchoreos im Repertoire.

  16. 56.

    Hier geht es aber gerade darum, dass das gültige Hygienekonzept nicht nur nicht eingehalten wurde sondern auch noch in Frage gestellt wird. Und ohne Einhalten der AHA-Regeln und der weiteren Maßnahmen kommt es sehr wohl zu Ansteckungen und Ausbreitungen. Da sollte nun doch schon mal eingegriffen werden, zumal sich der Fußball als Vorreiter sieht und eine Vorbildfunktion hat.

  17. 55.

    Herr Dr.Franke nehmen sie ihr Wissen?
    "Anstatt sich weiträumig auf den Rängen zu verteilen, stehen und sitzen alle dicht beeinander, ohne dass es die Ordner oder den Stadionsprecher juckt."

    Oder haben sie falsche Bilder im Kopf? Ich habe Bilder mit gleichmäßig in Zweiergruppen verteilten Zuschauer gesehen.
    Und negieren sie nicht Leistungen Beteiligter des Hygienekonzeptes.

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