Niklas Stark (Hertha BSC) und Maximilian Arnold (VFL Wolfsburg) im Zweikampf (Bild: imago images / Tilo Wiedensohler)
Audio: Inforadio | 01.11.2020 | Dennis Wiese | Bild: www.imago-images.de

Hertha vor Geisterspiel gegen Wolfsburg - Keine Zuschauer, viel Druck

Vier Spiele nacheinander hat Hertha BSC verloren. Gegen seinen Ex-Club, den VfL Wolfsburg, braucht Bruno Labbadia dringend einen Sieg. Denn trotz des großen Umbruchs: Punktet Hertha wieder nicht, wird es ungemütlich. Von Dennis Wiese

Personal

In der Innenverteidigung wird Jordan Torunarigha weiter schmerzlich vermisst. Er war unter Labbadia am Ende der letzten Saison gesetzt, sorgte für Größe und Stabilität in der Abwehr. Für ihr wird wohl wieder Neu-Herthaner Omar Alderete auflaufen. Neuzugang Deyovaisio Zeefuik fehlt nach einer gelb-roten Karte. Ansonsten sind alle Spieler mit Stammplatzpotential einsatzbereit.

Ein weiterer Neuer, Matteo Guendouzi, wird Hertha "über kurz oder lang weiterhelfen", so Trainer Labbadia. Der Franzose dürfte (siehe unten) sich gegen Wolfsburg erstmals das Hertha-Trikot überstreifen.

Es fehlen: Santiago Ascacibar (Aufbautraining nach Muskelverletzung im Oberschenkel), Jordan Torunarigha (Syndesmoseteilriss) und Deyovaisio Zeefuik (Gelb-Rot-Sperre).

Die Form

Fehlende Konstanz und individuelle Fehler. Das zeichnet Hertha in dieser jungen Saison aus. Spiel um Spiel winkt Labbadia an der Seitenlinie ab, muss sich nach Abpfiff über "billige Gegentore" ärgern. Dass die neu zusammengestellte Mannschaft es kann, hat sie vor allen Dingen bei den Bayern und in Leipzig gezeigt, bei den Top-Teams der Liga. Doch auch bei diesen Auftritten gab es am Ende keine Punkte.

Zumindest scheint die Stimmung intakt zu sein, auf dem Trainingsplatz wird konzentriert gearbeitet, aber auch gelacht. Die Südamerikaner Jhon Cordoba und Matheus Cunha haben in dieser Woche nach Trainingsende fleißig aufs Tor geschossen – und hatten Spaß dabei. Dennoch: Neun der letzten elf Pflichtspiele hat Hertha verloren. Die Wende sollte schnell gelingen, damit das Lachen nicht bald verstummt.

Der Gegner

… sorgt nicht gerade für Torspektakel. In den fünf Ligaspielen der Wolfsburger sind insgesamt gerade einmal sieben Treffer gefallen (4:3 Tore). Anders als die Minimalisten aus der Autostadt ließ Hertha es bislang krachen: 21 Tore (9:12) sind (hinter den Bayern) Liga-Bestwert. Unterhaltsam ist es also bei den Spielen mit den Blau-Weißen.

Nach vier Unentschieden zum Auftakt gewann Wolfsburg am vergangenen Wochenende zum ersten Mal. Der Heimsieg gegen Aufsteiger Bielefeld dürfte für Selbstvertrauen gesorgt haben. Auch bei Maximilian Philipp. Der Neuzugang von Dynamo Moskau spielte erstmals von Beginn an im Wölfe-Trikot und ist nun heiß auf seinen Einsatz gegen Hertha.

Acht Jahre lang, bis zur C-Jugend, kickte der gebürtige Berliner für Hertha. Dann wurde er aussortiert: zu klein, zu schmächtig, zu langsam, hieß es. "Natürlich war das auch eine Motivation, wenn man gesagt bekommt, dass man etwas nicht schafft, und dann schafft man es im Endeffekt. Das ist für mich Genugtuung und zeigt: Man kann alles schaffen, was man will", sagt Philipp. Der Mann freut sich auf seinen Einsatz im Olympiastadion.

Herthaner im Fokus

Matteo Guendouzi, der Lenker mit Lockenkopf. Der Franzose ist wohl Herthas spannendster Neuzugang. Schon mit 19 Jahren war er im zentralen Mittelfeld des FC Arsenal gesetzt, begeisterte mit seinen Qualitäten als Ballverteiler, Stratege und mit viel Selbstvertrauen. Im Sommer kam dann nach mehr als 80 Partien das plötzliche Ende in London.

Auf eine Handgreiflichkeit im Spiel gegen Brighton folgte die Suspendierung. Anfang Oktober wechselte der Mittelfeldmann auf Leihbasis zu Hertha. Der Verein traut dem 21-jährigen zu, für Kreativität und Stabilität im Zentrum zu sorgen. Nach überstandener Corona-Infektion trainiert Guendouzi seit Dienstag mit der Mannschaft. Gegen Wolfsburg könnte der Kapitän der französischen Nachwuchs-Nationalmannschaft debütieren.

Besonderheiten

Hertha-Trainer Bruno Labbadia steht vor seinem 100. Sieg als Bundesliga-Coach. Dieses Jubiläum ist seit dem zweiten Spieltag möglich. Doch Herthas Pleitenserie sorgt dafür, dass Labbadia die hundert nun gegen seinen Ex-Club Wolfsburg voll machen kann.

Bis zum Sommer 2019 trainierte Labbadia die Wölfe, führte sie ins internationale Geschäft und baute eine Mannschaft auf, von der auch jetzt noch viele Spieler in der Autostadt kicken. Labbadias Zeit war erfolgreich. Doch er hatte Differenzen mit VfL-Sportchef Jörg Schmadtke und verließ deshalb den Club. Erstmals trifft Labbadia nach seinem Abgang auf Wolfsburg und kann das Wiedersehen mit dem 100. Bundesliga-Sieg als Trainer veredeln. Jubeln müsste er dann aber allein mit Spielern, Betreuern und Hertha-Offiziellen, denn das Spiel im Olympiastadion findet ohne Zuschauer statt.

Sendung: Inforadio, 01.11.2020, 14:24 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

2 Kommentare

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  1. 1.

    Da gibt es wieder auf den Sack :)

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