Hertha-Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 07.10.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Bernd König

Herthas Fazit nach der Transferphase - Kompromisse mit Qualität

Hinter Hertha BSC liegt eine "sehr schwierige Transferphase". Die Berliner konnten erst spät zuschlagen und nicht die ganz großen Namen präsentieren - auch weil sie an ihren finanziellen Vorgaben festhielten. So fällt das Fazit der Transferphase durchwachsen aus.

Der eine bezeichnet sie als "sehr schwierig", der andere gar als "außergewöhnlich". In einem scheinen sich Hertha-Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz in Bezug auf die Transferphase einig zu sein: Sie wirken fast schon froh, dass die nervenaufreibende Zeit des Pokerns nun vorbei ist und sie sich wieder voll und ganz auf den Fußball konzentrieren können.

Keine großen Namen

Zwölf Wochen lang war das Transferfenster zuletzt geöffnet - und viele große Namen wurden mit dem Hauptstadtklub in Verbindung gebracht. WM-Siegtorschütze Mario Götze etwa, der sich am Dienstag PSV Eindhoven anschloss. Oder Christian Eriksen sowie Ex-Bayern-Spieler Ivan Perisic (beide Inter Mailand).

"Wir haben uns mit sehr, sehr vielen Namen auseinandergesetzt und auch das eine oder andere versucht. Und es ist auch so, dass nicht alles funktioniert hat", bilanziert Michael Preetz. "Ich finde auch, dass man immer abwägen muss, wo man als Verein steht, wenn man über den oder die großen Namen spricht." Denn den internationalen Wettbewerb etwa können die Berliner den umworbenen Spielern aktuell nicht bieten. "Und es ist ja nicht so, dass wir nichts gemacht haben. Wir haben für unsere Verhältnisse schon sehr, sehr ordentlich in den Kader investiert und die Mannschaft dementsprechend verstärkt", sagt der 53-Jährige.

Schon im Winter wurde Lucas Tousart geholt, aber bis Saisonende an seinen abgebenden Klub Lyon ausgeliehen. Im August verkündeten die Berliner die Verpflichtung von Torhüter Alexander Schwolo, im September kam Stürmer Jhon Cordoba aus Köln. Positionen, auf denen Handlungsbedarf bestand, gab es auch danach noch. Doch bei Hertha passierte lange nichts - bis kurz vor Schluss.

"Man hat ja gesehen, was am letzten Tag dann nochmal los war."

"Man hat ja gesehen, was am letzten Tag dann nochmal los war", sagt auch Trainer Bruno Labbadia. Am sogenannten Deadline-Day lotsten die Berliner zwei Neue und ein bekanntes Gesicht (zurück) an die Spree. Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi vom FC Arsenal wurde für ein Jahr ausgeliehen. "Er ist ein sehr ballsicherer Spieler, der permanent den Ball will, was uns sehr guttun kann", so der Coach. "Wir haben mit ihm einen Spieler bekommen, der auf der einen Seite noch sehr jung ist und auf der anderen Seite aber schon auf hohem Niveau Erfahrung gesammelt hat", analysiert Manager Preetz.

"Aber eines ist ja klar", ergänzt Bruno Labbadia: "So ein Fenster geht bei so einem Spieler nur auf, wenn irgendwo ein Problem dabei war. Deswegen können wir nicht sagen, dass wir nur die Spieler holen können, die perfekt sind. Wir müssen auch Spieler holen, wo vielleicht irgendwo mal was ist." Der Franzose machte in jüngerer Vergangenheit vor allen Dingen mit Disziplinlosigkeiten auf sich aufmerksam. Bei einem Auswärtsspiel in Brighton soll er im Trikot des FC Arsenal Spieler des Gegners verbal gedemütigt und aufgrund ihres geringeren Gehaltes verspottet haben.

Preetz: "Wir sind schon zufrieden mit dieser Transferphase."

Hertha musste Kompromisse eingehen. Und das gilt auch für die Saisonziele. Man wolle den eigenen Fußball "weiterentwickeln" und nach Möglichkeit besser in der Tabelle abschneiden als in der Vorsaison. "Wir haben jetzt eine Mannschaft zusammengestellt, die eher für die Zukunft ist. Trotzdem müssen wir gucken, dass wir so wie gegen Bayern, noch mehr Ergebnisse abliefern", meint Labbadia.

Ein Mann für die Zukunft ist auch Omar Alderete. Der 23-Jährige unterschrieb einen Vertrag für mehrere Jahre. "Er soll natürlich dazu beitragen, unsere Defensive zu stabilisieren", meint Manager Preetz. Zudem holten die Berliner den ausgeliehenen Eduard Löwen früher wieder nach Berlin zurück. "Wir sind schon zufrieden mit dieser Transferphase und glauben, dass wir zum Teil ehemalige Leistungsträger durch jüngere Spieler ersetzt haben, die allerdings auch über eine dementsprechende Qualität verfügen", so Preetz.

Bis sich diese Qualität auch auf dem Platz widerspiegelt, könnte aber noch etwas Geduld gefragt sein. "Da haben wir eigentlich das nächste Problem. Die meisten Spieler kommen erst am Donnerstagabend zurück und müssen auch noch getestet werden", erklärt Labbadia. "Wenn wir Pech haben, kann es also passieren, dass wir gegen Stuttgart vielleicht sogar ohne Training ins Spiel gehen. Wir haben jetzt 13 Spieler, die weg sind. Das ist natürlich keine tolle Lösung, aber auch das müssen wir natürlich wie immer meistern."

Eines ist sicher: Optimal ist die Transferphase aus Sicht von Hertha BSC nicht gelaufen. Aber: "Wir haben unter den Umständen, die wir nunmal hatten, das Bestmögliche rausgeholt", so der Trainer.

Sendung: rbb UM6, 07.10.2020, 18 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Tennis Borussia-Trainer Markus (Quelle: imago images/opokupix)
imago images/opokupix

Tennis Borussia gegen den BFC Dynamo - Flutlicht-Derby im Livestream

Tennis Borussia gegen den BFC Dynamo: Dieses Duell gab es früher regelmäßig. Erstmals seit fast zehn Jahren treffen beide Teams nun wieder in einem Punktspiel aufeinander. Ein brisantes Duell unter Flutlicht.

 

rbb|24 zeigt das Spiel am Freitag ab 18:55 Uhr im Livestream.