Hertha-Trainer Bruno Labbadia im Regen. / imago images/Metodi Popow
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Keine Gesänge im Stuttgart-Spiel - Es braut sich was zusammen bei Hertha BSC

Vor dem Heimspiel gegen Stuttgart häufen sich die Probleme bei Hertha BSC. Vernünftiges Training ist unmöglich, es gibt einen neuen Corona-Fall - und als wäre das nicht genug, meldet sich auch noch Aufsichtsratsmitglied Jens Lehmann. Von Jakob Rüger

Personal

Trainer Bruno Labbadia hat keine große Auswahl vor dem Heimspiel gegen Stuttgart (Samstag, 15:30 Uhr) und kann auch nicht auf die Trainingseindrücke bauen. Die Südamerika-Fraktion um Cunha, Cordoba und Neuzugang Alderete kommt erst 40 Stunden vor dem Bundesligaspiel wieder nach Berlin. Da alle noch einen Corona-Test absolvieren müssen, wird die Vorbereitung vor allem aus Videostudium bestehen. Sie alle sind einmal quer um die Welt geflogen, gespielt hat allerdings nur Neuzugang Omar Alderete für Paraguay und zwar ganze zwei Minuten. "Wir zahlen die Zeche für die Länderspielpause", klagt deshalb nicht zu Unrecht Manager Michael Preetz.

Es fehlen: Ascacibar (Muskelverletzung im Oberschenkel), Klünter (Beckenprellung), Guendouzi (Quarantäne) nach positivem Corona-Test) und Torunarigha (Syndesmoseteilriss)

Die Form

Ein Sieg aus den ersten drei Bundesliga-Spielen, das ist kein optimaler Saisonstart für Bruno Labbadia. Offensiv ist Hertha immer für ein Tor gut, immerhin wurde schon acht Mal gejubelt. Hinten drückt allerdings kräftig der Schuh. Zu viele individuelle Fehler kosteten Punkte. Zuletzt in München erkämpften sich die Berliner ein 3:3, um am Ende durch einen ärgerlichen Elfmeter doch noch zu verlieren. An der Defensivschwäche konnte der Trainer in der Länderspielpause nicht arbeiten. Teilweise hatte Labbadia nur elf Feldspieler zur Verfügung, der Nachwuchs musste aushelfen, um Spielsituationen zu simulieren.

Der Gegner

Der Aufsteiger aus Stuttgart ist mit vier Punkten aus drei Spielen in die Bundesliga-Saison gestartet. So gut waren die Schwaben zuletzt vor neun Jahren, der Trainer damals hieß, Sie ahnen es, Bruno Labbadia. "Der VfB hat in der Region eine Wucht und Macht, die man aus der Ferne gar nicht so sieht", beschreibt der Hertha-Coach seinen Ex-Verein. "Ich freue mich, dass der Klub zurück in der Bundesliga ist, denn dort gehört er hin." Die Stuttgarter selbst sehen sich nicht als Aufsteiger, sondern mindestens als Top-10-Verein. Dort will die Mannschaft mit einer Mischung aus erfahrenen Bundesligaspielern und jungen Talenten unter Chefcoach Pellegrino Matarazzo wieder hin.

Herthaner im Fokus

Er war der wichtigste Neuzugang am Ende des Transferfensters vergangene Woche. Matteo Guendouzi sollte das Mittelfeld verstärken und für Kreativität und Zweikampfhärte sorgen. Daraus wird erst einmal nichts. Guendouzi war für die U-21-Nationalmannschaft Frankreichs im Einsatz und kam mit Corona zurück. Zwei entsprechende Tests nach seiner Rückkehr fielen positiv aus. Nun muss der 21-Jährige für mindestens zehn Tage in häusliche Quarantäne. Der Leihspieler vom FC Arsenal hatte allerdings keinen Kontakt zu seinen Hertha-Mitspielern und dem Berliner Trainerteam. "Im Verein gibt es keine weiteren Corona-Fälle", erklärte Pressesprecher Marcus Jung. Glück im Unglück könnte man sagen.

Besonderheiten

Manager Michael Preetz wusste auf der Pressekonferenz, dass die Frage nach Jens Lehmann kommen würde. Das Aufsichtsratsmitglied, das von Investor Lars Windhorst berufen wurde, äußerte sich zuletzt in der "Sport Bild" zu den Zielen des Hauptstadt-Klubs. Mindestens Europa-League soll es sein und das wissen auch alle im Verein, so Lehmann. Eine Zielvorgabe, die sich allerdings nicht mit den Aussagen von Preetz und Präsident Werner Gegenbauer deckt. Die hatten, um den Druck auf Trainer Labbadia nicht zu groß werden zu lassen, von einer schrittweisen Verbesserung in der Tabelle gesprochen.

Nun legte Preetz vor dem Stuttgart-Spiel noch einmal nach: "Jens Lehmann spricht für sich und formuliert seine Erwartungen und vielleicht auch die des Investors. Bruno Labbadia und ich formulieren die Ziele im Verein. Es gibt im Moment dringendere Fragen zu klären, als den Ausgang der Saison nach drei Spieltagen." Das Thema bringt Unruhe und Schlagzeilen, die Hertha BSC vor dem wichtigen Spiel gegen Stuttgart nicht gebrauchen kann. Ein Sieg im Berliner Olympiastadion gegen den Aufsteiger ist fast schon Pflicht, andernfalls geht der Blick der Hertha nicht nach Europa, sondern in Richtung Abstiegszone.

Dabei helfen sollen auch wieder die Fans. Hertha plant mit den vom Gesundheitsamt genehmigten 4.500 Zuschauern, die dürfen aber weder singen noch rufen. So steht es - gut sichtbar - auf den Eintrittskarten.

Sendung: rbb UM6, 15.10.2020, rbb UM6

Beitrag von Jakob Rüger

14 Kommentare

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  1. 14.

    Ein Manager darf sich nicht nur lächelnd auf der
    Tribüne sitzen. Er darf auch Optismus verbreiten
    Dann werden auch die Spieler positiv reagieren.
    Das kann man mit noch soviel Geld nich erkau-
    den. Es muss auch menschlich stimmen.

  2. 12.

    Ich versteh Berlin immer weniger - in anderen Städten werden bei 50 oder mehr die Zuschauer nicht zugelassen, Berlin gilt als Stadt, die Corona am wenigsten im Griff hat (ob zu Recht oder Unrecht, die Zahlen in Berlin gehen hoch...
    Konsequenz: Hier finden die BL-Spiele dann doch mit Zuschauern statt (oder sollen)!
    Da fragt man sich schon, was der Leiter/die Leiterin des Gesundheitsamts wohl so beruflichen machen...Oder die Gesundheitssenatorin...

  3. 11.

    Der bessere möge gewinnen - auf ein faires Spiel und ein gutes Händchen vom Herrn Labbadia, um dessen Aufgabe ich ihn nicht beneide.
    Viele Grüße Neo (Eintracht Frankfurt, aber als Hauptstadtgeborener immer ein Auge auf Hertha Habender)

  4. 10.

    Schließe mich Ihrer Meinung an.

    Und schon wieder nölt Herr Preetz und macht sogar Stimmung gegen den Investor, Donnerwetter, was er sich alles traut!
    Natürlich darf dieser bei seiner Rieseninvestition einen besseren Ligaplatz erwarten!!

    Was hat dieser Manager in der Hand oder im Kopf, dass er mit seinem Ego prahlend behaupten darf
    "Bruno Lappadia und ich formulieren die Ziele im Verein"? Ist das Ziel jetzt Mittelmaß?
    So motiviert man keinen Spieler zu einer besseren Leistung. Ich glaub's nicht.

    Es wird wieder Unfrieden gesetzt und Streit geschürt - und folglich hintere Plätze eingenommen, wenn nicht gar der Abstieg herbei geführt.
    Alles schon durch.
    Und all das noch mit zusätzlichem bezahlten TV ertragen? Nein danke.
    Arme Hertha!

  5. 8.

    Ich habe grade auf meine Eintrittskarten geschaut. Da steht nichts von kein Singen und rufen. Ich war schon beim Spiel gegen Frankfurt im Stadion und war erstaunt, wie gut alles geregelt war und sich die Leute an die Regeln gehalten haben. Wenn sich mal zwei, drei Leute unterhalten haben, kam ein Ordner und hat sie gebeten, Abstand zu halten. Das hat auch in der Ostkurve geklappt. Ich muss sagen, ich kam mir sicherer vor, als im Supermarkt oder in manchem Restaurant. Ich werde jedenfalls da sein und die Hertha anfeuern. #hahohe

  6. 7.

    Jens Lehmann hat doch recht wenn er seine Erwartungshaltung einen Europapokalplatz zu ergattern formuliert und deutlich anspricht. Herr Preetz hat seinen Wunschtrainer in den Verein geholt der das bewerkstelligen soll und seiner Meinung auch könnte. Bei über 150 Mio. Investitionen in neue Spieler erwartet man von einem Manager auch mal solch Aussagen wie "Wenn die sogenannten großen schwächeln" müssen wir auch mal da sein. Immer das selbe gesülze wie, wir müssen besser als Platz 10 usw. wie in den Jahren davor ist Angst vor dem eigenen Versagen. Dann noch bei der PK die Aussage ist mit Bruno abgestimmt, es fehlt Ihm einfach an Courage. Als Verwaltungsangestellter mag das okay sein als Manager und Gestalter einfach zu wenig. Trotzdem toitoitoi für die neue Saison.

  7. 6.

    P.S. an mich selbst: Bei dieser Überschrift: Braut Hertha jetzt eigenes Bier??? ;))

  8. 5.

    Das ist echt voll krank! Auf den Eintrittskarten sollte stehen. Viel Spaß beim Spiel oder was auch immer.

  9. 4.

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Ich habe ein Sky-Paket inklusive Bundesliga. Da jedoch die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, gucke ich sie mir weitestgehend nicht an; es fehlt einfach die Athmosphäre. Ok, bei Union und Hertha gucke ich rein; Spaß habe ich aber nicht mehr.

  10. 3.

    versteh ich nicht, dass mit Zuschauern geplant wird. Es gibt die vorgabe der DFL, dass der Wert von 35 das Maß für die Teilnahme von Zuschauern im Stadion ist. Wenn ich recht informiert bin, hat Berlin derzeit einen Wert von weit über 50! Wie kann ein Gesundheitsamt bei solch einem wert zuschauer im Stadion zulassen? Für mich völlig unklar! Oder ist hier nur der Wunsch Vater des Gedankens?

  11. 2.

    Kann mal einer den Lehmann abstellen bitte!?
    Die aktuelle Lage ist schon schwer genug, da sollte man Bruno und sein Team in Ruhe arbeiten lassen, selbst ein dreckiger Dreier würde angesichts der momentanen Situation wahrscheinlich mit Kusshand genommen werden.

    Dass mit südamerikanischen Nationalspielern im Kader die Länderspielpausen (auch ohne Corona) kompliziert werden, müsste den Verantwortlichen jedoch schon bei deren Verpflichtung klar gewesen sein.
    Im Übrigen hat auch der VfB mit Problemen nach der Länderspielpause und darüber hinaus verletzten Spielern zu kämpfen.

    Da es gegen Stuttgart geht, drücke ich als Exil-Freiburger der Hertha für dieses Spiel natürlich kräftig die Daumen. ;-)

  12. 1.

    Da kann keine Freude aufkommen! Wer soll da noch Lust auf Fußball haben? Lassen wir mal die üblichen Unruhen bei Hertha und den Größenwahn links liegen, ehrlich gesagt es ergibt alles keinen Sinn mehr. Die Länderspiele, Europapokal, DFB Pokal (auch ohne Hertha) und die Bundesliga alles soll ausgeschlachtet werden, damit einige Fußball-Bosse den großen Profit machen? Alles auf Maximum, um jeden Preis, Chancengleichheit war schon am ersten Spieltag nur eine Illusion. Der große Knall wird kommen, die Spieler leben ja nicht unter einer großen coronafreien Glocke.
    Die Fußballfans dürfen weder singen noch rufen, so steht es - gut sichtbar - auf den Eintrittskarten. Da fragt man sich, wie krank ist das denn! Und als wäre das alles nicht genug, da werden diese Spiele auch noch vom privaten TV für teures Geld angeboten. Nun kann ja jeder selbst entscheiden ob er sich das "gönnen" will, ich finde es abartig.

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