Torjubel bei Turbine Potsdam (imago images)
Bild: imago images

Turbine Potsdam vor Spitzenspiel in München - Fast wie früher

Vor dem Gastspiel bei Tabellenführer Bayern München liegt Turbine Potsdam auf Rang drei und nur zwei Punkte zurück. Klingt nach alten, erfolgreichen Zeiten, dabei ist mal wieder vieles neu rund um das Karl-Liebknecht-Stadion.

Ein wenig überraschend ist dieser Saisonstart von Turbine Potsdam in der Fußballbundesliga der Frauen schon. Denn weder war angesichts der erneuten Umwälzungen, die in diesem Jahr nicht nur den Kader, sondern auch gleich noch den Trainerposten betrafen, zu erwarten, dass die Mannschaft nach sechs Spieltagen noch ungeschlagen sein würde. Noch stand zu vermuten, dass der bisher einzige Punktverlust ausgerechnet beim Aufsteiger in Meppen (2:2 am zweiten Spieltag) zu beklagen sein würde.

Alles in allem aber dürfte die Zufriedenheit überwiegen rund um das Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam. Denn Turbine belegt derzeit nicht nur den vor der Saison als Ziel ausgegebenen dritten Platz, der erstmals zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, sondern verfügt bereits über ein Fünf-Punkte-Polster auf Eintracht Frankfurt.

Gestärkte Defensive

Die Frankfurter, vormals als 1. FFC am Start und seit dieser Saison unter dem Dach des Herren-Bundesligisten, gelten neben Hoffenheim (neun Punkte Rückstand) und der SGS Essen (zehn Punkte Rückstand) dabei als größte Konkurrenten.

Dass es so gut läuft für die Potsdamerinnen, liegt vor allem an der verbesserten Defensive. "Ich kann mich kaum an eine Saison erinnern, in der wir 45 Gegentore bekommen haben", sagte Präsident Rolf Kutzmutz im Sommer und über die vergangene Saison, die Turbine als Vierter abschloss. 45 Gegentore in 22 Saisonspielen waren das und also im Schnitt mehr als zwei Gegentore pro Partie. In der laufenden Saison steht die Mannschaft von Sofian Chahed bei fünf Gegentoren nach sechs Spielen, also im Schnitt knapp unter einem Gegentor pro Partie.

Mutig gegen die Bayern

Die deutlich positivere Bilanz ist allerdings auch dem Spielplan geschuldet. Denn, und auch das gehört zur Wahrheit des guten Starts, bis auf das Heimspiel gegen Hoffenheim am ersten Spieltag (3:1 für Turbine) ging es bisher nur gegen schwächer eingeschätzte Teams. Das immerhin wird sich an diesem Wochenende ändern, da es am Sonntag bei Bayern München gegen den absoluten Titelfavoriten geht. Deren Saisonbilanz bisher: sechs Spiele, sechs Siege, 20:0 Tore.

Das bislang letzte Duell ging mit 1:5 klar verloren. Doch Trainer Sofian Chahed zeigte sich im Gespräch mit dem rbb zumindest vorsichtig optimistisch: "Ich bin mir sicher, dass wir ihnen (…) sportlich Paroli bieten können und auch werden." Und er liefert gleich noch mit, wie das funktionieren soll: "Wir wollen mutig nach vorne spielen und natürlich auch angreifen. Wir wollen uns nicht nur hinten reinstellen, verteidigen, bunkern - und den Bus quasi im Tor parken. Wir wollen den Ball teilweise auch mal in der gegnerischen Hälfte erobern, sodass wir es dann kürzer zum Tor haben. Wir müssen die Zweikämpfe voll annehmen."

Wiedersehen mit der Ex

Und auch wenn es gegen die Bayern vermutlich weniger Ballbesitz geben wird als zuletzt, sieht Chahed genau darin das größte Verbesserungspotential seiner Mannschaft: "Da arbeiten wir ständig dran. Auch an der Passgenauigkeit, Passschärfe, in den richtigen Fuß spielen - dass wir da zumindest auch noch einmal ein bisschen Sicherheit bekommen."

Hoffnung auf Besserung besteht dabei vor allem deshalb, weil Turbine mal wieder auf junge, entwicklungsfähige Spielerinnen setzt. Mit durchschnittlich 22 Jahren stellt der Verein die zweitjüngste Mannschaft der Liga. Mit der Abwehrspielerin Merle Barth (aus Leverkusen) war nur ein Sommerzugang über 20 Jahre alt. Dafür verließen mit Lara Prasnikar (Eintracht Frankfurt) und Sarah Zadrazil zwei absolute Leistungsträgerinnen den Verein. Letztere ausgerechnet zum kommenden Gegner Bayern München.

"Komisch" werde das Spiel, ließ die Österreicherin im Vorfeld wissen, denn in Potsdam seien "Freundschaften fürs Leben entstanden". Die drei Punkte seien dennoch eingeplant, das sei schließlich Münchner "Anspruch". In Potsdam wird man mit dieser Erwartungshaltung leben können. Ansonsten wäre ein möglicher Punktgewinnen aber auch keine Überraschung mehr.

Sendung: rbb UM6, 16.10.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Es besteht kein Anlass das traditionsreiche Karl-Liebknecht-Stadion umzubenennen. Ich rate Ihnen etwas für politische Bildung zu tun und zur Kurzweil den Roman "Karl und Rosa" von Alfred Döblin zu lesen.
    Alfred Döblin im vierten, „Karl und Rosa“ betitelten Band seiner Romantetralogie „November1918“. Der Schriftsteller sieht Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als exotische Schmetterlinge, kurzlebig, unstet, schwer greifbar in den Wirren der Revolution. Viel Spaß bei ihrer Bildungsreise.

  2. 1.

    Wann wird endlich das Stadion umbenannt?

Das könnte Sie auch interessieren

Spieler von energie Cottbus jubeln über ein Tor im Landespokal. Quelle: imago images/Steffen Beyer
imago images/Steffen Beyer

Cottbus gegen den BAK - Hält die Lottner-Serie auch ohne Fans?

Das Stadion der Freundschaft erlebt am Samstag eine traurige Premiere. Zum ersten Mal in der Klubgeschichte dürfen bei einem Pflichtspiel der Cottbuser keine Fans ins Stadion. Ist das die Chance für den Berliner AK, einen Auswärtscoup zu landen? Von Andreas Friebel

rbb|24 zeigt das Spiel am Samstag ab 13:25 Uhr im Livestream.